Der Kunde ist König: Ikea nimmt Produkte noch Jahre später zurück

Der Kunde ist König: Ikea nimmt Produkte noch Jahre später zurück

von Nils Heisterhagen

Ab sofort können die Kunden des Möbelriesen Waren ohne zeitliche Befristung zurückgeben – selbst dann, wenn sie gebraucht sind.

Es klingt irrwitzig, absurd und ökonomisch unvernünftig - aber es stimmt tatsächlich. Seit dem 25. August gilt bei Ikea ein lebenslanges Rückgaberecht. Alle nach diesem Stichtag gekauften Artikel können nun unbefristet zurückgegeben werden. Ausnahmen betreffen lediglich zugeschnittene Artikel  – wie zum Beispiel Stoffe oder Arbeitsplatten –, Pflanzen und Fundgrubenartikel.

Sogar gebrauchte Möbelstücke kann man zurückbringen und erhält den vollen Preis zurück. „Die Rückerstattung des vollen Betrags erfolgt auf demselben Weg wie bezahlt wurde“ sagt Andrea Lehnert, Pressereferentin bei Ikea Deutschland. Einzige Voraussetzung für die Rücknahme ist die Vorlage des Kassenbelegs.

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Ikea - Daten und Fakten

  • Rund um den Globus zu Hause

    337 Ikea-Möbelhäuser gibt es weltweit.

  • 734 Millionen Kunden...

    .... steuerten im vergangenen Geschäftsjahr ihre Einkaufswagen durch die Ikea-Möbelhäuser.

  • 664 Millionen Köttbullar ....

    .... so viele schwedische Fleischbällchen wandern in diesem Jahr über die Tresen der Ikea-Restaurants.

  • Mitarbeiterzahl

    131.000 Männer und Frauen sind weltweit bei Ikea beschäftigt.

  • Jahresumsatz

    Im Geschäftsjahr 2012/2013 Jahr setzte Ikea 27,9 Milliarden Euro um. Ein Plus von drei Prozent. Damit liegt der Konzern deutlich unter seinem Ziel von 10 Prozent.

  • Die "Möbel-Bibel"

    221 Millionen Kataloge ließ Ikea für 2013 drucken – jeder ist über 300 Seiten stark.

  • Logistik der Superlative

    430.000 Paletten haben Platz im größten Warenverteilzentrum der Welt, das Ikea auf einer Industriebrache in Dortmund baute.

Im Prinzip könnten die Deutschen sich nun jedes Jahr mit Ikea-Möbeln neu einrichten - auf Kosten des Konzerns. Egal ob das Sofa durchgesessen ist oder die Küche nicht mehr gefällt, ab jetzt bekommt man das Geld zurück. Bisher galt bei Ikea, dass man Neuware nur 90 Tage lang gegen Vorlage des Kassenbelegs umtauschen konnte.

Ob es jetzt wegen der lebenslangen Rückgabemöglichkeit auch zu einer erhöhten Rückgabequote kommt? Ikea glaubt nicht daran. Schließlich erprobt man die neue Rückgaberichtlinie schon in Norwegen und Dänemark. „Die Erfahrungen aus Norwegen und Dänemark zeigen uns, dass die Rückgabequote dauerhaft nicht exorbitant ansteigt“, sagt Lehnert. Ob das für Deutschland auch gilt, wird sich zeigen müssen.

Die Verbraucherzentrale Berlin begrüßt die neue Regelung daher zunächst - ist aber gespannt, ob Ikea die neue Regelung dauerhaft etabliert. „Grundsätzlich ist diese neue Regelung ein positives Signal für den Verbraucher. Nun muss man sehen, wie die Regelung in der Praxis umgesetzt wird und ob Ikea in der Lage ist, dieses Zugeständnis für seine Kundinnen und Kunden langfristig einzuhalten“, sagt Bernd Ruschinzik, Rechtsberater der Zentrale.

Doch welches Ziel verfolgt IKEA mit der lebenslangen Rückgabegarantie?

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Die Konkurrenz aus dem Internet ist nach Angaben der Pressereferentin Lehnert nicht der Grund. Stattdessen wolle man Kunden besseren Service bieten und sicherstellen, dass sie mit den Produkten wirklich zufrieden sind.

„Der wesentliche Grund für die lebenslange Produktgarantie ist vermutlich die Ansprache von potenziellen Kunden, die bisher noch nicht dort kaufen“, sagt Christian Schulze, Assistant Professor of Marketing an der Frankfurt School of Finance & Management. „Ähnlich wie Opel mit der Kampagne ‚Umparken im Kopf‘ möchte auch Ikea diesen potenziellen Kunden signalisieren, dass das Unternehmen höhere Qualität liefert als gedacht. Eine lebenslange Garantie ist da ein sehr mutiger Schritt.“

Die neue Kulanzregel sei aber nicht ohne Risiko, meint Schulze. Zwar sei es unwahrscheinlich, dass langjährige, loyale Kunden die Garantie ausnutzten. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass die Garantie auch neue Kunden anzieht, die das Unternehmen lieber nicht hätte. "Ein nicht unerheblicher Anteil von Onlinekunden bestellt Produkte ohne echte Kaufabsicht", sagt Schulze - und zwar in dem Wissen, diese wieder zurückgeben zu können. Solche Kunden wolle der Möbelriese eigentlich nicht. Bleibt abzuwarten, wie die Konsumenten mit der neuen Kulanzregel umgehen.

Die neue Ikea-Richtlinie könnte daher entweder der Anfang des Endes eines großen Unternehmens sein - oder der Beginn eines neuen Systems. 

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