Energiewende: Vattenfall warnt vor Kostenexplosion

19. Dezember 2012, aktualisiert 19. Dezember 2012, 16:32 Uhr
Den großen Versorgern machen bereits jetzt Überkapazitäten zu schaffen. Quelle: dpaBild vergrößern
Den großen Versorgern machen bereits jetzt Überkapazitäten zu schaffen. Quelle: dpa
von Reuters Quelle: Handelsblatt Online

Die Energiewende produziert unnötige Kosten in Milliardenhöhe – so zumindest sieht es Vattenfall. Der Stromerzeuger will zudem seine Schadenersatzklagen gegen den Atomausstieg vorantreiben.

BerlinDen Stromkunden in Deutschland drohen nach Einschätzung von Vattenfall im Zuge der Energiewende unnötige Kosten in Milliardenhöhe. Der von ihnen finanzierte Ausbau des Ökostroms führe dazu, dass überflüssige Anlagen gebaut würden, sagte der Deutschland-Chef des Konzerns, Tuomo Hatakka, in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

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Im Jahr 2020 würden in Deutschland wohl Erzeugungskapazitäten in einer Größenordnung von 220.000 Megawatt stehen. „Wir haben also 2020 Kapazitäten, die zweieinhalb Mal so hoch sind wie der Verbrauch.“ Mehr als 150.000 Megawatt seien nicht notwendig. Die unnötigen Investitionen in Anlagen mit 70.000 Megawatt würden nach seiner Schätzung rund 130/140 Milliarden Euro verschlingen. „Das kann sich Deutschland nicht leisten.“

Vattenfall ist hierzulande der drittgrößte Stromerzeuger nach RWE und E.ON. Den großen Versorgern machen bereits jetzt Überkapazitäten zu schaffen. Der Großhandelspreis für Strom liegt bei gut 45 Euro je Megawattstunde - der tiefste Preis seit März 2010. Hatakka räumte ein, dass der schwedische Konzern wegen der Großhandelspreise unter Druck stehe. Daran werde sich auch so schnell nichts ändern.

„Die Großhandelspreise werden die nächsten zwei, drei Jahre unter Druck bleiben.“ Davon haben die Haushaltskunden allerdings kaum etwas. Die Milliardenkosten für den Ökostromausbau machen den Endkundenpreis immer teurer.

Auch in einer am Mittwoch vorgestellten Bilanz der Bundesregierung zur Energiewende werden die steigenden Kosten für Industrie und Verbraucher als das Kernproblem bezeichnet. „Es ist wichtig, dass alle den Mut haben zu sagen, dass die Energiewende einen Preis hat“, stellte sich der 56-Jährige aber hinter das Generationenprojekt.


Erheblicher finanzieller Schaden

„Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, an der Akzeptanz zu arbeiten.“ Zugleich kritisierte der Finne, der seit rund zehn Jahren in verschiedenen Funktionen für Vattenfall tätig ist, Fehlentwicklungen. „Wir haben immer mehr Planwirtschaft und immer weniger Markt. Das beunruhigt mich, das ist nicht positiv. Die Gefahr besteht, dass dadurch die Wende zu teuer wird.“

Der Konzern ist insbesondere in Ostdeutschland breit aufgestellt. Schwerpunkt ist neben Berlin aber auch Hamburg. Vattenfall versorgt rund 2,8 Millionen Menschen in Deutschland mit Strom und erzielt 60 Prozent seines Umsatzes in der Bundesrepublik. Die Schweden wollen ihre Erzeugung aus Ökostrom wie Wind, Wasser und Sonne in den kommenden Jahren deutlich ausbauen.

Zugleich betreiben sie große Kohlekraftwerke, die wegen ihren Ausstoßes klimaschädlichen Kohlendioxids umstritten sind. „Braunkohle ist und bleibt auf absehbare Zeit in unserem Energiemix“, stellte Hatakka klar. Vattenfall will im Gesamtkonzern seinen C0-2-Ausstoß bis 2020 auf 65 Millionen Tonnen von 94 Millionen Tonnen 2010 reduzieren. Wie hoch die Reduzierung in Deutschland ausfallen könnte, ließ Hatakka offen.

Vorantreiben will der Konzern auf jeden Fall seine Schadenersatzklagen gegen den von der Bundesregierung beschlossenen Atomausstieg. „Wir erwarten eine faire Kompensation für den Schaden, der uns durch den beschleunigten Atomausstieg entstanden ist.“

Er wolle keine Summen nennen, aber der Konzern habe einen erheblichen finanziellen Schaden erlitten. „Wir hätten die Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht und dem Schiedsgericht in Washington nicht begonnen, wenn es sich nicht um einen beträchtlichen Schaden handeln würde.“ Bis zu einer Entscheidung dürften sicher drei, vier Jahre vergehen.

Vattenfall ist an den Atomkraftwerken in Brunsbüttel und Krümmel beteiligt, die im Zuge der Atomwende stillgelegt worden sind. E.ON und RWE wollen ebenfalls mit Hilfe einer Verfassungsbeschwerde vom Steuerzahler für den beschleunigten Atomausstieg entschädigt werden.

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