Inkasso und Insolvenzen: Weniger Unternehmen gehen pleite

Inkasso und Insolvenzen: Weniger Unternehmen gehen pleite

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German Pellets war eine der wenigen Großpleiten im ersten Halbjahr 2016.

Die Zahl der Insolvenzen ist im ersten Halbjahr weiter gesunken, auch die Zahlungsmoral ist laut einer Umfrage so gut wie nie. Doch ein Ereignis könnte den Trend bald umkehren – der Brexit.

In Deutschland ist die Zahl der Pleiten im ersten Halbjahr 2016 weiter gesunken. Bei insgesamt 60.500 Insolvenzen ergab sich ein Rückgang um 5,3 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum, berichtete die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Mittwoch in Düsseldorf.

Dabei machte sich die gute Konjunktur in einem besonders deutlichen Minus bei den Unternehmensinsolvenzen bemerkbar, deren Zahl um 6,8 Prozent auf 10.750 Fälle sank. Dem standen 307.000 Unternehmensgründungen gegenüber.

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Der Großteil der Insolvenzen entfällt weiterhin auf Verbraucher – aber auch dieser Wert ist rückläufig. Die Creditreform weist hier ein Minus von 5,1 Prozent auf 38.250 Fälle aus. Hier wirkten sich steigende Beschäftigung und Einkommen positiv aus – private Überschuldung ist aber weiter ein verbreitetes Problem in Deutschland.

In welchen Branchen die Zahlungsmoral schlecht ist

  • Online-/Versandhandel

    44 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

    Quelle: Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen

  • Energieversorger

    40 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

  • Dienstleister

    37 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

  • Handwerk

    34 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

  • Vermieter

    34 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

  • Fitnessstudios

    27 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

  • Telekommunikationsanbieter

    27 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

  • Gesundheitswesen

    21 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

  • Baugewerbe

    17 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

  • Öffentliche Hand

    10 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

  • Einzelhandel

    9 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

  • Banken und Versicherungen

    8 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

  • Gastgewerbe

    7 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

  • Groß-/Außenhandel

    6 Prozent der Unternehmen dieser Branche gaben an, Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden zu haben.

Auch im laufenden Jahr richteten Pleiten wieder Schäden in Milliardenhöhe an. Die nicht beglichenen Forderungen summierten sich in den ersten sechs Monaten auf 11,8 Milliarden Euro. Rund 110.000 Beschäftigte waren von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen. Vor allem bei Unternehmen mittlerer Größe und jüngeren Unternehmen sind laut Creditreform erneut viele Stellen gefährdet.

Junge Kleinstbetriebe sind besonders gefährdet

Besonders anfällig sind nach der Statistik Kleinstbetriebe, sprich Start-ups. Der Anteil der Rechtsform Unternehmergesellschaft (UG haftungsbeschränkt), die bei kleinen Unternehmen beliebt ist, am Insolvenzaufkommen ist auf 8,4 Prozent gestiegen – im ersten Halbjahr waren es noch 7,5 Prozent. Zudem seien Rechtsformen, die auf Klein- und Kleinstunternehmen hindeuten, weiterhin am stärksten betroffen.

Warum Unternehmen schlecht zahlen

  • Hohe Zahlungsausfälle bei eigenen Kunden

    69 Prozent der befragten Inkasso-Unternehmen gaben an, dass Unternehmen Rechnungen wegen hohen Zahlungsausfällen bei eigenen Kunden nicht zahlen.

    Quelle: Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen

  • Momentaner Liquiditätsengpass

    67 Prozent der befragten Inkasso-Unternehmen gaben an, dass Unternehmen Rechnungen wegen eines momentanen Liquiditätsengpasses nicht zahlen.

  • Zu wenig Eigenkapitalausstattung

    51 Prozent der befragten Inkasso-Unternehmen gaben an, dass Unternehmen Rechnungen wegen zu wenig Eigenkapitalausstattung nicht zahlen.

  • Ausnutzen von Lieferantenkredit

    48 Prozent der befragten Inkasso-Unternehmen gaben an, dass Unternehmen Rechnungen wegen nicht zahlen, weil sie den Lieferantenkredit ausnutzen wollen.

  • Schlechte Auftragslage

    32 Prozent der befragten Inkasso-Unternehmen gaben an, dass Unternehmen Rechnungen wegen der schlechten Auftragslage nicht zahlen.

  • Vorsätzliches Nichtbezahlen

    24 Prozent der befragten Inkasso-Unternehmen gaben an, dass Unternehmen Rechnungen mit Vorsatz nicht zahlen.

  • Reklamation des Kunden

    19 Prozent der befragten Inkasso-Unternehmen gaben an, dass Unternehmen Rechnungen wegen der Reklamation eines Kunden nicht zahlen.

Das lässt sich auch in anderen Auswertungen der Insolvenzstatistik sehen: 66 Prozent der Insolvenzfälle hatten einen Jahresumsatz von weniger als 500.000 Euro, vier von fünf zahlungsunfähigen Unternehmen haben höchstens fünf Mitarbeiter.

Außerdem sei die Insolvenzanfälligkeit in den ersten Jahren nach der Gründung besonders hoch, so Creditreform. Der Anteil der Großinsolvenzen, also Unternehmen, die Umsätze von über 25 Millionen Euro erzielen, blieb deutlich unter 1,0 Prozent. Zu den Großpleiten der zurückliegenden Monate zählen unter anderem das Modeunternehmen Steilmann sowie der Brennstoffhersteller German Pellets.

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