"Ausschüttungskönig" Innogy: Aktionärsvertreter warnen vor Risiken

"Ausschüttungskönig" Innogy: Aktionärsvertreter warnen vor Risiken

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Der Vorstandsvorsitzende Peter Terium spricht am 24. April in Essen auf der Hauptversammlung der Innogy.

Das Ökostromunternehmen Innogy kündigt auf seiner ersten Hauptversammlung hohe Dividenden und steigende Gewinne an. Aktionärsvertreter warnen dagegen vor den Risiken hoher Ausschüttungen.

Die RWE-Ökostromtochter Innogy umgarnt ihre Anteilseigner mit der Aussicht auf steigende Gewinne und hohe Ausschüttungen. "Wir wollen Geld verdienen und Dividenden zahlen", versprach Konzernchef Peter Terium den Anteilseignern bei der ersten Hauptversammlung des Börsenneulings am Montag in Essen.

Das für die Dividende entscheidende bereinigte Nettoergebnis wolle Innogy im laufenden Jahr um mindestens sieben Prozent auf über 1,2 Milliarden Euro steigern. 70 bis 80 Prozent davon sollen an die Anteilseigner ausgeschüttet werden, bekräftigte Terium. Diese Quote gelte "auf Weiteres", Innogy sei ein "verlässlicher Dividenden-Titel". Bei den Aktionären stieß er damit auf Beifall - auch wenn diese vor zu hohen Ausschüttungen warnten.

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Innogy sei "Ausschüttungskönig", sagte etwa Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Aber eine hohe Dividende könne auch eine Gefahr sein. So müsse gefragt werden, ob Innogy eine hohe Ausschüttungsquote aufweise weil es dem Unternehmen so gut oder dem von der Energiewende gebeutelten Großaktionär RWE so schlecht gehe. "Von der Euphorie beim Börsengang ist nichts mehr zu spüren, das Geschäftsmodell ist kein Selbstläufer, hinter der versprochenen Wachstumsstory steht ein großes Fragezeichen", warnte Thomas Deser von Union Investment.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

  • Energiewende sorgt für Veränderungen

    Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

  • Die Unternehmen

    Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

    Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

  • Das Geschäft

    Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

    RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

  • Die Börsengänge

    Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

    RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

  • Ausblick

    Uniper und Innogy geben keine konkrete Geschäftsprognosen. Beide könnten aber bereits für 2016 eine Dividende ausschütten. Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

    Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist. Das Unternehmen peilt eine Dividende von 70 bis 80 Prozent des bereinigten Nettogewinns an.

Innogy werde seine Dividenden aber nicht aus der Substanz zahlen, versicherte dagegen Terium. Innogy wolle zudem Milliarden investieren, fügte er hinzu. Von 2017 bis 2019 sollen es insgesamt 6,5 bis sieben Milliarden Euro werden. Im Bereich der Windenergie wolle sich Innogy Projekte aber "nicht um jeden Preis" sichern: "Wir wägen genau ab und investieren nur, wenn es wirtschaftlich ist", betonte Terium. Innogy war zuletzt bei der Vergabe von deutschen Windparks in der Nordsee leer ausgegangen. Konkurrent EnBW, der einen Zuschlag erhalten hatte, hatte erklärt, der Windpark "He Dreiht" in der Nordsee werde ohne die bisher übliche staatliche Förderung errichtet.

Innogy war im Oktober an den Aktienmarkt gegangen. Mit einem Erlös von 4,6 Milliarden Euro war es der größte Börsengang seit dem Jahr 2000. Für 2016 erhalten die Aktionäre als Dividende 1,60 Euro je Aktie. RWE hält noch knapp 77 Prozent an Innogy.

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