Warenhauskonzern: Kaufhof kämpft um seinen Ruf

Warenhauskonzern: Kaufhof kämpft um seinen Ruf

, aktualisiert 28. Juli 2017, 06:34 Uhr
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Der Warenhaus-Konzern sorgt sich um seine Reputation in der Branche.

von Florian Kolf und Georg WeishauptQuelle:Handelsblatt Online

Die Kürzung der Kreditlinien durch den Versicherer Euler Hermes hat die Kaufhof-Lieferanten schockiert. In einem Brief beruhigt der Geschäftsführer jetzt die Partner – doch dem Konzern läuft die Zeit davon.

DüsseldorfEs ist ein eindringlicher Appell. „Wir sind und bleiben ein verlässlicher Partner für Sie“, schreibt Edo Beukema, Einkaufsgeschäftsführer von Galeria Kaufhof in einem Brief, den er am Donnerstagabend an seine Zulieferer verschickt hat. „Und selbstverständlich werden wir auch in Zukunft unseren finanziellen Verpflichtungen pünktlich nachkommen“, versichert er den Geschäftspartnern.

Eigentlich müsste es normal sein, dass ein großer Warenhauskonzern seine Zahlungsverpflichtungen einhält. Doch bei Kaufhof ist zurzeit gar nichts normal. Seit der wichtigste deutsche Warenkreditversicherer Euler Hermes den Zulieferern von Kaufhof mit Verweis auf die Geschäftszahlen von Kaufhof die Kreditzusagen gekürzt hat, herrscht in der Kölner Kaufhof-Zentrale Ausnahmezustand. Denn das heißt im Klartext: Euler Hermes zweifelt an der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens.

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Deswegen versucht Beukema nun in seinem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, alle Zweifel zu zerstreuen. Die kanadische Kaufhof-Muttergesellschaft Hudson’s Bay Company (HBC) könne auf „eine globale Betriebsmittelkreditlinie in Höhe von US$ 2,25 Mrd“ zurückgreifen und besitze zudem ein „beträchtliches Immobilienvermögen“, so Beukema. „HBC ist solide finanziert und verfügt über ausreichend Liquidität“, versichert der Kaufhof-Geschäftsführer.

Doch die Verunsicherung ist groß. „Wenn die Ampel auf Gelb springt, sollte man sich genau überlegen, ob man auf die Bremse tritt oder Gas gibt“, sagt ein Geschäftsführer eines Kaufhof-Lieferanten, der nicht genannt werden will. Doch viele Zulieferer seien im Dilemma: Sie könnten auf einen Abnehmer wie Kaufhof gar nicht verzichten, weil sie das große Absatzvolumen brauchen. Wenn sie aber zu den bisherigen Konditionen weiter liefern, wäre ihr Risiko bei einem Zahlungsausfall enorm.

Die Zulieferer wurden von der Entscheidung von Euler Hermes kalt erwischt. In der vergangenen Woche teilte er ihnen ohne Vorwarnung mit, dass die Versicherungssummen für Lieferungen an Kaufhof um teilweise bis zu 80 reduziert wurden. Die Entscheidung basiere auf „der Bewertung uns vorliegender Geschäftszahlen“, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. „Die Ergebnisse unserer Analysen lassen keine andere Entscheidung zu“, heißt es weiter. Auch andere Kreditversicherer überprüfen nun in der Folge ihre Garantiesummen.

In der Tat sehen die Geschäftszahlen von Kaufhof und HBC zurzeit alles andere als rosig aus. Auf 221 Millionen Euro hat sich der Verlust von HBC im ersten Quartal verdoppelt. Und die 115 Häuser in Deutschland und Belgien haben ebenfalls Probleme und sind im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht. Auch der Umsatz ist deutlich zurückgegangen.

Doch das geht den meisten Unternehmen in der Branche ähnlich. „Euler Hermes fährt sein Engagement im Textilhandel insgesamt zurück, weil in der ganzen Branche die Profitabilität abgenommen hat und damit das Insolvenzrisiko gestiegen ist“, beobachtet Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung aus München. Das bestätigt auch Euler Hermes in einer Studie vom Juni. Im Handel habe die Insolvenzquote 2016 um Zweidrittel zugelegt, heißt es da. Insbesondere der Modehandel stehe vor großen Herausforderungen.


