Heidelcement: Kies in der Kasse, Würstchen auf dem Teller

Heidelcement: Kies in der Kasse, Würstchen auf dem Teller

, aktualisiert 04. Mai 2016, 15:33 Uhr
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Der Baustoffkonzern erhöht seine Gewinnziele, denn es läuft besser als erwartet.

von Martin-W. BuchenauQuelle:Handelsblatt Online

Auf der Hauptversammlung erleben die Aktionäre von Heidelcement einen Vorstandsvorsitzenden in Siegerlaune. Bernd Scheifele ist überzeugt, alles richtig gemacht zu haben. Doch am Ende muss er doch Kritik einstecken.

HeidelbergIm altehrwürdigen Heidelberger Kongresszentrum ist Vorstandschef Bernd Scheifele in seinem Element – der Offensive. Der Heidelberg-Cement-Chef wirft Charts an die Wand, sie zeigen den eigenen Aktienkurs und die Bewertung seiner Konkurrenten. „Sie sehen, bei uns lagen sie richtig“, ruft Scheifele den Aktionären entgegen. Das Chart reicht fünf Jahre zurück und unter dem Strich steht beim größten deutschen Baustoffkonzern eine Steigerung um 113 Prozent, deutlich mehr als der Dax mit einem Plus von 84 Prozent. Dagegen verlor der schweizerisch-französische Branchenriese Lafarge Holcim trotz Elefantenhochzeit 22 Prozent an Wert und Konkurrent Cemex sogar 24 Prozent. Ludwig Merckle, Aufsichtsrat und mit 27 Prozent Hauptaktionär des Unternehmens in der letzten Reihe des Podiums, schaut bei diesen Worten entspannt.

Auch die Kleinaktionäre im Plenum danken mit einem milden Lächeln. Bei der Stange muss Scheifele seine Aktionäre ohnehin kaum halten. Die Hauptversammlung der Nordbadener ist eher eine friedliche Betriebsfeier mit ehemaligen Mitarbeitern, die das Unternehmen bestens kennen und selbst treu dabei blieben, als sich das Unternehmen in der Finanzkrise mit der kreditfinanzierten Übernahme des Konkurrenten Hanson übernommen hatte.

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Mit eisernem Sparkurs hat Scheifele Heidelcement zurück in die Erfolgsspur geführt und die Nettoschulden wieder unter sechs Milliarden gedrückt. Längst hat Scheifele wieder auf Angriff geschaltet und den italienischen Konkurrenten Italcementi mit einem Unternehmenswert von 6,7 Milliarden Euro übernommen. Die fehlenden kartellrechtlichen Genehmigungen vorausgesetzt, wird der italienische Familienkonzern ab Juli in der Bilanz konsolidiert.

Auch die Italiener will Scheifele in sein Kostenkorsett zwingen. 400 Stellen werden in Italien abgebaut. Der Vorstands-Chef rechnet mit Synergien von 400 Millionen Euro und gehört zu den Managern, die solche Ziele in der Vergangenheit auch erreicht haben. „Unsere Branche leidet unter dem Aldi-Problem“, sagt Scheifele. „Wir haben permanenten Preisdruck, und wer seine Kosten nicht im Griff hat, bekommt früher oder später riesige Probleme.“

Danach sieht es bei den Nordbadenern derzeit nicht aus. Wegen besserer Geschäfte vor allem in den USA und Großbritannien hat Scheifele die Gewinnziele für das laufende Jahr erhöht. Aber auch in Deutschland und Nordeuropa lief es für das Dax-Unternehmen gut. Zudem endete die Flaute in Asien, so konnten die Kurpfälzer auf ihrem wichtigen Markt Indonesien mehr Zement, Sand oder Kies losschlagen. Außerdem kam Rückenwind durch die niedrigen Energiepreise und den Sparkurs.

Im ersten Quartal stieg der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 7 Prozent auf 321 Millionen Euro. Damit schnitt HeidelbergCement besser ab, als Experten erwartet hatten. Der Umsatz verharrte mit gut 2,8 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Unter dem Strich blieb ein für die Aktionäre anrechenbarer Verlust von 72 Millionen Euro. Das waren 51 Millionen Euro weniger als ein Jahr zuvor.

