Schifffahrt in der Krise: Rickmers soll in Eigenverwaltung saniert werden

Schifffahrt in der Krise: Rickmers soll in Eigenverwaltung saniert werden

, aktualisiert 02. Juni 2017, 11:04 Uhr
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Zum Sachwalter im Insolvenzverfahren der Reederei hat das Gericht laut einem Bericht den Hamburger Juristen Jens-Sören Schröder, Partner der Sanierungskanzlei Johlke, Niethammer & Partner, bestimmt.

Quelle:Handelsblatt Online

Erst vor einem Tag hatte Rickmers einen Insolvenzantrag gestellt. Nun steht laut einem Bericht bereits fest, wie es mit der krisengebeutelten Reederei weitergehen wird: Sie soll in Eigenverwaltung saniert werden.

DüsseldorfDie Hamburger Reederei Rickmers soll in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung saniert werden. Einem entsprechenden Antrag des Unternehmens hat das zuständige Amtsgericht Hamburg nach Informationen der WirtschaftsWoche zugestimmt.

Zum Sachwalter hat das Gericht laut dem Magazin den Hamburger Juristen Jens-Sören Schröder, Partner der Sanierungskanzlei Johlke, Niethammer & Partner, bestimmt. Schröder war bereits bei zahlreichen Großverfahren als Insolvenzverwalter im Einsatz, unter anderem bei der Insolvenz der Baumarktkette Max Bahr. Als Sachwalter soll er nun dafür sorgen, dass bei der Sanierung die Interessen der Gläubiger gewahrt bleiben.

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Am Mittwoch hatte die Rickmers Holding per Mail ihren Anleiheinvestoren mitgeteilt, dass das Rettungskonzept des Unternehmens gescheitert sei. ie Großgläubigerin HSH Nordbank habe „sehr überraschend und „ohne weitere Verhandlungsbereitschaft“ ihre Zustimmung zu dem Konzept verweigert. Damit sei nach Einschätzung des Vorstandes die positive Fortführungsprognose der Rickmers Holding entfallen. Am Donnerstag folgte dann der Insolvenzantrag. Rickmers kann die Zinsen nicht mehr bezahlen und ist damit pleite.

Mitte April hatte Rickmers seine Anleihegläubiger mit einem  Sanierungskonzept überrascht, an dem ein Team unter Federführung der Münchner Restrukturierungsberatung One Square Advisors über Monate gearbeitet hatte. Das Konzept hatte kräftige Zugeständnisse der Hauptgläubigerbank HSH Nordbank vorgesehen und noch höhere Opfer der Anleihegläubiger. Sie sollen noch eine Zinszahlung am 11. Juni im Volumen von rund 24 Millionen Euro erhalten. Danach hätten sie allenfalls noch von einem späteren Verkauf von Rickmers profitiert. Bertram Rickmers wollte 75 Prozent seines Konzerns abgeben und rund 30 Millionen Euro direkt oder indirekt zur Verfügung stellen.

Heftige Proteste einiger Großgläubiger und ein Gegenkonzept der Investmentbank Houlihan Lokey ließen jedoch die Zustimmung der Anleihegläubiger bis zuletzt zweifelhaft erscheinen. „Hier wird uns doch die Pistole vor die Brust gehalten“ beschwerte sich etwa Fondsmanager Carlos Andrade von der Fondsverwaltung Delta Alternative Management. Er wollte ebenso wie andere Großgläubiger und auch die Anlegerschutzgemeinschaft SdK seine Zustimmung verweigern. Die Meuterer unter den Anleihegläubigern störte vor allem, dass sie nicht in die Verhandlungen eingebunden waren. Sie glaubten, gegenüber der HSH Nordbank deutlich benachteiligt zu sein.

Eine erste Abstimmung im Umlaufverfahren scheiterte schon mal an der mangelnden Beteiligung der Anleihegläubiger. Bei der für den vergangenen Donnerstag vorgesehenen Abstimmung wäre es ebenfalls sehr knapp geworden.

Die derzeitige Lage ist der vorläufige Höhepunkt eines Dramas, das vor vielen Monaten begann und das in den letzten Wochen immer neue Wendungen nahm. Dabei geht es um den Fortbestand eines der größten Dienstleister in der Schifffahrtsindustrie: Der Rickmers Konzern, dessen Alleinaktionär bislang der Reeder Bertram Rickmers war, betreibt eine Flotte von 114 Frachtschiffen mit mehr als 1.600 Seeleuten. Dauerhaft niedrige Charterraten führten in den letzten Jahren zu hohen Wertberichtigungen auf eigene Schiffe. Nach drastischen Umsatzeinbußen und einem Verlust von 341 Millionen Euro im vergangenen Jahr ist der Konzern nun in schwere Seenot geraten.

Im sinkenden Schiff sitzen auch viele tausend  Gläubiger, die Rickmers-Anleihen im Volumen von 275 Millionen Euro und einem sagenhaften Zins von 8,875 Prozent gezeichnet haben. Es ist eine der bislang größten Notlagen im Segment der Mittelstandsanleihen. 

Quelle:  Handelsblatt Online
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