Fahrdienst unter Druck: Sexismus-Vorwürfe gegen Uber

Fahrdienst unter Druck: Sexismus-Vorwürfe gegen Uber

, aktualisiert 20. Februar 2017, 12:29 Uhr
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Nachdem eine frühere Mitarbeiterin dem Fahrdienst-Vermittler Uber eine Unternehmenskultur voller Sexismus vorgeworfen hat, verspricht der Firmenchef ein hartes Durchgreifen.

Quelle:Handelsblatt Online

Eine Ex-Mitarbeiterin wirft einem Uber-Manager sexuelle Belästigung vor und prangert die Firmenkultur an. Gründer Travis Kalanick verspricht schnelle Aufklärung. Doch das Start-up steht nicht zum ersten Mal im Zwielicht.

San Francisco/BerlinDer Fahrdienst Uber aus San Francisco hat mit Sexismus-Vorwürfen zu kämpfen. Sie sei von einem Vorgesetzten belästigt worden, notierte die ehemalige Mitarbeiterin Susan J. Fowler in einem Blog-Post am Sonntag. Die Personalabteilung habe den Vorfall heruntergespielt. Uber-Gründer Travis Kalanick ordnete eine Untersuchung des Vorfalls an.

Was Fowler in ihrem Text beschreibe, sei „abscheulich“ und nicht mit den Werten des Unternehmens vereinbar, erklärte Kalanick in einem Beitrag im Firmenblog. Er höre das erste Mal von den Vorwürfen und habe eine „unverzügliche Untersuchung” angeordnet. Es sei „absolut kein Platz für diese Art von Verhalten bei Uber”, so Kalanick. „Und jeder, der sich so verhält oder denkt, dass es in Ordnung ist, wird gefeuert.“

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Die Programmiererin hatte ein Jahr lang in der Produktentwicklung des Dienstes gearbeitet. Bereits am ersten Tag habe der Vorgesetzte ihres Teams sie mit Nachrichten bestürmt und vorgeschlagen, ein sexuelles Verhältnis mit ihm zu beginnen, klagt Fowler in ihrem Beitrag.

Sie habe die Personalabteilung informiert, doch diese habe nur abgewunken. Der beschuldigte Manager sei ein „Leistungsträger“ mit besten Beurteilungen von Vorgesetzten, hätten die Personaler ihr mitgeteilt; der Vorfall sei nur ein „unschuldiger Fehler“. Es stehe der Frau jedoch frei, das Team zu wechseln.

Sollte sie bleiben, so die Frau weiter in ihrem Blog, müsse sie laut Personalabteilung damit rechnen, von dem betreffenden Manager eine schlechte Beurteilung zu erhalten. Angeblich habe man zum ersten Mal von entsprechenden Vorwürfen gegen den Mann gehört.

Vorwürfe sexueller Diskriminierung sind nicht neu in der von Männern dominierten Arbeitswelt der Tech-Industrie. In den vergangenen Jahren sorgte unter anderem die Klage von Ellen Pao gegen die berühmte Risikokapital-Firma Kleiner Perkins für Aufsehen. Pao konnte die Geschworenen jedoch nicht davon überzeugen, dass sie in ihrer Karriere benachteiligt wurde, weil sie eine Frau ist.

Die neuen Vorwürfe gegen Uber sind aber drastischer als bisherige Fälle, weil sie das Bild von einem Unternehmen zeichnen, in dem Sexismus zum System gehört.

Auch später, schreibt Fowler, sei sie immer wieder auf Sexismus gestoßen, zum Beispiel als für 120 Männer in einem Team Lederjacken bestellt worden seien, aber nicht für die sechs Frauen, weil es dafür keinen Mengenrabatt gab. Die Personalabteilung habe ihre Beschwerden über Benachteiligungen ignoriert und an einem Punkt auch erklärt, sie sei das eigentliche Problem.


Arianna Huffington bietet Hilfe an

In ihrem Blog beschreibt sie zudem einen Frauen-Exodus in ihrer früheren Uber-Abteilung. Dort habe das Team von 150 Mitarbeitern zu Beginn ihrer Anstellung im November 2015 zu 25 Prozent aus Frauen bestanden. Als sie im Dezember 2016 ging, seien es nach ihren Berechnungen nur noch drei Prozent gewesen.

Fowler hat inzwischen Uber verlassen und arbeitet seit Januar beim Finanzdienstleister Stripe. Sie erklärt, von einer Frau von einem weiteren Fall von sexueller Belästigung bei Uber zu wissen.

Chris Sacca, renommierter Investor von Uber, erklärte via Twitter seine Solidarität mit Fowler. „Es tut mir sehr leid, dass Dir das passiert ist.“ Er habe keinen Einfluss auf Ubers Unternehmensführung, klagte Sacca und fügte hinzu: „frustrierend“.

Medienunternehmerin Arianna Huffington, seit vergangenen April Mitglied im Uber-Vorstand, gab ebenfalls an, sich in die Ermittlungen eingeschaltet zu haben. Die Gründerin der Online-Zeitung „Huffington Post“ veröffentlichte ihre E-Mail-Adresse bei Twitter, damit sich Betroffene bei ihr melden können.

Uber geriet in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik nicht nur wegen der aggressiven internationalen Expansion mit der Missachtung geltender Regeln, sondern auch wegen des Verhaltens seiner Führungskräfte. So sorgte der Top-Manager Emil Michael vor gut zwei Jahren für massive Kritik mit öffentlichen Gedankenspielen, man könne kritische Journalisten ausforschen, um Material gegen sie in der Hand zu haben. Michael behielt seinen Job.

Uber-Chef Kalanick stand zuletzt in der Kritik, weil er im Wirtschaftsrat des US-Präsidenten Donald Trump saß. Er gab den Posten im Beraterstab dann schnell wieder auf. „Der Gruppe anzugehören sollte nicht bedeuten, Unterstützer des Präsidenten oder seiner Agenda zu sein“, schrieb Kalanick in einer E-Mail an seine Belegschaft. Aber unglücklicherweise sei es genau als das missverstanden worden.

Der Twitter-Hashtag „#DeleteUber“ (lösche Uber), den Kritiker damals in Umlauf gebracht hatten, tauchte am Montag nach den Sexismus-Vorwürfen wieder häufiger bei dem Kurznachrichtendienst auf.

Quelle:  Handelsblatt Online
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