Kasino-Stadt Atlantic City: Nichts geht mehr im Trump-Palast

Kasino-Stadt Atlantic City: Nichts geht mehr im Trump-Palast

, aktualisiert 08. August 2016, 06:12 Uhr
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Der Glücksspieltempel schließt im September.

Quelle:Handelsblatt Online

Atlantic City war einst Ferienparadies und das Ostküsten-Pendant zu Las Vegas. Mit dem „Trump Taj Mahal“ schließt nun ein weiteres Symbol der Stadt. Selbst Wall-Street-Legende Carl Icahn hat hier Millionen verbrannt.

Atlantic City wirkt wie eine Fata Morgana. Drei Stunden fährt man mit dem Auto von New York City aus Richtung Süden und sieht nur Wälder und kleine Städte. Doch dann tauchen wie aus dem Nichts in der Ferne die Wolkenkratzer auf, dahinter das blaue Meer. Ein Spaziergang durch die Stadt in New Jersey ist ähnlich unwirklich.

Die Strandpromenade „Boardwalk“ ist aus Holz, überall stehen kleine Buden mit Eiskrem oder Zuckerwatte. Am Strand sonnen sich ein paar Urlauber, weiter hinten ragt der „Stahlpier“ in den Atlantik. Früher sprangen Cowboys mit ihren Pferden von dort hinunter in den Ozean, um die Besucher zu unterhalten. Heute sind dort ein Riesenrad und eine Achterbahn zu sehen.

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Mitten in der Stadt ragt das Trump Taj Mahal heraus. Das größte Kasino der Stadt könnte mit seinem Zierrat in Las Vegas stehen. Mit den Kuppeln und Minaretten aus Beton soll es an das berühmteste Grabmal Indiens erinnern. Aber mit der Verehrung einer verstorbenen Geliebten hat der Bau wenig gemein: Drinnen stehen Rentner und Touristen in einer öden Spielhalle vor einarmigen Banditen.

Noch bis zum 6. September können sie dort spielen. Dann schließt das Trump Taj Mahal seine Pforten. Seit Anfang Juli streikt rund ein Drittel der Belegschaft, sie wollten mehr Geld. In einer Erklärung sagte Tony Rodio, Chef des Betreibers Tropicana Entertainment, man könne nicht „weiterhin zig zweistellige Millionenbeträge verbrennen, wenn die Gewerkschaft den Weg zur Profitabilität versperrt“.

Die Holding Tropicana wird von Hedgefonds-Manager Carl Icahn kontrolliert, der vor 18 Monaten das Kasino für 100 Millionen Dollar aus einem Konkursverfahren übernahm. Dieses Geld hat der Milliardär verloren: „Es war eine schlechte Wette“. Jetzt ziehe er den Stecker: „Wie viel gutes Geld wirft man dem Schlechten hinterher?“

Kern der Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften war die Bezahlung. Im Kasino verdienten die Beschäftigten im Schnitt zwölf Dollar die Stunde, weniger als die Kollegen in anderen Kasinos der Stadt. Dazu verloren sie im Konkursverfahren die vom Unternehmen bezahlte Krankenversicherung und andere Absicherungen. „Für ein paar Millionen hätte er Ruhe mit den Mitarbeitern haben können“, sagt Gewerkschaftschef Bob McDevitt über Icahn. „Der große Deal-Macher brennt lieber das Kasino bis auf die Grundmauern herunter, so dass er die Asche für sich alleine hat.“

Besucherzahl fällt auch wegen Trump

Mit dem Trump Taj Mahal hat der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump seit langem nichts mehr zu tun. 1990 baute er den Glücksspieltempel, der lange Zeit große Probleme hatte und mehrere Konkurse durchmachte. Seit dem Bankrott 2009 gehörten Trump nur noch zehn Prozent, die er dann bei der Pleite 2014 auch verlor. Damals wollte der New Yorker vor Gericht durchsetzen, dass das Kasino seinen Namen nicht mehr nutzen durfte – vergeblich.

Den Namen hätte Icahn besser freiwillig aufgegeben. Laut dem Empfehlungsdienst Foursquare meiden Amerikaner seit Trumps Präsidentschaftskandidatur dessen Geschäfte wie Hotels, Golfklubs oder Kasinos: Die Besucherzahl fiel seit Juni 2015 um durchschnittlich 27 Prozent.

Keine Frage: Atlantic City befindet sich in einer schweren Krise. Die goldenen Zeiten, wie sie in der Serie „Boardwalk Empire“ gezeigt werden, sind längst vorbei. Früher besaß die Stadt ein Monopol in ihrem Einzugsgebiet. Das ist vorbei. Es gibt in der Region zahlreiche neue Kasinos an Pferderennbahnen und in Indianerreservaten. Dazu wird das Glücksspiel in weiteren Bundesstaaten legalisiert, während die Amerikaner nicht mehr Geld für Roulette oder Black Jack ausgeben.

Lange Zeit verstand sich Atlantic City als ein kleines Las Vegas an der Ostküste. Aber die Unterschiede liegen auf der Hand: Das Wetter ist in Las Vegas fast das ganze Jahr gut, in Atlantic City ist es nur drei bis vier Monate warm. Es fehlen die internationalen Besucher, es gibt so gut wie keine Direktflüge aus dem Ausland, fast alle 27 Millionen Besucher im Jahr kommen mit dem Auto. Die Zahl fällt seit acht Jahren.

Die Amerikaner fahren jetzt lieber zu Kasinos in der Nähe ihrer Wohnorte und vermeiden lange Anreisen. Entsprechend halbierten sich in den vergangenen neun Jahren die jährlichen Glücksspieleinahmen in der Stadt auf derzeit rund 2,6 Milliarden Dollar.

Quelle:  Handelsblatt Online
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