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Finanzkrise: Deutschen Banken droht Milliardendesaster in Osteuropa

von Cornelius Welp und Melanie Bergermann (Frankfurt)

Kredite fallen aus, Staaten stehen vor der Insolvenz – deutschen Banken droht in Osteuropa ein neues Milliardendesaster.

Hauptquartier der Bank Austria Quelle: AP
Hauptquartier der Bank Austria in Wien: Die österreichische Bank hat sich stark in Osteuropa engagiert. Doch die bisherige Wachstumsregion leidet nun unter der Verschuldung der Privathaushalte Quelle: AP
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Der Delta-Man ist ein toller Kerl. Da hat das Pärchen den Einkaufswagen im Supermarkt so richtig voll geladen, Babykleidung eingepackt und alles, was ein junges Glück sonst noch braucht. Der Schock wartet an der Kasse. Ein gigantischer Bon droht alle Träume zu zerstören. Zum Glück aber gibt es Delta-Man, den Retter im Bankerkostüm. Er saust durch die Luft herbei und drückt dem Paar ein Bündel Geldscheine in die Hand. Und schon ist alles wieder gut.

Die Rechnung schien lange aufzugehen. Zu lange. Denn nun ist der Werbespot der ukrainischen Delta Bank ein Dokument der Finanzmisere, die die osteuropäischen Länder mit voller Härte trifft. Die vielfach laxen Standards bei der Vergabe von Konsumentenkrediten an in Finanzfragen oft unerfahrene Kunden sind dabei nur ein Problem, das die Region zum Brandherd der Finanzkrise gemacht hat. Da auch deutsche Banken dort engagiert sind, drohen ihnen schmerzhafte Verluste.

Spätestens seit die Ratingagentur Moody’s vor einigen Tagen eine Herabstufung von Banken mit starkem Engagement in Osteuropa in Aussicht stellte, geht in Westeuropa die Angst vor einer neuen Schockwelle um. Am vergangenen Dienstag malten auch die Kollegen von Standard & Poor’s ein düsteres Bild: Die Lage in Osteuropa enthalte „alle Zutaten einer gravierenden Krise“. Die Sorge um Osteuropa hat wesentlich zum weltweiten Einbruch an den Börsen beigetragen.

Westeuopas Banken haben Kredite für 1,2 Billionen Euro vergeben

Europäische Banken hatten im Oktober 2008 Kredite von insgesamt etwa 1,2 Billionen Euro in osteuropäischen Staaten inklusive der Türkei vergeben, so Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). 85 Prozent des gesamten Kreditvolumens in der Region stammen damit von westeuropäischen Kapitalgebern. Mit Abstand größter Finanzierer ist Österreich mit rund 230 Milliarden Euro. Es folgen Deutschland und Italien, die jeweils etwa 170 Milliarden Euro verliehen haben.

Die osteuropäischen Länder leiden unter der teilweise extrem hohen Verschuldung ihrer Staatshaushalte. Die konjunkturelle Misere verschärft sich noch dadurch, dass gerade die westlichen Banken, die Staatshilfe erhalten haben, sich auf den Heimatmarkt konzentrieren. Einige haben die Kreditvergabe in besonders hart betroffenen Ländern wie der Ukraine oder Rumänien komplett eingestellt.

Einst lohnende Investitionen werden zum Bumerang

Die Weltbank geht davon aus, dass ein Stützungspaket von 120 Milliarden Euro erforderlich ist, um das osteuropäische Bankensystem zu stabilisieren. Die Investmentbank Goldman Sachs rechnet damit, dass zehn Prozent der gesamten Verluste westeuropäischer Banken ihren Ursprung in Osteuropa haben werden. Was lange wie eine lohnende Zukunftsinvestition aussah, droht für die Banken aus mehreren Gründen zum Bumerang zu werden:

Unternehmenskredite: Der Aufschwung im Osten war in großen Teilen auf Pump finanziert. Die Europäische Entwicklungsbank hält Kreditausfälle von bis zu 20 Prozent für realistisch. Auch für die deutschen Banken geht es um große Summen. Laut BIZ haben die deutschen Banken in Polen Kredite in Höhe von 50 Milliarden Dollar vergeben, in Ungarn 37 Milliarden und in Tschechien 11 Milliarden.

Kredite an Privatkunden: Die Gesamtverschuldung der privaten Haushalte in Osteuropa ist nach einer Studie der Bank Austria von 2002 bis 2007 jährlich um 44 Prozent gestiegen, das gilt vor allem für Hypotheken- und Konsumentenkredite. So kletterte in Polen die Summe der Kredite für private Anschaffungen noch im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 43 Prozent. Wegen der verschlechterten Konjunkturaussichten und der wachsenden Arbeitslosigkeit drohen hier nun Verluste.

Fremdwährungskredite: In vielen Ländern wurden Kredite gern in Fremdwährungen vergeben, bevorzugt in Schweizer Franken. Für die Kunden schien das vorteilhaft, weil sie von niedrigeren Zinsen profitierten. In einigen Ländern liegt der Anteil der Fremdwährungskredite auch bei Hypothekendarlehen bei 60 Prozent, bei einzelnen Instituten sind es mehr als 80 Prozent. Nun stürzen viele Währungen gegenüber Euro und Franken ab. „Dadurch erhöhen sich die monatlichen Tilgungsraten der Kreditnehmer und damit das Ausfallrisiko für die Bank“, sagt Michael Steinbarth, Analyst bei der Ratingagentur Fitch.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.10.2009, 18:51 UhrAnonymer Benutzer: Reiner Tiroch

    Von " O du lieber Augustin " will niemand was wissen, dennoch sind dann alle überrascht. Natürlich baden alle ihre Hände in Unschuld. Letztendlich wird man dem bürger anlasten zuwenig Vertrauen in banken und politikern gehabt zu haben. Die Agenda 2010 lässt grüßen, auch wenn es keiner sehen will.

  • 11.03.2009, 04:55 UhrAnonymer Benutzer: Hans

    Genau, freut euch auf die schöne neue Welt und auf die totale Kontrolle durch die privaten bänker denen wir das alles zu verdanken haben

  • 10.03.2009, 15:08 UhrAnonymer Benutzer: Petra

    Alles muss so sein wie es ist, denn es wird Zeit für eine neue Währung eine Weltwährung.Der globale Schuldenerlass wird schneller kommen als ihr denkt!Tief durch atmen und freut euch was kommt!

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