US-Banken: Keine Kleinstaaterei

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US-Banken: Was die USA aus der Lehman-Pleite gelernt haben

Keine Kleinstaaterei

Historisch bedingt sind in Europa Banken zumeist als Universalbanken tätig, während bis 1999 in den USA ein Trennbankensystem vorgeschrieben war. Die Trennung von Investment- und Geschäftsbanken sollte die Einlagen bei Geschäftsbanken vor Risiken aus anderen Geschäftszweigen schützen. Nach der letzten Finanzkrise wurden die noch vorhandenen Investmentbanken von Universalbanken übernommen oder wandelten sich in eine Universalbank um. Die Fokussierung auf das reine Investmentgeschäft wurde damit beendet, die Expertise und die Marktanteile blieben jedoch erhalten.

Mehr noch: Die US-Banken konnten die Krise nutzen, um die weltweiten Marktanteile beim Investmentbanking auszubauen. Dieses Geschäft ist weiterhin hoch profitabel und trägt seinen Anteil an der Ertragskraft der US-Institute bei. In Europa wurden zur gleichen Zeit mögliche Vorzüge eines Trennbankensystems diskutiert. Diese Debatte hatte einen Anteil an der Reduktion des Investmentgeschäftes – ebenso wie strengere Vorschriften für den Eigenhandel und schärfere Kapitalanforderungen – von europäischen Instituten, die bis dato im Wettbewerb mit den amerikanischen Großbanken standen. In der Folge ist der Marktanteil europäischen Banken am heimischen Investmentgeschäft in den letzten zehn Jahren um die Hälfte gesunken, während die US-Banken gleichzeitig ihre Aktivitäten im europäischen Markt signifikant erhöht haben und heute bereits über 40 Prozent dieses Geschäfts in Europa abdecken.

Die US-Berichtssaison nimmt wieder Fahrt auf. Bereits in der vergangenen Woche haben einige US-Finanzinstitute ihre Zahlen vorgelegt und diese konnten sich mehr als sehen lassen. Vor allem im Investmentbanking wird wieder richtig Geld verdient.

Was haben wir also in Europa falsch gemacht, aber vor allem, was sollten und können wir heute noch ändern? Die Rigorosität und Schnelligkeit der USA nach der Lehman-Pleite mit dem Umgang der Krise ist sicherlich eine Lehre für die Zukunft. Ein Blick zurück hilft uns aber für den Umgang mit den heutigen Herausforderungen nur bedingt. Damit die europäischen Banken im Wettbewerb bei den Investoren wie auch Kunden nicht noch weiter an Boden verlieren, sollten sich die Vertreter von Aufsicht, Kreditwirtschaft und Politik gemeinsam zu einem wettbewerbsfähigen und eigenständigen Bankensektor in Europa bekennen, der in seinen Strukturen denen der europäischen Realwirtschaft entspricht.

Europäische Banken haben spät auf die Digitalisierung reagiert

Ein solcher Konsens ist wichtig für die Abschlussarbeiten des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht am Regulierungspaket Basel III. In Basel wird gerade die Zukunft der Bankenregulierung geprägt, das Schlagwort "Basel IV" erfasst die Arbeit präziser als "Abschlussarbeiten". Die aktuellen Entwürfe des Baseler Ausschusses zu Risikomodellen und Kapitalanforderungen lassen nichts Gutes für Europas Banken erwarten, zum Beispiel drohen dem klassischen Kreditgeschäft zusätzliche Kapitalanforderungen.

Der Kredit von der Bank ist aber das verbreitetste Mittel der Unternehmensfinanzierung in Europa. Höhere Eigenkapitalanforderungen verknappen Kredite für die europäische Wirtschaft. Die europäischen Mitglieder am Baseler Ausschuss sollten den Mut aufbringen, sich für die Geschäftsmodelle der Banken Europas einzusetzen, so wie es die amerikanischen Vertreter in Basel für die US-Institute handhaben. In Europa selbst sollten Regulierungsmaßnahmen darauf geprüft werden, inwieweit sie die Funktions- und Wettbewerbsfähigkeit der Kreditwirtschaft beeinträchtigen. Regulierung darf nicht zum Selbstzweck werden, sie sollte stattdessen mit Augenmaß der Stabilität des Finanzsystems dienen.

Wirtschaft im Weitwinkel Gibt es eine Zukunft für die europäischen Banken?

Deutschland scheint aktuell das Brennglas für die Schwäche des europäischen Bankensektors zu sein. Was muss geschehen, damit sich die Lage stabilisiert und eine mittelfristige Besserung möglich wird?

Krise-des-europäischen-Bankensektors Quelle: dpa

Aber natürlich haben auch die Banken in Europa und Deutschland noch eigene Hausaufgaben zu erledigen. Spät hat unsere Branche die Herausforderungen der Digitalisierung angenommen. Nun muss konsequent in digitalisierte Geschäftsmodelle und IT-Infrastruktur investiert werden, innovative Talente und unkonventionelle Ideen benötigen Freiraum in der Kreditwirtschaft. Neue Erträge im Bankgeschäft werden künftig noch stärker von Innovationen abhängen.

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Eine zentrale Lehre aus dem Vergleich zwischen den US-amerikanischen und europäischen Banken lautet aber schließlich, gerade in Zeiten, in denen Europa sich neu erfinden muss: Mehr einheitliches Vorgehen, keine Kleinstaaterei. Dann werden die europäischen Banken den Vergleich mit den USA nicht scheuen müssen.

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