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Autokrise: Das Lied von der Opel-Rettung

von Cornelia Schmergal (Rüsselsheim)

Bundeskanzlerin Angela Merkel wagt sich zu den Opelanern und bleibt in der Sache doch eisern. Ein Ortstermin von WirtschaftsWoche-Reporterin Cornelia Schmergal.

Bundeskanzlerin Angela Merkel Quelle: REUTERS
Bundeskanzlerin Angela Merkel (re.) mit Opel-Chef Hans Demant (L-R), Hessens Ministerpräsident Roland Koch und GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster (v. l. n. r.) Quelle: REUTERS
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Das Wichtigste flüstert der Opel-Betriebsratschef Bundeskanzlerin Angela Merkel direkt ins Ohr. Der Kinderchor, der da oben auf der Bühne singe, sagt Klaus Franz also leise, das sei nicht irgendein Chor. Das seien alles Kinder von Opelanern, aus echten Opel-Familien. Und ihr Lied sei nicht irgendein Lied, sondern eigens für Opel komponiert worden. Das Lied von der Opel-Rettung.

Heute haben die Opelaner jede Rührung perfekt inszeniert. Kaum hat Angela Merkel die Werkshalle betreten, in der über dreitausend Opelaner auf sie warten, singt der Kinderchor: „Die Hoffnung kommt, es ist nie zu spät.“ In den Stuhlreihen wischen sich betagte Opel-Arbeiter verstohlen ein paar Tränen aus den Augen. Ganz vorn reckt jemand ein Schild hoch, auf das er gepinselt hat: „Angie, du wirst uns doch nicht hängen lassen?“ Und Opel-Geschäftsführer Hans Demant kämpft bei seinen Begrüßungsworten sichtbar mit dem Kloß im Hals. Man muss schon verdammt hart gesotten sein, wenn man in diesem Moment nicht kräftig schlucken muss.

Einen schwierigeren Auftritt hat Angela Merkel wohl selten hinter sich bringen müssen. Die Opelaner haben Angst um ihr Unternehmen und erwarten an diesem Tag Klarheit, ob die Regierung ihnen helfen will oder nicht. Vor allem: Wie die Bundeskanzlerin zu ihnen steht, denn die CDU lehnt Staatsbeteiligungen an Unternehmen bisher ab. Angela Merkel selbst zeigte sich bislang ziemlich abwartend – schließlich wird die Zukunft von Opel auch im Wahlkampf zur entscheidenden Frage. Erst am Vortag hatte auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier gefordert, der Staat solle sich direkt an Opel beteiligen, falls sich kein privater Investor fände.

Nun also der Besuch bei Opel, der schon zu einer Zeit feststand, als von drohender Insolvenz noch gar keine Rede war. Es wäre aber feige gewesen, den Auftritt abzusagen, sagt Merkel. Und eines muss man ihr lassen: Feige ist sie an diesem Dienstag nicht. Angela Merkel hält eine Rede, die für ihre Verhältnisse ungewöhnlich emotional klingt. Sie wolle „leidenschaftlich“ dafür arbeiten, dass das Opel-Werk sein 150-jähriges Jubiläum in drei Jahren noch feiern könne, sagt sie zum Beispiel. Aber in der Sache bleibt die Bundeskanzlerin hart: Bürgschaft ja, Staatsbeteiligung nein. Auch wenn das nicht jeder in der Halle gehört hat. An der entscheidenden Stelle ihrer Rede nämlich ist der Applaus zu laut.

Es müsse darum gehen, für Opel einen privaten Investor zu finden, sagt Merkel. Dann könne die Regierung auch „staatliche Unterstützung zur Verfügung stellen“. Der nächste Halbsatz geht dann allerdings im aufbrandendem Beifall unter. Dafür stünden ja bereits Instrumente zur Verfügung, sagt die Kanzlerin und spielt damit auf den Bürgschaftstopf der Bundesregierung an. „Der Staat kann Brücken bauen, aber ist nicht der bessere Unternehmer“, sagt Merkel dann noch – und an dieser Stelle gibt es keinen Beifall mehr.

