AKW Grafenrheinfeld geht vom Netz: E.On gibt den Trotzkopf

AKW Grafenrheinfeld geht vom Netz: E.On gibt den Trotzkopf

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E.On nimmt das AKW Grafenrheinfeld in Bayern sieben Monate früher vom Netz als geplant. Der Energieversorger verweist auf das Aktionärsinteresse, das einen Weiterbetrieb verbietet. Das klingt trotzig.

von Andreas Wildhagen

Das bayrische Atomkraftwerk Grafenrheinfeld wird früher abgeschaltet als geplant. Betreiber E.On sieht keine Gewinnaussichten mehr. Eine Trotzreaktion?

Kernkraftwerke gehörten eigentlich bisher zum Tafelsilber von deutschen Energieversorgern. Mit Zähnen und Klauen verteidigen sie diese Bastion, die ihnen einst prächtige Gewinne bescherten. Auch die von Parlament und Regierung beschlossene Energiewende hinderte die Versorger nicht daran, rechtlich gegen die Abschaltpläne vorzugehen. RWE erhebt Schadensersatzansprüche bei Biblis, Vattenfall will über Schiedsgerichtsverfahren Schadenersatz von der Bundesregierung kassieren, weil die norddeutschen Meiler Brunsbüttel und Krümmel nicht wieder ans Netz gehen.

Nun das Neue: Ein Versorger will selber abschalten, und das früher als von der Bundesregierung gewünscht. Sieben Monate vor dem geplanten Termin wird E.On in Grafenrheinfeld den Stecker ziehen. Das wird im Mai 2015 sein. Das ist also noch lange hin und kann auch jederzeit revidiert werden.

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Als Grund für die vorzeitige Abschaltung wird die Kernbrennstoffsteuer angeführt, die erst im Jahr 2016 ausläuft. Für Grafenrheinfeld kommt das zu spät. E.On verweist auf das Aktionärsinteresse, das einen Weiterbetrieb verbietet. Das klingt trotzig. Besser wäre es gewesen, auf die brüchige Versorgungssicherheit zu verweisen, die nun im Süden Deutschlands unweigerlich entsteht.

Höhere Kosten für Stromkunden

Trotz auch von Tennet. Engpass entstünde deswegen nicht, sagt der Netzbetreiber, der den Grafenrheinfeld-Strom in die Industriezentren Bayern, zu Audi, BMW und Siemens trägt. Allenfalls werden die Netzentgelte höher ausfallen, weil das Netz häufiger stabilisiert werden müsse. Ad-Hoc-Eingriffe, früher eine Seltenheit, werden dann zur Norm. Diese Interventionen, die den Weg für Strom aus dem Ausland frei machen, führen zu jährlichen Mehrkosten in Höhe von 150 Millionen Euro. Diese Kosten werden wahrscheinlich auf den Stromkunden abgewälzt. Ob der Wegfall von Grafenrheinfeld wirklich ohne Blackout-Gefahr ist, wird sich zeigen.

 

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Die Diskussion über die Nord-Süd-Stromtrasse, die Ökostrom vom hohen Norden nach Bayern trägt, wird jetzt wieder entfacht. Gegen diese Trassen sind die bayerischen Landräte Sturm gelaufen. Auch Waldbesitzer wie die Familie zu Guttenberg haben sich skeptisch über die Schneisen durch die Wälder geäußert und höhere Entschädigungen gefordert. Vor allem das Landschaftsbild sei gestört. Doch das war vor der Kommunalwahl. Jetzt kommt das Thema Überlandleitung wieder auf den Tisch, der Geist von Grafenrheinfeld will es so.

Da die Kanzlerin angesichts der Krim-Krise und der ungesicherten Erdgas-Lieferungen aus Russland seit Donnerstag von einer Kehrtwende der Energiepolitik spricht, wäre es für E.On-Chef Johannes Teyssen besser gewesen, im Kanzleramt anzurufen und eine Verlängerung von Grafenrheinfeld vorzuschlagen. Das wäre im mehr im Sinne der Versorgungssicherheit und zugleich im Interesse der Aktionäre gewesen. Aber das kann ja noch kommen, denn jede Trotzphase ist irgendwann auch mal zu Ende.

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