Reno: Schuhverkäufer auf Abwegen

Reno: Schuhverkäufer auf Abwegen

, aktualisiert 02. Juni 2016, 08:09 Uhr
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Der Schuhverkäufer setzt zwar noch auf eigene Filialen. Doch in Zukunft wird es wohl mehr Shop-in-Shops bei Handelspartnern geben.

von Georg WeishauptQuelle:Handelsblatt Online

Der Schuhmarkt ist zersplittert, die Konkurrenz im Online-Handel stark. Deutschlands zweitgrößter Händler Reno will das Unmögliche möglich machen: konsolidieren und wachsen. So will er zu Marktführer Deichmann aufrücken.

Matthias Händle macht sich nichts vor. „Die richtige Marktkonsolidierung fängt gerade erst an“, sagte der Sprecher der Geschäftsführung und Mitgesellschafter der HR Gruppe dem Handelsblatt. Der Schuhmarkt in Deutschland sei sehr zersplittert. „Wir werden in einigen Jahren eine ähnliche Konzentration haben wie in der Baumarkt-, Elektro- oder Lebensmittelbranche“, erwartet der Chef von Deutschlands zweitgrößtem Schuhhändler Reno.

Und Händle will bei der Konzentration in der Branche aktiv mitmischen. „Wir haben genug Geld in der Kasse, um uns an Unternehmen zu beteiligen“, kündigte er an. Das neue Selbstbewusstsein Händles hat einen Grund. Denn seit kurzem hat die HR-Gruppe ihr Haftkapital um einen „zweistelligen Millionenbetrag“ erhöht und die Bankenfinanzierung umstrukturiert.

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Möglich wird die höhere Finanzkraft durch die neuen Gesellschafter des Schuhfilialisten: Rund 65 Prozent hat der Berliner Finanzinvestor Capiton übernommen, 20 Prozent der Schuhfilialist Ziylan Group aus Istanbul und 15 Prozent ein Managementteam, zu dem auch Händle gehört. Der Wechsel wurde möglich, weil Ex-Metro-Vorstand Stefan Kaske seinen 50-Prozent-Anteil und die Familie Hamm ihren 45 Prozent-Anteil abgegeben haben.

Der Schuheinzelhandel in Deutschland befindet sich in einem großen Umbruch. Viele Schuhhändler mussten in den vergangenen Jahren aufgeben. Denn Onlinehändler wie Zalando greifen massiv ins Geschäft ein. Der Filialist Ludwig Görtz konnte nur mit harter Sanierung und dem Einstieg eines Investors überleben.

Das Online-Geschäft mit Schuhen hat sich nach Berechnungen des Instituts für Handelsforschung in Köln von 2010 bis 2014 auf einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. So lag der Anteil der Internet-Käufe in der Branche 2014 bereits bei 15,5 Prozent des gesamten Schuhgeschäfts.

Händle denkt aber nicht nur an Zukäufe und neue Allianzen, um den Abstand zur klaren Nummer eins, der Deichmann-Gruppe aus Essen, zu verringern. Er will den Mittelständler auch intern neu aufstellen. „Wir schließen derzeit mehr Filialen, als wir öffnen“, machte er klar. Er will die eigenen Filialen auf bessere Standorte konzentrieren. Zur Zeit betreibt die HR-Gruppe noch 500 Läden.

Außerdem verspricht sich der neue und alte CEO viel von seinem strategischen Gesellschafter, der Ziylan-Gruppe. Die Nummer eins der türkischen Schuhfilialisten bringt große Erfahrungen als Schuhproduzent mit . „Wir arbeiten mit Ziylan daran, bei IT-Themen zusammenzuarbeiten“, verrät Händle.


Shop-in-shops bei Handelspartnern

Und er will die Beschaffung verbessern. So suchen Reno und Ziylan beim Einkauf Alternativen zu chinesischen Herstellern, die in den vergangenen Jahren wegen gestiegener Löhne immer teurer geworden sind. „Wir denken über Mazedonien, Slowenien oder die Türkei als Fertigungsstandort nach.“

Klar ist auch, dass Reno auf wichtigen Märkten noch zulegen muss. Denn der Osnabrücker Filialist, der 2005 durch die Fusion des Familienunternehmens Hamm und der Unternehmensgruppe Reno entstand, will in allen Ländern, in denen er tätig ist, die Nummer zwei werden. Das ist er aber bisher nur in Deutschland, aber noch nicht in Österreich und der Schweiz.

So will die Gruppe, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes von zuletzt 550 Millionen Euro mit eigenen Marken erzielt, dieses Jahr mit einer „guten schwarzen Null“ beim Ergebnis abschließen. Im vergangenen Jahr standen am Schluss rote Zahlen. Grund waren hohe Investitionen in die IT, um das Unternehmen für das Online-Geschäft fit zu machen, sowie die Kosten, um Filialen zu schließen.

Für Händle ist klar, dass sich das Gewicht im Vertrieb in den kommenden Jahren mehr in Richtung der Shop-in-shops bei Handelspartnern verschieben wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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