Am Ende wird Merkel von den Opelanern freundlich verabschiedet. GM-Europa-Chef Forster wirkt euphorisiert, nur die IG-Metall-Vertreter sind enttäuscht. Die Opelaner hatten ohnehin nicht mehr erwartet. „Eine Staatsbeteilung ist kein Muss, mit einem privaten Investor würden wir doch viel besser fahren“, sagt Andre Dammel aus der Opel-Logistik.

Tränen gibt es am Ende nur bei den Kindern aus dem Opel-Chor. Normalerweise singen hier zweihundert Grundschüler. Auf die Bühne durften an diesem Tag aber nur fünfzig Kinder. Wegen der Sicherheit, hatten die Herren von Bundeskriminalamt gesagt.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.05.2009, 01:52 UhrAnonymer Benutzer: Matt

    Es ist wirklich kurios, dass der Mittelstand immer als erstes schreit, wenn der Großindustrie geholfen wird. Oft wird so getan, als würde man den großen Unternehmen helfen und die kleinen sich selbst überlassen. bin mal gespannt, wann die Kleinen merken, dass sie sich im Fahrwasser der Großen befinden, ohne die sie als erste absaufen würden. Hilft man Opel, meckert der Mittelstand. Verschwindet Opel, meckert er auch, weil plötzlich reihenweise Aufträge aufgrund einer Kettenreaktion ausbleiben. Nicht umsonst hat sich Wendelin Wiedeking für eine Rettung ausgesprochen und der ist nicht gerade als Opelfan bekannt. Eine Pleite würde auf einen Schlag 25.000 Arbeitslose bedeuten. Hinzu kommen Zulieferer, Werkstätten und die Opelhändler. Die Kosten für die Sozialversicherung dürften höher liegen als die einer bürgschaft. im übrigen scheint niemand mitbekommen zu haben, dass VW 2 Milliarden Cash aus dem Rettungsfonds für die VW bank bekommen hat. Darüber wird kein Wort verloren, aber sich aufregen, wenn Opel lediglich um bürgschaften bittet.

  • 05.04.2009, 13:40 UhrAnonymer Benutzer: Öler

    Hallo MichaelS hoffentlich erledigt sich deine Firma 6 Monatedanach auch von selbst und dein Haus deine Kinder USW.Du bist der Typische Deutsche erst gelacht nicht nachgedacht!!!!!!

  • 01.04.2009, 09:59 UhrAnonymer Benutzer: zarromanowski

    an zockerfein
    eine absolut zutreffende beschreibung - ein Danke von einem Kleinunternehmer.
    Läßt man mal die Opel-Emotionen weg, kommt man zu der glasklaren Erkenntnis - Opel hat seit Jahren versagt und die immobilienkrise (USA) die zu einer Finanzkrise mutiert ist (weltweit) gab Opel den Rest. Jetzt wollen unsere berliner Oberschlaumeier den Steuerzahler mit ins lecke boot holen - kein Problem, wenn ich als investierender Steuerzahler auch einen Anreiz durch den Gesetzgeber bekomme. Es gibt aber keine Anreize für den bürger, so weit denkt man in der deutschen Politk nicht, denn der Steuerzahler muß die geduldige Melkkuh bleiben und hat gefälligst zu kuschen. Die bRD hat sich zu einem Obrigkeitsstaat entwickelt in der eine abgehobene, kleine Kaste genannt "die Elite", die Lebensplanung der bürger über Verordnungen und Vorschriften in die Hand nehmen will - das hat nichts mehr mit Demokratie zu tun. Es werden immer mehr Mittelständler den Laden schließen, weil sich das immer schon exorbitante soziale Risiko des Unternehmertums, zu einem nicht im geringsten mehr planbaren Abenteuer mit ungewissem, persönlichen Ausgang für die VOLLHAFTER entwickelt hat. Seit Jahren predigt der Mittelstand der großen Politik, dass sich die Zukunft der deutschen Gesellschaft mit der HAFTUNGSFRAGE entscheidet - es hat nichts geändert, denn die berliner-NiCHTHAFTER verstehen die Denkweise der VOLLHAFTER nicht.

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