Butlers-Insolvenz: „Als Online-Anbieter ist Butlers gut aufgestellt“

InterviewButlers-Insolvenz: „Als Online-Anbieter ist Butlers gut aufgestellt“

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Logo von Butlers.

von Henryk Hielscher

Der vorläufige Butlers-Insolvenzverwalter Jörg Bornheimer spricht über seine Rettungsmission bei der Einrichtungskette  - und die nächsten Krisenbranchen.

Ende Januar herrschte Aufregung in den Filialen der Wohndeko-Kette Butlers. Die Geschäftsführung um Firmengründer Wilhelm Josten hatte beim Amtsgericht Köln Insolvenzantrag gestellt. Der Jurist Jörg Bornheimer, Partner der Wirtschaftskanzlei Görg, übernahm als vorläufiger Insolvenzverwalter das Kommando. Sein Ziel seien der Erhalt und die Sanierung des Anbieters von Geschenkartikeln und Wohnaccessoires, ließ der Insolvenzspezialist damals wissen. Inzwischen wächst die Hoffnung, dass das Unternehmen tatsächlich gerettet werden kann. 

„Alles deutet derzeit darauf hin, dass es weitergeht bei Butlers“, sagte ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters. Auch Bornheimer selbst bestätigt gegenüber der WirtschaftsWoche „steigenden Umsätzen“, er spüre unter den Mitarbeitern die Bereitschaft weiterzumachen.

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WirtschaftsWoche: Herr Bornheimer,  die Einrichtungskette Butlers hat Ende Januar Insolvenz angemeldet. Herrscht jetzt Krisenstimmung im Unternehmen?
Bornheimer: Im Gegenteil: Die Belegschaft will weiter machen und arbeitet so effizient, wie ich das selten erlebe. Deswegen konnten wir bereits in der ersten Woche des Verfahrens sehr viele Aktionsfelder anpacken und entscheiden. Dabei hilft auch, dass Geschäftsleitung und Führungskräfte auf die Herausforderungen, den Geschäftsbetrieb fortzuführen, gut vorbereitet waren.

Das ist die Einrichtungskette Butlers

  • Gründung

    Die Filialkette wurde 1999 gegründet: Der erste Butlers-Laden eröffnete in Köln.

    Quelle und Stand der Information: dpa, 30. Januar 2017

  • Mitarbeiter und Filialen

    Butlers beschäftigt nach eigenen Angaben zurzeit rund 1000 Mitarbeiter. Allein in Deutschland betreibt die Kette 94 Filialen. Weitere Geschäfte gibt es in Österreich, Großbritannien und der Schweiz. Insgesamt betreibt die Kette rund 160 Geschäfte im In- und Ausland.

  • Umsatz

    Der Jahresumsatz der Gruppe lag zuletzt bei rund 95 Millionen Euro.

  • Schwieriges Geschäft

    Butlers verkauft Wohnaccessoires, Dekorationsartikel, Möbel und Geschenke. Lange Zeit schwamm das Unternehmen dank der Dekorationslust der Bundesbürger auf einer Erfolgswelle. Doch die Konkurrenz auf dem Einrichtungsmarkt ist hart. Stationäre Konkurrenten wie Ikea und Depot sowie Online-Anbieter wie Home24 oder Westwing kämpfen ebenfalls um die Dekorations-Budgets der Bundesbürger. Schon seit einiger Zeit liefen die Dinge bei Butlers nicht mehr rund. Bereits im Geschäftsjahr 2015 musste der Konzern in seinem Konzernabschluss einen Jahresfehlbetrag von mehr als 12 Millionen Euro ausweisen.

  • Insolvenz

    Butlers hat am 30. Januar beim Kölner Amtsgericht Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Ziel des Schrittes sei die Erhaltung und nachhaltige Sanierung der 1999 gegründeten Filialkette, betonte der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Rechtsanwalt Jörg Bornheimer.

Welche Rolle spielte die Abwanderung der Kunden zu Onlineanbietern für die Krise von Butlers?
Als Online-Anbieter war und ist Butlers gut aufgestellt und hat sich rechtzeitig dieser Herausforderung angenommen. Multichannel ist durchaus komplex und weitaus vielfältiger, als den guten alten Katalog intelligent ins Internet zu transferieren. Das hat Butlers offensichtlich früh erkannt. 

Wieso kam Butlers dann überhaupt in Schwierigkeiten?
Durch den hohen Anteil importierter Produkte hat der steigende Dollarkurs das Geschäft in höherem Maße belastet als geplant. Butlers hat darauf reagiert. Das zeigt sich seit wenigen Monaten an steigenden Umsätzen.

Drohen im Einzelhandel weitere Insolvenzen?
Das Institut für Handelsforschung geht davon aus, dass bis 2020 fast jedes zehnte stationäre Geschäft schließen muss. Treiber dieser Entwicklung seien der Onlinehandel und die fortschreitende Digitalisierung. In den nächsten fünf Jahren seien 45.000 stationäre Geschäfte von der Schließung bedroht. Jeder zehnte Standort in Deutschland würde damit wegfallen. Dazu kommt der demografische Wandel als Herausforderung für den Handel und Einkaufsgewohnheiten. Wir beobachten diese Entwicklungen – und wer sie wie geschickt meistert – natürlich genau.

Welche anderen Branchen könnten in Zukunft unter Druck geraten? 
Vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen der vergangenen Monate und der anstehenden bedeutenden Wahlen in Europa in diesem Jahr ist das kaum belastbar zu beurteilen. Wirtschaftlich wie gesellschaftlich sollten wir einen stärkeren Fokus auf die Insolvenzen bei  Unternehmungen legen, die mit eigentlich notwenigen Investitionen in die digitalisierte Wirtschaft überfordert sind oder keinen unternehmerischen Nachwuchs mehr finden. Insbesondere strukturschwächere Regionen werden von diesen Entwicklungen stark beeinflusst werden.

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