Continental legt Bilanz vor: Der lange Weg zum Elektroauto

Continental legt Bilanz vor: Der lange Weg zum Elektroauto

, aktualisiert 02. März 2017, 18:50 Uhr
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Der Continental-Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart (rechts) und Finanzchef Wolfgang Schäfer stehen an einem Prototypen mit Autobahn-Fahrassistent. Das Auto kann auf Schnellstraßen eigenständig fahren.

von Stefan MenzelQuelle:Handelsblatt Online

Digitalisierung und Elektroantrieb werden sich zu wichtigen Wachstumsfeldern für die Autobranche entwickeln. Der Autozulieferer Continental arbeitet an seiner ganz eigenen Strategie für die neue Welt der Mobilität.

DüsseldorfDer Automobilzulieferer Continental arbeitet an einer Offensive in Sachen Digitalisierung und Elektroantrieb. Damit dürfte auch eine Umschichtung der Entwicklungsaktivitäten in Richtung der beiden Zukunftsthemen gehen. Details will der Konzern aus Hannover spätestens zu seiner Hauptversammlung Ende April präsentieren.

„Digitalisierung und Elektroantrieb sind attraktive Wachstumsbereiche“, sagte Continental-Finanzvorstand Wolfgang Schäfer am Donnerstag im Gespräch mit dem Handelsblatt. Aktuell befasse sich der Zulieferkonzern damit, wie weit die eigene Wertschöpfung auf den beiden Zukunftsfeldern gehen solle. Continental kauft schon heute bei anderen Vorlieferanten ein, könnte dieses Muster also auch auf Digitalisierung und Elektroantrieb übertragen.

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„Wollen wir alles selbst machen?“, das ist nach den Worten von Finanzvorstand Schäfer derzeit die aktuelle Frage für Continental bei den beiden Zukunftsthemen. Auch andere Unternehmen aus der Autobranche müssen sich entscheiden, was sie alles selbst produzieren wollen. So hat etwa Volkswagen bislang noch keine endgültige Antwort darauf gefunden, ob der Wolfsburger Autokonzern seine eigenen Batteriezellen für den Elektroantrieb produzieren wird.

Schäfer warnte zugleich vor allzu hohen Erwartungen beim Elektroantrieb. Zwar würden vom Jahr 2020 an verstärkt batteriebetriebene Fahrzeuge produziert. Doch das bedeute nicht automatisch sofort einen Durchbruch für die Elektroautos. Grund dafür seien viele ungeklärte Fragen wie etwa bei Infrastruktur und Ladetechnik. Alles werde sich wahrscheinlich nur langsam entwickeln. Eine nennenswerte Zahl von Elektroautos gebe es auf den Straßen wahrscheinlich erst von 2025 an.

Ein plötzlicher Anstieg der Zulassungszahlen für die Elektroautos sei nur dann zu erwarten, wenn es stärkere regulatorische Eingriffe des Staates etwa für Autos mit Verbrennungsmotoren gebe. Schäfer nannte als Beispiel Stuttgart, wo künftig Fahrverbote für ältere Dieselmodelle eingeführt werden sollen. Wenn noch andere Kommunen dem Stuttgarter Beispiel folgten, „würde das dem Elektroantrieb einen riesigen Schub verleihen“.

Der Continental-Finanzvorstand wies Spekulationen zurück, wonach das Unternehmen aus Hannover eine Aufspaltung in zwei Teile (Automotive, Reifen) planen könnte. „Unsere strategische Aufstellung ist genau richtig“, betonte Schäfer. Die Reifensparte hat sich für Continental extrem gut entwickelt. Dort erwirtschaftet das Unternehmen Erträge, mit denen es etwa den Entwicklungsaufwand im Automotive-Bereich für Digitalisierung und Elektroantrieb finanzieren kann. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres war Conti in der Reifensparte auf eine Rendite von 17,4 Prozent gekommen, im klassischen Zulieferbereich (Automotive) waren es nur 9,6 Prozent.


Auch Reifen werden intelligent

Auch bei den Reifen hält anspruchsvolle Technik ihren Einzug. An den Reifen können wertvolle Daten gesammelt werden, die wichtig für das Autonome Fahren sind. Bei Continental ersetzen schon heute „digitale Fasern“ in den Reifen klassische Sensoren. Damit können viel mehr Daten gesammelt werden als mit einem bislang üblichen Sensor.

Zu den Wachstumstreibern des Konzerns gehören Fahrassistenzsysteme. Das Auftragsvolumen für diese Systeme war 2016 auf gut drei Milliarden Euro angestiegen. Continental hat in den vergangenen fünf Jahren etwa eine Milliarde Euro allein in die Forschungsausgaben dieser Sparte gesteckt.

Der Konzern ist finanziell in guter Verfassung und beteiligt seine Aktionäre mit einer höheren Dividende. 4,25 Euro soll es pro Aktie geben, das ist die fünf Dividendenerhöhung in Folge (Vorjahr: 3,75 Euro). Das Umfeld werde zwar wirtschaftlich und politisch herausfordernder, der Start ins neue Jahr habe jedoch die selbst gesteckten Ziele für 2017 bestätigt, sagte Konzernchef Elmar Degenhart auf der Bilanzpressekonferenz. In diesem Jahr will Continental den Umsatz um sechs Prozent auf mehr als 43 Milliarden Euro steigern. Die bereinigte operative Rendite soll wieder über der Grenze von 10,5 Prozent liegen.

2016 hatten Kosten für Rückrufe, Kartellstrafen und ein höherer Aufwand für die Entwicklung den Betriebsgewinn schrumpfen lassen. Trotz der Belastungen von insgesamt fast einer halben Milliarde Euro sank das operative Ergebnis lediglich um ein halbes Prozent auf 4,1 Milliarden Euro.

Bei den ertragsstarken Reifen dürfte es für Continental in diesem Jahr schwieriger werden. Auslöser sind stark steigende Rohstoffkosten. Der Konzern aus Hannover beziffert die Zusatzbelastung jetzt auf 500 Millionen Euro für 2017, im ersten Ausblick für das neue Jahr lag die Schätzung noch bei 400 Millionen Euro. „Bei den Reifen dürften sich die Renditen noch länger nach unten bewegen“, warnte Autoexperte Chris McNally vom Investmentberater Evercore ISI in London.

Die Zahl der Mitarbeiter ist bei Continental im vergangenen Jahr um 12.000 Personen auf rund 220.000 Beschäftigte gestiegen. Traditionelles Ingenieurswissen wird verstärkt abgelöst durch Computerexperten: Etwa 14.000 der 31.000 Ingenieure im Konzern hätten schon heute einen Software-Hintergrund, sagte Konzernchef Degenhart. Dieser Anteil werde weiter zunehmen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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