Große Pläne in Europa

Die Einkäufer von Kaufhof versuchen nun hektisch in Einzelgesprächen die Wogen zu glätten. Auch beim Hemdenhersteller Seidensticker hat Euler Hermes „die Limite bei den Garantiezusagen für Lieferungen an den Kaufhof deutlich gekürzt“, wie Gerd-Oliver Seidensticker, geschäftsführender Gesellschafter, dem Handelsblatt sagte. Der Finanzchef des Bielefelder Familienunternehmens wird deshalb nächste Woche mit seinem Finanzkollegen bei Kaufhof telefonieren.

Wie viele andere Modehersteller hat jedoch auch Seidensticker momentan nicht vor, seine Lieferungen an Kaufhof einzuschränken. „Der Kaufhof ist ein wichtiger Kunde von uns“, sagte Seidensticker. „Aber es gilt natürlich das kaufmännische Vorsichtsprinzip. Wir werden die Zahlungseingänge genau beobachten.“

Seidensticker liefert seine Ware zum Teil in Kommission, bleibt also bis zum Verkauf Eigentümer der Hemden und Blusen. Einen anderen Teil der Ware kauft der Kaufhof aber normal ein. Da ist das Risiko für Seidensticker größer.

„Die Kürzung der Garantiezusagen ist für die Lieferanten ein riesiges Problem“, bestätigt Handelsexperte Stumpf. Doch das könnte auch auf Kaufhof zurückschlagen. Starke Lieferanten, so Stumpf, könnten jetzt eine Verkürzung der Zahlungsziele verlangen, was für Kaufhof die Liquiditätslage weiter verschärfen würde. Das ist besonders heikel, weil gerade jetzt die Einkäufe für das wichtige Weihnachtsgeschäft getätigt werden.

Kaufhof sei genau wie der Konkurrent Karstadt zu lange mit sich selbst beschäftigt gewesen und habe sich nicht genug darauf konzentriert, das Kerngeschäft zu stärken und auf die Zukunft auszurichten, kritisiert Stumpf. Das rächt sich nun. „Das Kerngeschäft zu verbessern ist eine Mammutaufgabe, die einige Zeit braucht bis erste Erfolge zu sehen sind“, weiß der Handelsexperte.

„Unser Ziel lautet, weiter mit Ihnen zu wachsen“, wirbt deshalb Geschäftsführer Beukema in seinem Brief an die Lieferanten um Verständnis. „Wir setzen uns für Ihren Erfolg ein und eröffnen Ihnen zum Beispiel mit dem rasanten Ausbau unseres Europageschäfts zusätzliche interessante Wachstumsmöglichkeiten.“ In der Tat hat HBC in Europa viel vor. Innerhalb der nächsten 24 Monate sollen die Umsätze um ein Fünftel zulegen. Allein zehn neue Kaufhäuser werden in den Niederlanden aufmachen. Und die auch die Outlet-Kette Saks OFF 5th, deren erste fünf Häuser in Deutschland gerade eröffnet haben, soll deutlich ausgebaut werden.

Doch angesichts der aktuellen Zuspitzung läuft Kaufhof die Zeit davon. Denn eine historische Parallele macht vielen in der Branche Angst. Auch vor der spektakulären Insolvenz von Karstadt vor neun Jahren hatte zunächst der Kreditversicherer Euler Hermes die Ausfallgarantien für Lieferungen an den Warenhausbetreiber eingeschränkt – und damit Lieferanten abgeschreckt.

Bis zum 12 Oktober hofft Kaufhof die Situation wieder beruhigt zu haben. Denn dann findet in Köln die jährliche große Lieferantenkonferenz statt. Und auf der will Beukema den Geschäftspartnern die „Wachstumsperspektiven verdeutlichen“, wie er schreibt. Doch bis dahin bleibt für ihn und sein Team noch viel zu tun.

Quelle:  Handelsblatt Online
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