Möbelhändler Steinhoff : Dieser Unternehmer jagt Ikea

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Möbelhändler Steinhoff : Dieser Unternehmer jagt Ikea

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Bruno Steinhoff hat die Nummer zwei der Möbelwelt erschaffen.

von Henryk Hielscher

Die Steinhoff-Gruppe ist an der Börse mehr wert als Metro und Zalando zusammen. Fast unbemerkt hat Gründer Bruno Steinhoff die Nummer zwei der Möbelwelt geschaffen. Das Unternehmen könnte in den DAX aufsteigen.

Die Auffahrt führt zu einem reetgedeckten Anwesen inmitten eines großen Gartens, es riecht nach frisch gemähtem Gras. Die Hecken sind mannshoch, am Eingangstor leuchtet weiß auf rotem Grund die „Warnung vor dem Hunde“. Das Klingeln verhallt, ansonsten: Stille.

Mehr Diskretion als hier, hart an der Grenze zu Ostfriesland, ist kaum denkbar. Hier, in Westerstede, residiert der wohl unbekannteste deutsche Milliardär. In der Möbelbranche nennen sie ihn „Urgestein“, sonst kennt ihn keiner: Bruno Steinhoff, ein freundlich dreinblickender 79-Jähriger mit vollem Haar und einem Hang zum Handfesten. Ist er doch Herr über Biogasanlagen, Ackerbaubetriebe und ein Jagdrevier – vor allem anderen aber: eines erklecklichen Anteils an jenem Konzern, dem er seinen Namen gab, der Steinhoff-Gruppe.

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Nur ein paar Kilometer entfernt von dem diskret verborgenen Anwesen soll sich Mitte der Sechzigerjahre das Wunder von Westerstede zugetragen haben, berichten Einheimische. Aus einer Garage heraus legte Steinhoff mit einem kleinen Handelsunternehmen den Grundstein für ein Milliardenkonglomerat. Eine globale Möbelmacht, deren aggressives Wachstum selbst für den schwedischen Einrichtungskönig Ikea zur Bedrohung wird.

Westerstede? Milliardenimperium? Steinhoff? Selbst eifrigen Sofa- und Schrankwandkäufern sagt der Name nichts. Bei seinen Wettbewerbern und seit zwei Jahren auch bei Fondsmanagern und Börsenhändlern aber hat er einen Ruf wie Donnerhall. Wie im Rausch ist die Steinhoff-Gruppe gewachsen, über 40 verschiedene Handelsketten mit weltweit über 10.000 Läden vereint sie heute unter ihrem Dach. Der amerikanische Bettenhändler Mattress gehört dazu, ebenso der australische Wohnspezialist Freedom und der afrikanische Textildiscounter Pepkor. Und kettenweise Möbelhäuser: Conforama in Frankreich, Kika/Leiner in Österreich, Poco in Deutschland. Für die warb TV-Blondine Daniela Katzenberger, half mit vollem Körpereinsatz, dass Steinhoffs Poco immer mehr billige Lattenroste und Lampen verkaufte.

Knapp 17 Milliarden Euro setzt die Steinhoff-Gruppe heute um. Gesteuert wird sie inzwischen aus Südafrika. Nicht genug: „Das Wachstum von Geschäften sei „in unserer DNA“ angelegt, tönt Steinhoff-Finanzchef Ben la Grange. Schon heute ist die im MDax, dem Index der mittelgroßen Börsenwerte, gelistete Gruppe 21 Milliarden Euro wert, mehr als Handelsriese Metro und Onlinehoffnung Zalando zusammen. „Geht es so weiter, ist der Aufstieg in die erste Börsenliga in Sicht“, sagt Commerzbank-Analyst Andreas Riemann. Steinhoff wäre dann der unbekannteste unter den 30 Dax-Werten.

Weltmarktführer Ikea erwächst mit Steinhoff erstmals ernsthaft Konkurrenz. Noch scheint der Abstand gewaltig: Ikeas weltweiter Umsatz ist doppelt so hoch wie Steinhoffs. Doch der Angreifer holt auf. Es ist das Duell zweier Handelsgiganten, geprägt von Gründerfiguren, deren Einfluss bis heute ins Unternehmen reicht. Hier der knorrige Schwede Ingvar Kamprad, ein Marketinggenie, der aus einem winzigen Versandhandel Ikea formte, dort Steinhoff, der seine Gruppe nach deutscher Bauart zurechtzimmerte: hemdsärmelig, hartnäckig und mit einem ausgeprägten Hang zur Verschwiegenheit.

Der Gründer: „Tun, was andere nicht wollen“

Steinhoff möchte keine Fragen beantworten, hat er sich doch längst aus dem täglichen Kleinklein verabschiedet, einerseits. Andererseits sitzt der Möbelveteran gemeinsam mit Tochter Angela im Aufsichtsrat des Konzerns – und erscheint in schöner Regelmäßigkeit in seinem Büro im Westersteder Verwaltungssitz des Konzerns. Den Vorraum zum Büro bewachte lange Zeit ein Grizzly. Den Bären habe der Patron einst selbst geschossen, bezeugen Mitarbeiter. Ältere Fotos zeigen Steinhoff in seinem Arbeitszimmer, fast bieder im gestreiften Hemd, vor einer riesigen Weltkarte, neben ihm ein rötlich bezogener Stuhl. Das ist Gaby, das Modell, das dem Möbelimporteur Steinhoff einst den Durchbruch brachte. Mitte der Sechzigerjahre hatte er sich als Importeur selbstständig gemacht, versorgte Möbelhändler mit Ware aus der DDR und dem Ostblock, und Gaby war der Bestseller.

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