Heinrich Bauer Verlag: So wird Europas größtes Zeitschriftenhaus umgebaut

Heinrich Bauer Verlag: So wird Europas größtes Zeitschriftenhaus umgebaut

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Die Verlegerin der Bauer Media Group Yvonne Bauer und ihr Vater Heinz Bauer bei einer Pressekonferenz der Bauer Media Group im Jahr 2010.

von Peter Steinkirchner

Unter Verlegerin Yvonne Bauer wandelt sich Europas größter Zeitschriftenkonzern vom reinen Heftchenverkäufer zum internationalen Medienhaus. Denn das alte Bauer-Modell stößt an seine Grenzen.

„Frecher Junge bekommt schlimmste Strafe aller Zeiten“, „Foto-Love: Zicken-Zoff statt Flirt-Alarm“ – wenn solche Überschriften Sie reizen, sind Sie potenzieller Leser der „Bravo“.

Dem Heft täte das gut. Denn am Kiosk leidet das Magazin, das seit Mitte der Fünfzigerjahre pickelige Teenies durch die Wirrungen der Pubertät begleitet, an Schwindsucht. Ende der Neunzigerjahre verkaufte die „Bravo“ mehr als 1,2 Millionen Hefte. Ende 2014 waren es nur noch 120.000.

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Umsätze der größten Medienkonzerne der Welt

  • Platz 10

    Cox Enterprise

    Umsatz: 12,0 Mrd. Euro

    Rang 2008: Platz 9

  • Platz 09

    Bertelsmann

    Umsatz: 16,4 Mrd. Euro

    Rang 2008: Platz 6

  • Platz 08

    Sony Entertainment

    Umsatz: 17,8 Mrd. Euro

    Rang 2008: Platz 7

  • Platz 07

    Viacom

    Umsatz: 21,9 Mrd. Euro

    Rang 2008: Platz 5

  • Platz 06

    Time Warner

    Umsatz: 22,4 Mrd. Euro

    Rang 2008: Platz 1

  • Platz 05

    DirecTV

    Umsatz: 23,9 Mrd. Euro

    Rang 2008: -

  • Platz 04

    News Corp. / 21st Century Fox

    Umsatz: 27,5 Mrd. Euro

    Rang 2008: Platz 4

  • Platz 03

    Disney

    Umsatz: 33,9 Mrd. Euro

    Rang 2008: Platz 2

  • Platz 02

    Google

    Umsatz: 45,1 Mrd. Euro

    Rang 2008: -

  • Platz 01

    Comcast

    Umsatz: 48,7 Mrd. Euro

    Rang 2008: Platz 3

  • Quelle

    Quellen: ifM, mediadb.eu

Um das Blatt zu wenden, ist „Bravo“ jetzt dicker, hat einen glänzenden Umschlag und landet nur noch alle 14 Tage am Kiosk. Gleichzeitig hat „Bravo“ den Online-Auftritt aufgehübscht und verbündet sich mit Stars der Videoplattform YouTube.

Die neue Linie bei der „Bravo“ steht symptomatisch für die Strategie des Bauer Verlags unter der 38-jährigen Chefin Yvonne Bauer: gegen den Trend weiter in gedruckte Zeitschriften investieren, damit noch möglichst viel verdienen, um verstärkt ins lange vernachlässigte Digitalgeschäft einzusteigen. Dazu startet Bauer Online-Ableger und kauft weitgehend unbeachtet weltweit Shopping- und Gesundheitsportale. Zudem will die seit Ende 2010 amtierende Verlegerin die Erlöse aus der Werbung steigern und investiert in Radio und TV.

Umsatz des Bauer Verlages 2005-2014. Für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

Umsatz des Bauer Verlages 2005-2014. Für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

Denn das alte Bauer-Modell stößt an Grenzen. Branchenweit schrumpfen wegen der Konkurrenz durch Internet und mobile Medien die Auflagen. Das gilt auch für Bauers Massenblätter. Wichtige Titel wie „TV Movie“ oder „Das Neue Blatt“ bröckeln. Doch anders als etwa der Axel-Springer-Konzern, der sich bis auf „Bild“ und „Welt“ von fast allen Print-Titeln trennte und so vehement wie aktienkurstreibend ins Digitale stürzte, klebte das Familienunternehmen Bauer am Gedruckten und ignorierte das Web-Geschäft lange.

"Wir setzen auf Print"

Lieber verfeinerte Europas nach Auflage gerechnet größter Zeitschriftenkonzern sein Geschäftsmodell, Massenblätter möglichst preiswert zu produzieren und zweistellige Renditen zu erzielen. „Wir setzen weiter voll auf Print“, sagt Konzerngeschäftsführer Jörg Hausendorf. „Während andere sich aus dem Kerngeschäft verabschieden, haben wir seit 2011 gut 100 neue Zeitschriften gestartet, davon über 20 in Deutschland.“

In den Geschäftszahlen für 2014, die der zugeknöpfte Verlag wohl im Juni bekannt geben wird, liefern die Magazine entsprechend mit 1,7 Milliarden Euro noch immer den Löwenanteil am Umsatz ab. Zwar lag das Konzernergebnis nach Informationen der WirtschaftsWoche wohl über dem von 2013. Doch mit 2,2 Milliarden Euro sank der Umsatz unter die 2,3 Milliarden des Vorjahres – Grund genug, das Printgeschäft auf noch mehr Effizienz zu trimmen und zugleich nach neuen Erlösquellen zu fahnden.

Im Weg stehen könnte der Verlegerin dabei das Image von Bauer: Denn dem Haus haftet der Ruf an, quasi der Aldi der Branche zu sein. Die Methoden ähneln denen des Discounters, von der für ein Medienunternehmen ungewöhnlichen Verschlossenheit über extreme Sparpolitik und Effizienz bis hin zur Ablehnung von Betriebsräten.

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