Landwirtschaft: Nordkoreas Bauern sollen auf Bio-Dünger setzen

Landwirtschaft: Nordkoreas Bauern sollen auf Bio-Dünger setzen

, aktualisiert 04. März 2017, 17:30 Uhr
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Der Bio-Dünger soll für eine ertragreiche Ernte sorgen.

Quelle:Handelsblatt Online

Weg von Chemie, hin zu weitgehend organischem Dünger: Juche-Jauche soll den nordkoreanischen Böden neues Leben einhauchen. Das Regime in Pjöngjang setzt den Bauern schon jetzt hohe Ziele.

PjöngjangNoch sind die Böden gefroren. Doch die Bauern in Nordkorea bereiten sich schon auf die Anbausaison vor. Denn ihre Nation erwartet von ihnen großen Einsatz und großen Ertrag. 117 Prozent des Produktionssolls haben die staatlichen Medien bereits angekündigt. Derart inspiriert seien die Landwirte von der Neujahrsansprache ihres Präsidenten.

„Unser geschätzter oberster Führer, Genosse Kim Jong Un, hat uns unterrichtet, dass die Landwirtschaft der Hauptansatzpunkt zum Aufbau einer starken Wirtschaft und eines starken Landes ist“, sagt Kim Song Ryong. Um das beste Ergebnis zu erzielen und die Böden zu verbessern, seien schon alle Bauern und Arbeiter im Einsatz, erklärt der Techniker der Migok-Agrarkooperative in Sariwon, südlich der Hauptstadt Pjöngjang.

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Landwirte, unterstützt von Arbeitern und aus den Städten mobilisierten Schülern, transportieren derzeit Lastwagenladungen voller Dünger zu den Feldern. Das dauert nach Angaben von Kim Song Ryong etwa 20 bis 25 Tage. Die stechend riechende Fracht soll dann im März auf den Ackerböden verteilt und schließlich untergepflügt werden.

Juche-Dünger wird die Masse genannt, nach der Juche-Ideologie, die sich stark an Autarkie und Selbstständigkeit der Nation orientiert. Wie genau sich die Juche-Jauche zusammensetzt, ist unbekannt. Aber sie dürfte hauptsächlich aus organischen Bestandteilen bestehen und mit chemischen Stoffen angereichert sein.

Weil die Viehzucht in Nordkorea keine große Rolle spielt, fällt wenig tierischer Dung an, so dass wohl auch menschliche Exkremente Verwendung finden. Anders als in früheren Jahrzehnten scheint aber die chemische Komponente gering. Das ist auch aus der Not geboren.

Die schwache Wirtschaft und die eingeschränkten internationalen Beziehungen erschwerten den Erwerb chemischer Düngemittel aus dem Ausland, erklärt der private Agrarberater Randall Ireson. „Ohne diese Quelle mussten lokale Ressourcen gefunden werden.“


Chemie zerstörte den Boden

Die Hinwendung zu Kompost und organischem Dünger sei aber auf gutem Kurs. Zunächst sei alles noch etwas holprig gelaufen, doch nun fingen die Landwirte an, ihren Dünger mit geringer Energie selbst herzustellen. Ihm sei der Einsatz effektiver Kompostierung von Pflanzenteilen bekannt sowie die Nutzung tierischen und menschlichen Dungs, berichtet Ireson. Dazu komme noch etwas chemischer Dünger. „Die Zugabe chemischen Düngers zu der Mischung lässt diese unter strengen Kriterien aus dem Bio-Raster fallen, aber alles andere ist unterm Strich naturverträglich und nachhaltig - wenn es richtig eingesetzt wird.“ Ziel ist, dem ausgelaugten Boden neues Leben einzuhauchen.

Die Praxis wurde nach Angaben Iresons etwa um die Jahrtausendwende aufgenommen. Zuvor hatte sich die nordkoreanische Landwirtschaft Jahrzehnte lang auf Chemie gestützt, um die Produktion zu steigern. Die künstlichen Düngemittel zerstörten das mikrobiotische Gefüge im Boden und führten in einen Teufelskreis. Immer mehr chemische Unterstützung brauchten die Äcker. In den 90er Jahren bremsten der Zerfall der Sowjetunion und Umwälzungen in anderen kommunistischen Ländern den Nachschub aus.

Die daraufhin sinkenden Erträge waren mitverantwortlich für weit verbreiteten Hunger im isolierten Nordkorea. Ohnehin ist es schwierig für die nordkoreanische Landwirtschaft, die rund 25 Millionen Einwohner des Landes zu versorgen. Ein großer Teil Nordkoreas ist bergig, internationale Handelssanktionen drücken, und weite Teile des Agrarsektors bedürfen der Modernisierung.

Ansporn für die Landwirte, das auch selbst mit in die Hand zu nehmen, kommt mittlerweile von höchster Ebene. Kim Jong Uns Agrarpolitik sieht seit einigen Jahren mehr Anreize dafür vor, das vom Staat vorgegebene Produktionssoll zu übertreffen. Die Landwirte können ihren Überschuss gewinnbringend verkaufen. Zudem entstanden kleinere Produktionseinheiten, in denen die finanziellen Vorteile direkter spürbar werden.

Wie umfassend die Veränderungen sind und wie stark sie umgesetzt werden, ist nach Einschätzung von Experten nicht zu ermessen. Aber sie seien ein Schritt in die richtige Richtung: China und Vietnam hätten mit ähnlichen Reformen auch Erfolge erzielt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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