Michael Schmitz: Warum es Blender so leicht haben

InterviewMichael Schmitz: Warum es Blender so leicht haben

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Der Macht-Experte.
Schmitz, 60, ist Psychologe, Management-Trainer und lehrt Personalführung und Team-Building an der Lauder Business School in Wien.

von Lin Freitag

Middelhoff hat "den Bezug zur Realität verloren", sagt Michael Schmitz. Der Management-Professor und Autor des Buchs "Psychologie der Macht" erklärt, warum es Blender auf den Chefetagen so leicht haben.

WirtschaftsWoche Online: Herr Professor Schmitz, halten Sie Thomas Middelhoff für einen guten Manager?
Herr Michael Schmitz: Nein. Für Middelhoff waren die eigenen Interessen immer wichtiger als die des Unternehmens.

Wie konnte er dann so lange vorgeben, ein Star auf den Chefetagen zu sein?
Er hatte als Bertelsmann-Chef mit dem Verkauf der Anteile am Online-Dienst AOL Europe kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase 2000 einen großen Erfolg, davon zehrte er jahrelang. Middelhoff kann sich unheimlich gut verkaufen. Er ist selbstbewusst, hat ein großes Ego – so groß, dass es schon im Grenzbereich zum Narzissten liegt. Menschen mit narzisstischen Zügen kommen leichter nach oben, weil sie häufig sehr charmant, gleichzeitig aber auch skrupellos genug sind, um sich durchzusetzen.

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Zur Person

  • Michael Schmitz

    Der Macht-Experte. Schmitz, 60, ist Psychologe, Management-Trainer und lehrt Personalführung und Team-Building an der Lauder Business School in Wien.

An welchem Punkt hätten alle merken müssen, dass Middelhoff ein Blender ist?
Spätestens als Arcandor schon nicht mehr zu retten war und Middelhoff trotzdem noch Optimismus verbreitete. Seine Botschaft lautete bis zum bitteren Ende: Es gibt noch Hoffnung, ich schaffe das. Da hätte jedem klar sein müssen, dass dieser Mann den Bezug zur Realität verloren hat. Er hat nur noch die Informationen wahrgenommen, die ihn in seinem Handeln bestätigten. Schlechte Nachrichten sind an ihm abgeprallt.

Selbst auf der Anklagebank hat er keine Fehler eingestanden. Woran liegt das?
Es geht ihm um seine Entscheidungsgewalt. Er ist fest davon überzeugt, dass es sein Recht war, den Hubschrauber zu nehmen, um nicht im Stau stehen zu müssen. Etwas anderes lässt er sich auch von einem Gericht nicht sagen. Selbstüberschätzung hängt immer auch mit der Entwertung anderer zusammen. Sein unverfrorenes Lächeln auf der Anklagebank war nicht gespielt, Middelhoff denkt immer noch, dass er der Größte ist.

Ist das eine natürliche Folge der Macht?
Macht hat immer Auswirkungen auf einen Menschen. Und oft fallen die negativ aus. Ein Beispiel: Viele reflektieren sich nicht mehr selbst und wählen danach auch ihr Umfeld aus: Sie umgeben sich nur noch mit Ja-Sagern, kritische Stimmen werden aus dem Weg geräumt.

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Ein weiteres Beispiel?
Wenn für einen Manager nur die eigene Meinung zählt, wird es gefährlich. In unserer globalisierten Welt kann nicht einer allein sämtliche Entscheidungen fällen. Dazu sind die Abläufe in einem Unternehmen zu komplex. An einer solchen Alleinherrschaft ist auch Ex-Daimler-Vorstandschef Jürgen Schrempp gescheitert. Er hat viele Fehlentscheidungen getroffen, weil er nicht auf andere hörte.

Welche Dax-Chefs lassen denn auch andere Meinungen zu?
Das lässt sich von außen schwer beurteilen. Aber Henkel-Vorstandschef Kasper Rorsted oder der Deutsche-Post-Lenker Frank Appelt vermitteln eher das Gefühl, dass sie den Diskurs suchen. Die wissen, dass sie nicht alles wissen.

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