Kaiser's Tengelmann: Einlenken hätte Probleme vermieden

ThemaEinzelhandel

Kaiser's Tengelmann: Wie konnte es nur so weit kommen?

Einlenken hätte Probleme vermieden


4. Zu lange auf Edeka gesetzt

Der Fokus auf Edeka als Käufer kostete das letzte Stück Substanz der Supermarktkette. Mittlerweile ist der Zusammenbruch nahe: In einigen Filialen laufen die Mietverträge aus und scharenweise Mitarbeiter verlassen das Unternehmen. Ein Konkurrent sagte dem Handelsblatt, dass sich auf jede Stelle, die er ausschreibe, 50 Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann meldeten. Zugleich rügt die Belegschaft, dass es für die Übergangszeit kein Fortführungskonzept gibt, mit dem Probleme wie die auslaufenden Mietverträge oder die marode IT hätten vermieden werden können.

Für Funder ist klar: Haub wollte nur an Edeka verkaufen – und war sich bis zum Ende sicher, dass das funktionieren würde. „Die Monopolkommission greift im Lebensmittelhandel mittlerweile schon beim Verkauf kleinerer Filialpakete ein – wer glaubt in einem solchen Marktumfeld die Kaiser’s-Filialen als Ganzes verkaufen zu können, ist blauäugig“, urteilt Funder.

Was bleibt an Auswegen für Kaiser's Tengelmann?

  • Spitzengespräch

    Am Donnerstagabend wollen die Konzernchefs von Tengelmann, Edeka und Rewe einen letzten Versuch machen, die völlig verfahrene Situation bei der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann zu bereinigten. Scheitern die Verhandlungen, droht der Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen bei der traditionsreichen Supermarktkette. Fragen und Antworten zum Krisengipfel und zu seinen Erfolgsaussichten:

  • Warum ist das Spitzentreffen überhaupt notwendig?

    Die Situation rund um die geplante Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka ist völlig verfahren. Erst stoppte das Bundeskartellamt die Übernahmepläne. Dann machte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) den Weg mit einer Ausnahmegenehmigung wieder frei. Nur um vom Oberlandesgericht Düsseldorf ausgebremst zu werden, das auf Antrag von Rewe und Markant die Ministererlaubnis vorläufig außer Kraft setzte. Eine juristische Klärung dieses Durcheinanders könnte Jahre dauern. Doch soviel Zeit hat Kaiser's Tengelmann nicht. Denn das Unternehmen schreibt hohe Verluste.

  • Was soll das Spitzentreffen bringen?

    Bundeswirtschaftsminister Gabriel hofft vor allem, dass es gelingt, die Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann doch noch zu sichern. Bei einer Zerschlagung sieht der Sozialdemokrat bis zu 8000 Stellen gefährdet.

  • Wie könnte eine Einigung gelingen?

    Die einfachste Lösung wäre es, dass Rewe seine Klage gegen die Ministererlaubnis zurückziehen würde. Dann könnte Edeka Kaiser's Tengelmann komplett übernehmen, die von dem Handelsriesen mit Verdi für diesen Fall ausgehandelten Tarifverträge würden greifen und damit auch langfristige Arbeitsplatzgarantien für die Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann.

  • Was spricht dagegen?

    Rewe ist offenbar nicht bereit zu einem solchen Schritt. Konzernchef Alain Caparros signalisierte vor Beginn des Krisentreffens, dass er auf eine „faire Aufteilung“ von Kaiser's Tengelmann hofft. Dabei könnten neben Edeka und Rewe auch andere interessierte Unternehmen zu Zuge kommen, meinte der Manager in einer Erklärung vor dem Krisengipfel.

  • Warum ist Rewe so stur?

    Es geht zum einen um Marktanteile. Edeka ist schon heute Deutschlands mit Abstand größter Lebensmittelhändler und Rewe will nicht weiteren Boden an den Rivalen verlieren. Außerdem fühlt sich Rewe-Chef Caparros von den Konkurrenten ausgetrickst. Es habe sich bei der Ministererlaubnis um ein abgekartetes Spiel gehandelt, sagte der Rewe-Chef kürzlich in einem Interview.

  • Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

    Darüber rätseln zurzeit Branchenkenner und Betroffene gleichermaßen.

  • Was würde ein Scheitern des Gipfels für die Tengelmann-Mitarbeiter bedeuten?

    Die Supermarktkette würde dann voraussichtlich zerschlagen, heißt es in informierten Kreisen. Dass heißt, die Filialen würden einzeln oder in Paketen an die Wettbewerber verkauft. Geschäfte, für die sich kein Interessent findet, würden dicht gemacht, ebenso wahrscheinlich die Fleischwerke und die Logistik des Konzerns. Auch die Verwaltung der Supermarktkette würde dann nicht mehr benötigt. Tausende Arbeitsplätze wären in diesem Fall gefährdet.

  • Warum wollen die Eigentümer Kaiser's Tengelmann unbedingt verkaufen?

    Die Supermarktkette schreibt seit Jahren rote Zahlen. Insgesamt sollen sich die Verluste seit der Jahrtausendwende auf mehr als 500 Millionen Euro summieren. Der Eigentümer - die Unternehmerfamilie Haub - will deshalb einen Schlussstrich ziehen.

  • Warum wartet der Kaiser's Tengelmann-Eigentümer nicht einfach den Ausgang der Gerichtsverfahren ab?

    Dazu entwickelt die Lage in den Geschäften zu schlecht. Denn die Ungewissheit über die Zukunft bremst das Geschäft. „Wir schrumpfen. Wir verlieren Mitarbeiter jeden Tag. Wir verlieren Läden, weil die Mietverträge nicht verlängert werden können“, klagte Firmenchef Karl-Ervian Haub vor einigen Wochen in einem Rundfunkinterview. Nach Angaben aus informierten Kreisen sind die Verluste inzwischen auf rund zehn Millionen Euro pro Monat gestiegen. Das ist selbst für eine der reichsten deutschen Unternehmerfamilien viel Geld.

Auch Daniel Zimmer, der frühere Chef der Monopolkommission, der im Eklat um die Ministererlaubnis von seinem Posten zurücktrat, sagt: „Ein früheres Einlenken hätte viele Probleme vermieden. Tatsächlich wären die Verluste bei Tengelmann nicht in dieser Höhe aufgelaufen. Auch die Schwächung des Filialnetzes durch Kündigungen von Mitarbeitern und auslaufende Mietverträge wäre vermeidbar gewesen."

Ob sich die Zerschlagung der Kette noch abwenden lässt, wird sich nach der Aufsichtsratssitzung zeigen. Stand heute hätte Haub wohl am liebsten schon vor 15 Jahren verkauft. Damals war der Lebensmittelhandel noch nicht so stark konsolidiert, der Verkauf als Ganzes hätte bessere Chancen gehabt.

Warum Haub trotz der großen Verluste über so viele Jahre mit dem Verkauf gewartet hat, darüber lässt sich nur mutmaßen.

Anzeige

Die Supermarktkette Tengelmann war die Keimzelle der heutigen Tengelmann-Gruppe. „Da kann es passieren, dass man am alten Geschäft länger festhält, als ökonomisch sinnvoll“, sagt Funder. Ein teures Sentiment.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%