Das erste Quartal ist bei Baustoffkonzernen traditionell das schwächste Jahresviertel. „Das erste Quartal 2016 war operativ das beste seit der Finanzkrise und hat damit den positiven Trend des Vorjahres fortgesetzt“, erklärte Vorstandschef Bernd Scheifele. Dementsprechend habe das Unternehmen die Ergebnisprognose für das laufende Jahr von einem moderaten auf einen moderaten bis deutlichen Anstieg angehoben. Heidelcement stellt damit nun einen Zuwachs um einen hohen einstelligen bis zweistelligen Prozentsatz in Aussicht. Der Umsatz soll weiterhin mäßig zulegen.


Ehrgeizige Umsatzziele bis 2020

Bis 2019 will Deutschlands größter Baustoffkonzern den Umsatz von 13,5 auf 20 Milliarden Euro bis 2019 erhöhen. Die Nordbadener sehen sich als Weltmarktführer bei Zuschlagstoffen wie Sand und Kies, Nummer zwei bei Zement (hinter LafargeHolcim) und als Nummer drei bei Transportbeton. Mit den Italienern zusammen hätte Heidelcement im vergangenen Jahr bereits einen Umsatz von 17 Milliarden Euro erzielt, ein Drittel mehr als ohne sie. Kleinaktionäre lobten die kräftige Erhöhung der Dividende um 73 Prozent auf 1,30 Euro. Scheifele hatte angekündigt, man wolle künftig nicht mehr so viel für die Gläubiger arbeiten, „sondern wieder mehr für die Aktionäre“.

Von einem Aktien-Rückkaufsprogramm halten die Kleinaktionäre allerdings wenig: „Das ist nur die drittbeste Lösung. Wenn schon Geld rumliegt, sollte die Ausschüttung an die Aktionäre Vorrang haben“, sagte Aktionärsschützer Daniel Jenderek von der DSW. Kritik musste Scheifele dafür einstecken, dass Heidelcement keine Frau im Vorstand hat und nur zwei Frauen im Aufsichtsrat. „Berufliche Erfahrung und technische Expertise standen bei der Suche im Vordergrund, da haben wir keine Frau gefunden“, sagte Scheifele nüchtern.

„Das erstaunt mich wirklich, dass es weltweit keine qualifizierte Frau geben soll, die in den Vorstand von Heidelberg Cement passt“, sagte Kleinaktionärin Ingrid Class vom Deutschen Juristinnenbund. Aufsichtsratschef Fritz-Jürgen Heckmann betonte, dass es zwischenzeitlich keinen Berufungstermin für Positionen im Aufsichtsrat gegeben habe. Auch bei der Besetzung des Vorstandes könnte das Unternehmen nicht versprechen, dass beim nächsten Mal eine Frau zum Zuge komme. „Wir versprechen generell nichts, was wir nicht auch halten können“, sagte Heckmann. Aber in der zweiten Führungsebene sei bei sieben Beförderungen immerhin eine Frau dabei gewesen, ergänzte Scheifele später. Generell sei die Branche beim Nachwuchs nicht so beliebt wie andere. „Cement ist nicht so sexy wie das Silcon Valley“, sagte Scheifele.

Manfred Budzinski von den „Kritischen Aktionären“ bemängelte, dass Heidelberg Cement immer noch über eine Tochter im von Israel besetzten Westjordanland aktiv sei und damit anhaltend gegen das Völkerrecht verstoße. Skandinavische Pensionsfonds hätten deshalb Heidelcement-Papiere von ihrer Fondsliste gestrichen. Scheifel sagte, dass sich das Unternehmen im Westjordanland bei dem Streit um Abbaulizenzen um eine Ersatzlösung bemühe.

Handgreifliche Auseinandersetzungen unter Aktionären um die obligatorischen Würstchen -wie bei der Daimler in Berlin im April passiert - sind bei Heidelcement eher unwahrscheinlich. Die Badener haben schon seit drei Jahren ein ausgeklügeltes Gutscheinsystem. Als Naturaldividende steht jedem Anteilseigner ein Frühstück, ein Tellergericht und ein Dessert zu. Und das Paar Würstchen mit Kartoffelsalat gibt es erst ab 11.30 Uhr, wenn der Vorstandschef mit seiner Rede fertig ist.

Eine Konzession machten die Badener an den Eklat von Berlin. Erstmals gab es beim Baustoffkonzern keinen Alkohol mehr. Und noch nie war das Paar Würstchen so groß wie in diesem Jahr. Mit über 40 Zentimetern ragten sie weit über die Aktionärsteller hinaus. Das hat zwei entscheidende Vorteile: Auch der hungrige Aktionär wird von einem Paar mehr als satt, und allzu leicht sind die badischen Riesenwürste auch nicht in die Tasche zu stecken.
So einfach geht das.

Quelle:  Handelsblatt Online
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