Wohnen im Windpark: Deutschlands erstes Offshore-Hotel

Wohnen im Windpark: Deutschlands erstes Offshore-Hotel

, aktualisiert 24. September 2016, 14:42 Uhr
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Für den Betriebsleiter Christoph Huß kommt die Wohnplattform mehr als gelegen. So können die Techniker und Ingenieure die Windkraftanlagen bestmöglich versorgen.

Quelle:Handelsblatt Online

Wasser und Windmühlen: In der Nordsee haben Dutzende Ingenieure und Arbeiter eine Wohnplattform bezogen. Von dort aus kümmern sie sich um mehr als 150 Windkraftanlagen auf See. Das könnte die Wartung erleichtern.

WesterlandSchäumend bricht sich die Nordsee am stählernen Unterbau. Auf der Plattform rund 20 Meter höher leben seit zwei Monaten rund 50 Techniker, Ingenieure, aber auch Köche oder Hausmeister. Sie alle arbeiten auf Deutschlands erstem Offshore-Hotel rund 70 Kilometer westlich von Sylt. Ihre Aufgabe: Wartung der benachbarten Windparks „Dan Tysk“ (am Netz) und „Sandbank“ (in Bau). Insgesamt sollen von hier aus 152 von Vattenfall und den Stadtwerken München betriebene Windräder Strom in deutsche Haushalte schicken.

Der Alltag auf dem mehr als 2000 Tonnen schweren Koloss ist durch Arbeit geprägt. Im Schichtbetrieb, zwei Wochen am Stück, bis zu 12 Stunden pro Tag dreht sich auf der in Emden gefertigten Plattform alles um Windenergie. „Das ist 'ne andere Welt“, sagt Christof Huß, Betriebsleiter von „Dan Tysk“ nahe der dänischen Grenze, zum Unterschied zur Windkraft an Land.

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„Man kann nicht einfach mit dem VW-Bus an die Anlage heranfahren - und wir müssen nicht nur den Bus durch ein Schiff ersetzen, sondern müssen auch ein Hotel bereithalten“, erzählt Huß. Ein riesiger Aufwand, der viel Geld kostet. Dennoch glaubt Betreiber Vattenfall, dass sich der rund 100 Millionen Euro teure Bau rechnet. „Dort haben wir ja auch deutlich mehr Wind“, sagt Ingenieur Huß.

Das tief im Meeresboden verankerte Hotel hat noch weitere Vorteile: Bislang mussten die Serviceteams rund 100 Kilometer per Schiff oder Helikopter anreisen. Nun bringen Transportschiffe die Teams innerhalb kurzer Zeit von der Wohnplattform statt von schaukelnden Hotel-Schiffen zu den Einsatzorten. Eine Entwicklung, die selbst Naturschützer freut: „Letztendlich ist alles gut, was Transporte und Flüge reduziert“, sagt Kim Detloff, Leiter Meeresschutz beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Insgesamt jedoch belasteten die Windparks durch ihren Lärm etwa Schweinswale. Auch nach Inbetriebnahme, so Detloff, „gibt es eine dauerhafte Störung“.

Einer, der noch entsteht, ist der Windpark „Sandbank“. Die Arbeiten daran gehen jedoch schneller als geplant. Einem Vattenfall-Sprecher zufolge montieren die Techniker derzeit alle zwei bis drei Tage eine neue Turbine. 30 Anlagen stehen bereits. „Offshore ist in Deutschland inzwischen so weit, dass man auf Erfahrungen aufbauen kann“, sagt er.


Zwei Dinge müssen funktionieren

Auch Christof Huß schläft ab und zu auf der 3500 Quadratmeter großen Plattform, wenn er nicht gerade den Betrieb von Hamburg oder dem dänischen Esbjerg aus koordiniert. In den rund 11 Quadratmeter kleinen Kabinen hängen Fernseher, es gibt eigene Bäder. Kraftraum, Kino und Billardtisch sorgen für Abwechselung.

Alles ist etwas enger, selbst der Müll wird gepresst, damit er wenig Platz einnimmt. Am wichtigsten sei auf See jedoch etwas anderes: „Es gibt zwei Sachen, die funktionieren müssen, das sind Essen und Kommunikation“, sagt Huß. Fast alle telefonieren abends mit zu Hause - und ist das Essen schlecht, drückt das die Stimmung.

Sind die Einschränkungen für den 45-Jährigen ein Problem? „Offshore ist ein Bereich, der mich immer fasziniert hat“, sagt Huß über seinen Arbeitsplatz. Doch der Verzicht auf Komfort sei ihm schwer gefallen - nun habe er die ideale Kombination gefunden. Einige Plattformmanager, so erzählt es der zweifache Familienvater, seien sogar noch weniger Privatleben gewohnt gewesen - sie hätten aus der Seefahrt auf der Plattform angeheuert, die im Meer neben der Umspannstation für den Windpark entstand. Eine Gangway verbindet die beiden Ökostrom-Inseln.

Doch was, wenn man seine Brille an Land liegen lässt? „Man sollte sie nicht zu Hause vergessen“, sagt Huß. Für den medizinischen Notfall gebe es zwar einen Sanitäter und Medikamente an Deck. Alles andere könne schon mal ein paar Tage dauern. „Es ist schwierig.“ Immerhin: Theoretisch könnten die Crews bis zu zwei Wochen völlig autark leben - und die ersten Herbststürme stehen der Plattform noch bevor. Anders als auf den Schiffen, versichert Huß jedoch: „Da schaukelt nichts.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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