Fusion abgesagt?: Spekulationen um Continental und Schaeffler

KommentarFusion abgesagt?: Spekulationen um Continental und Schaeffler

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Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler

von Hans-Jürgen Klesse

Die Automobilzulieferer Continental und Schaeffler hätten ihre Fusionspläne beerdigt, meldete das Manager Magazin. Die Beteiligten haben inzwischen dementiert, beide strebten nach wie vor eine Fusion an, so die offizielle Stellungnahme. Fakten und auch Form der Dementis sprechen allerdings dafür, dass das Gerücht nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Reporter Hans-Jürgen Klesse.

Die Conti-Spitze bereitet einen Strategiewechsel vor: Die geplante Fusion mit der Schaeffler-Gruppe sei abgeblasen, statt dessen würden sich beiden Autozulieferer auf eine enge Kooperation im operativen Geschäft beschränken. Parallel dazu wolle Schaeffler den Anteil der Conti-Aktien von 75 auf 35 Prozent verringern. Maria-Elisabeth Schaeffler, Chefin des Familien-Clans, sei mit diesem vom Conti-Management initiierten Kurswechsel einverstanden. Die Schaeffler-Holding würde sich damit auf die Rolle eines Conti-Anker-Aktionärs beschränken und auf den Führungsanspruch verzichten, der Plan, mit der Fusion einen der drei größten Autozulieferer der Welt zu schmieden, wäre vom Tisch.

Von den Fakten wäre das aus mehreren Gründen nicht die schlechteste Lösung – zumindest aber ein unkomplizierter Weg, der viele Probleme lösen würde. Tatsache ist: Eine Fusion von Continental und Schaeffler wäre für Maria-Elisabeths Sohn Georg Schaeffler mit Steuerzahlungen in Milliarden-Höhe verbunden. Hintergrund: Georg hat seinen Wohnsitz in den USA. Wenn die amerikanischen Steuerbehörden zu dem Schluss kämen, dass die Umwandlung der Schaeffler KG in eine GmbH in Zusammenhang mit der ursprünglich geplanten Fusion stünde, wäre diese Steuer fällig. Mit anderen Worten: Würden die Beteiligten auf eine Fusion verzichten, würde Georg Schaeffler sich einen womöglich langen und teuren Streit mit den US-Behörden ersparen.

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Schmach ist noch nicht verwunden

Davon abgesehen: Den Milliarden-Schuldenberg, den die Schaeffler-Gruppe sich mit der Übernahme der viel größeren Continental AG aufgehalst hat, wäre viel einfacher abzutragen. Bliebe es bei der Fusion, müssten Zinsen und Tilgung aus den laufenden Gewinnen oder mit den Erlösen einer späteren Abspaltung etwa der Conti-Reifensparte bezahlt werden. Würde Schaeffler dagegen seinen Conti-Anteil tatsächlich auf 35 Prozent  zurückführen, ließen sich das Schuldenproblem ganz elegant lösen, zumal der Conti-Aktienkurs wegen guten Automobilkonjunktur sich inzwischen gut erholt hat.

Tatsache ist ebenfalls: Conti-Belegschaft und vermutlich auch große Teile des mittleren Managements haben die Schmach der feindlichen Übernahmeschlacht des Jahres 2008 nach wie vor nicht richtig verwunden. Das würde eine Integration beider Unternehmen deutlich erschweren – mehr noch: die Wahrscheinlichkeit, dass die Integration scheitert, um ein Vielfaches erhöhen. Ohnehin wäre die Zusammenführung eines Familienunternehmens und eines ehemaligen Dax-Konzerns mit ganz unterschiedlichen Kulturen und einem völlig unterschiedlichen Management-Stil keine leichte Aufgabe. Nach Erfahrungen von Unternehmensberatern gehört die Integration fusionierter Unternehmen zu den kniffligsten Managementaufgaben überhaupt und ist einer der Hauptgründe, warum so viele Zusammenschlüsse letztlich scheitern oder nicht die erhofften Ergebnisse bringen.

Fusions-Verzicht durchaus vernünftig

Daraus abgeleitet empfehlen erfahrene Berater, im Zweifelsfall lieber auf eine Fusion zu verzichten, zumal vieles von dem, was mit der Fusion erreicht werden soll, auch mit Kooperationen oder im Rahmen eines Joint-Ventures funktioniert. Zu diesem Schluss ist das Schaeffler-Management schon vor Monaten gekommen: "Die Kooperation mit der Continental AG ist ein Baustein in der Strategie, das Unternehmen als weltweit führenden Auto- und Industriezulieferer zu positionieren, der Fokus liegt hier auf dem operativen Geschäft  und den bereits erfolgreich begonnenen gemeinsamen Projekten", ließ Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger schon bei der Vorlage der Halbjahreszahlen Anfang September verlauten.   

Sachlich betrachtet, wäre der Fusions-Verzicht also durchaus vernünftig. Trotzdem werden solche Pläne von beiden Beteiligten dementiert – aber wie! Conti-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle dementierte lediglich die das 35-Prozent-Ziel: "Frei erfunden und niemals genannt." Mit anderen Worten: 34,9 Prozent wären vielleicht doch denkbar. Reitzles weiterer Kommentar: "Wir prüfen regelmäßig die denkbaren Optionen, die eine optimale Kombination ermöglichen, weil wir davon überzeugt sind, dass beide Unternehmen davon profitieren werden." Ergo: Geprüft wird, denkbar sind alle möglichen Optionen. Und Schaeffler? Da fällt die Reaktion noch halbherziger aus: Conti habe ja bereits dementiert, ein Kommentar sei deshalb überflüssig.

So richtig überzeugend klingt das nicht.

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