Bauteile von Atomkraftwerken möglicherweise defekt: Skandal um gefälschte Unterlagen erschüttert Areva

Bauteile von Atomkraftwerken möglicherweise defekt: Skandal um gefälschte Unterlagen erschüttert Areva

, aktualisiert 04. Mai 2016, 10:35 Uhr
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Areva könnte fehlerhafte Teile für Kernkraftwerke verbaut haben.

Quelle:Handelsblatt Online

Betrug oder Schlamperei? Beim Atomanlagenbauer Areva sind hunderte Protokolle für Bauteile von Kernkraftwerken fehlerhaft. Noch ist unklar, ob die Sicherheit gefährdet ist – bei Rückrufen droht die komplette Stilllegung.

Frankreichs Atombranche wird von einem neuen Skandal erschüttert. Wie Areva, Minenbetreiber und Hersteller von Atomanlagen, selber mitteilte, finden sich in den Produktionsunterlagen gut 400 Dossiers, in denen geschlampt oder gefälscht wurde. Es geht nicht um leicht auszutauschende Ersatzteile. Betroffen sind vielmehr die Herstellungsprotokolle für große Bauteile von Atomreaktoren und anderen Kraftwerken.

Sie weisen Areva zufolge „Anomalien“ auf. „Es handelt sich um fehlende Informationen oder um Widersprüche bei den Angaben.“ sagte ein Unternehmenssprecherin. Man könne noch nicht sagen, ob die Sicherheit der Bauteile gefährdet sei. Teilweise seien sie schon nicht mehr in Funktion, andere würden noch nicht in der Produktion eingesetzt. Der größere Teil aber ist wohl im laufenden Betrieb.

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Areva kann oder will sich noch nicht dazu äußern, ob Betrug oder „nur“ Nachlässigkeit bei den unzutreffenden Dokumenten im Spiel ist. Ort des Geschehens ist das Schmiedewerk „Forges du Creusot“ bei Chalon-sur-Saône, das Areva 2006 erworben hat. Es hat eine sehr wechselhafte Geschichte hinter sich, die bis auf die Entstehung der Metallindustrie im Département Saône-et-Loire im 18. Jahrhundert zurückgeht.

Welche deutschen Atomkraftwerke demnächst vom Netz gehen

  • bis 12/2017

    Grundremmigen B (Bayern, RWE/E.On)

    Bruttoleistung: 1344 MWe
    Inbetriebnahme: 09.03.1984
    Erlöschen der Berechtigung zum Leistungsbetrieb gemäß Atomgesetz (AtG): 31.12.2017

    Quelle: Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (bmub)

  • bis 12/2019

    Philippsburg II (Baden-Württemberg, EnBW)

    Bruttoleistung: 1468 MWe
    Inbetriebnahme: 13.12.1984
    Erlöschen der Berechtigung zum Leistungsbetrieb gemäß Atomgesetz (AtG): 31.12.2019

  • bis 12/2021

    Grohnde II (Niedersachsen, EnBW)

    Bruttoleistung: 1430 MWe
    Inbetriebnahme: 01.09.1984
    Erlöschen der Berechtigung zum Leistungsbetrieb gemäß Atomgesetz (AtG): 31.12.2021

    Brokdorf (Schleswig-Holstein, E.On/Vattenfall)

    Bruttoleistung: 1480 MWe
    Inbetriebnahme: 08.10.1986
    Erlöschen der Berechtigung zum Leistungsbetrieb gemäß Atomgesetz (AtG): 31.12.2021

    Grundremmigen C (Bayern, RWE/E.On)

    Bruttoleistung: 1344 MWe
    Inbetriebnahme: 26.10.1984
    Erlöschen der Berechtigung zum Leistungsbetrieb gemäß Atomgesetz (AtG): 31.12.2021

  • bis 12/2022

    Isar II (Bayern, E.On/Stadtwerke München)

    Bruttoleistung: 1485 MWe
    Inbetriebnahme: 15.01.1988
    Erlöschen der Berechtigung zum Leistungsbetrieb gemäß Atomgesetz (AtG): 31.12.2022

    Emsland (Niedersachsen, RWE/E.On)

    Bruttoleistung: 1400 MWe
    Inbetriebnahme: 14.04.1988
    Erlöschen der Berechtigung zum Leistungsbetrieb gemäß Atomgesetz (AtG): 31.12.2022

    Neckarwestheim II (Baden-Württemberg, EnBW)

    Bruttoleistung: 1400 MWe
    Inbetriebnahme: 29.12.1988
    Erlöschen der Berechtigung zum Leistungsbetrieb gemäß Atomgesetz (AtG): 31.12.2022

Zeitweilig gehörte es einem Bruder von Vicendi-Chef Vincent Bolloré und Arcelor-Mittal. Später fiel es an Framatome, einer der Vorläufer von Areva. Dort werden die Einzelteile für die größten Aggregate von Kernkraftwerken wie Reaktordruckbehälter oder Primärkreislaufpumpen geschmiedet. Die Bauteile haben teilweise mehrere Meter Durchmesser und werden aus komplexen Stahllegierungen hergestellt. Jeder Industriefreund hat seine Freude an diesen eindrucksvollen Spitzenleistungen der Ingenieurkunst.

Doch heute wird die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Denn falls sich herausstellen sollte, dass mithilfe der „Anomalien“ in den Protokollen über Defekte hinweggetäuscht wurde, dann müssten wohl Teile zurückgerufen werden und Areva Schadensersatz leisten. Ein Rückruf ist bei Teilen dieser Größenordnung mit der Stilllegung des ganzen Kraftwerks verbunden. Der Umfang des möglichen Schadens lässt sich also noch nicht bemessen. Areva kann nach eigenen Angaben noch nicht sagen, wer die Endkunden waren.

Atom-Deal Preiswerte Erlösung von den Atom-Altlasten

Die Energiekonzerne sollten den Deal zur Atomentsorgung mittragen. Günstiger kommen sie aus der Atom-Nummer nicht mehr raus. Ein Bruch mit der Politik käme sie auf jeden Fall teurer.

Quelle: dpa

Im vergangenen Jahr hat Areva fast 100 Millionen Euro in dieses Werk investiert. Das geschah in der Erwartung, dass mit dem Neubau von zwei modernen Druckwasserreaktoren in Hinkley Point in Großbritannien sowie der Überholung aller 58 französischen Reaktoren eine Masse an Aufträgen ins Haus stehen würde.

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