Werner knallhart: Nichts spaltet Deutschland mehr als Lakritz

kolumneWerner knallhart: Nichts spaltet Deutschland mehr als Lakritz

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Eine Lakritzschnecke

Kolumne von Marcus Werner

Am 12. April ist der deutsche Lakritztag. In einem zerrissenen Land: Die Lakritz-Grenze verläuft direkt durch Deutschland. Wie soll das enden?

Bis in die Achtzigerjahre hinein waren die USA aus deutscher Sicht ein Schlaraffenland der Genussmittel. Was es da alles gab! Geleebohnen, die nach Popcorn schmeckten und Mikrowellen-Popcorn, das nach Butter schmeckte. Rootbeer mit Zahnpastaaroma, Cornflakes mit Erdnüssen drin, Kartoffelchips mit saurer Sahne und Zwiebeln und würzige Limo namens Dr. Pepper, eine Art Cola mit Zimtgeschmack oder so. Kinners, was war das nur für eine verrückte Welt.

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Doch all das gibt es mittlerweile längst auch bei uns. Wozu brauchen wir dann noch die USA? Einzig Reese's fällt mir ein, eine Schokolade mit Erdnussbutterfüllung. Aber sonst: langweilig. Die ganze Welt hört mittlerweile die gleiche Musik, guckt die gleichen Fernsehserien, stopft sich mit Einheitsburgern voll - und mampft die gleichen Bonbons.

Außer Lakritz.

Bei Lakritz ist es so wie mit dem Foto von dem Kleid, das vor einigen Wochen durch die sozialen Medien ging. Ein Teil der Menschheit hielt es für ein in der Sonne fotografiertes Kleid in schwarz-blau, und der andere für ein im Schatten geknipstes in weiß-gold. Die Welt war geteilt.

Bei dem Kleid lag am Ende die Schwarzblau-Fraktion richtig. Aber bei Lakritz?

Laut einer Umfrage von 2014 essen 52,6 Prozent der Deutschen niemals Lakritz. Was soll das? Ich wette: Die Nichtesser leben zum allergrößten Teil im Süden der Republik. Ab Frankfurt und weiter unten. Versuchen Sie mal, in Stuttgart Fisherman's Friend Lakritz zu bekommen. Sie werden am Ende heulend aufgeben. Für viele Süddeutsche ist Lakritz eben nur "Bärendreck".

Dabei versucht es der größte Lakritzhersteller der Welt, Haribo, doch mit allen Tricks und viel Fingerspitzengefühl, die Lakritz-Weicheier rumzukriegen. Haribo nennt es Konfekt und versteckt eine kleine Schicht süßer Lakritz in einem Sandwich aus kunterbunter Zuckermasse, die nach Erdbeere, Zitrone, Kokos oder Karamell schmeckt. So wie man dem Hund die Entwurmungskur ins Nassfutter mixt, damit er es nicht merkt.

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Frau beisst in Burger Quelle: dpa

Oder sie gießen Weingummi in Fledermausform. Und der Wams der Fledermaus ist dann schwarz und schmeckt ein bisschen nach Lakritz, wenn man sich drauf konzentriert. Selbst die Lakritzschnecken und die Brezeln sind ja eher etwas für vorsichtige Einsteiger.

Irgendwie wissen die Deutschen nicht so recht, was sie mit Lakritz anfangen sollen. Denn: Wie kann etwas Bonbon sein, was herb und würzig schmeckt? Nein, nein.

Richtiges herbes und auch salziges Lakritz verkauft Haribo hingegen in Skandinavien. Dort, wo nicht nur der Winter rau ist, sondern auch der Geschmack. Wo saurer Hering in Konservendosen gärt und erst gegessen wird, wenn die Dose unter dem Druck der Gase fast explodiert. Die öffnet man dann am besten unter Wasser im Garten und muss beim Atmen doch würgen. Wer so aufwächst, der wird eben nicht so leicht zum Yoguretten-Lutscher.

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