Nordex-Chef in der Kritik: Desaster, Pannen und viele offene Fragen

Nordex-Chef in der Kritik: Desaster, Pannen und viele offene Fragen

, aktualisiert 01. März 2017, 11:25 Uhr
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Das Unternehmen dürfte 2018 wohl maximal 3,6 Milliarden Euro erwirtschaften.

von Franz HubikQuelle:Handelsblatt Online

Erst die drastische Gewinnwarnung, dann der Kurssturz: Analysten üben heftige Kritik am Windradbauer Nordex. Vorstandschef Krogsgaard steht unter Druck. Die neuen Geschäftszahlen dürften ihm kaum Luft verschaffen.

BerlinEs wirkte, als könnte in Hamburg eine neue Liebesbeziehung entstehen. Kaum hatte Lars Bondo Krogsgaard im Sommer 2015 den Vorstandsvorsitz beim Windanlagenhersteller Nordex übernommen, machte er sich daran, die anfängliche Skepsis gegen seine Person zu zerstreuen. Mit Erfolg. Der gebürtige Däne mit der schmalen Brille überzeugte am Kapitalmarkt mit akzentfreiem Deutsch und stetig emporwachsenden Gewinnen. Als Krogsgaard dann auch noch die Übernahme der Windsparte des spanischen Mischkonzerns Acciona ankündigte, überschlugen sich die Analysten endgültig in ihren Lobeshymen.

„Smarter Move“, „exzellenter Schachzug“ oder „perfekte Ergänzung“, kommentierten die Finanzmarktbeobachter damals die Fusionspläne. Der Aktienkurs von Nordex schoss in die Höhe – von anfänglich 15 Euro auf mehr 32 Euro zum Jahresende 2015. Doch nachdem der Deal mit Acciona für 785 Millionen Euro im vergangenen Frühjahr vollzogen war, drehte sich der Wind. Jetzt herrscht bei den Analysten blankes Entsetzen. Statt Lob hagelt es Kritik. Die Aktie dümpelt unter 15 Euro.

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Der Grund: Zuerst kassierte Krogsgaard die Prognose für das Geschäftsjahr 2016, dann wurde der angepeilte Auftragseingang verfehlt. Und in der vergangenen Woche schockte der Nordex-Chef seine Aktionäre auch noch mit einer drastischen Umsatz- und Gewinnwarnung für die kommenden beiden Jahre. Statt bis zu 4,6 Milliarden Euro dürfte das Unternehmen, das Windturbinen und Rotorblätter fertigt, 2018 wohl maximal 3,6 Milliarden Euro erwirtschaften. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte zudem um 160 Millionen Euro geringer ausfallen als ursprünglich geplant.

„Das ist ein kommunikatives Desaster“, sagte Sven Diermeier dem Handelsblatt. Der Analyst von Independent Research sieht das Vertrauen in das Management als „schwer beschädigt“ an. Arash Roshan Zamir von Warburg Research erklärte, der Eindruck einer „Pannenserie“ lasse sich nicht vollständig ausräumen. Und Holger Fechner von der Nord LB fürchtet sogar, „dass da vielleicht noch mehr kommt“. Die Analysten senkten jedenfalls ihre Daumen. In der Folge sackte die Aktie von Nordex binnen einer Woche um teils gut 30 Prozent ab.

Krogsgaard müht sich nun, die Investoren zu besänftigen. Der erste Schritt dabei: Der Nordex-Chef präsentierte am Mittwoch etwas bessere Geschäftszahlen für das Jahr 2016 als erwartet. Konkret stieg der Umsatz des im TecDax notierten Unternehmens nach vorläufigen Zahlen auf rund 3,4 Milliarden Euro an. Das ist ein Plus von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Gewinn schoss um mehr als 82 Prozent in die Höhe – auf 95,4 Millionen Euro.

Arash Roshan Zamir findet die Cash-Generierung erfreulich. „Das Unternehmen ist von einer Nettoverschuldung in Höhe von 200 Millionen Euro Ende September auf eine Netto-Liquidität von 6 Millionen Euro umgeschwungen“, erklärt der Analyst. Vollends beruhigen konnte Nordex-Chef Krogsgaard die hitzige Lage am Kapitalmarkt mit den neuen Geschäftszahlen aber dennoch nicht.

Der 51-Jährige will sich in dieser Woche in Frankfurt und am Donnerstag in London persönlich der Kritik der Analysten und Investoren stellen. In einer morgendlichen Telefonkonferenz rechtfertigte Krogsgaard am Mittwoch die revidierte Geschäftsprognose für 2017 und 2018. Es sei notwendig gewesen, die mittelfristigen Ziele neu „zu justieren“, da sich „externe Faktoren“ geändert hätten, sagte Krogsgaard. 2017 erwartet er einen Umsatzrückgang auf 3,1 bis 3,3 Milliarden Euro.

Der Grund: In Brasilien, einem wichtigen Markt für Nordex, wurden die geplanten Ausschreibungen für neue Windenergieanlagen Ende 2016 abgesagt. „Das war eine politische getriebene Entscheidung“, erklärte Krogsgaard. Zudem würden sich Projekte in Sudafrika verzögern und der Preisdruck sei für Windkraftprojekte insbesondere für das Jahr 2018 „signifikant höher als wir es erwartet haben“, sagte Krogsgaard.


„Das Management steht unter Druck“

Sebastian Growe findet es allerdings unerklärlich, warum Krogsgaard noch fünf Monate vor der jüngsten Umsatz- und Gewinnwarnung die Mittelfristziele bei einem Kapitalmarkttag nicht gleich gesenkt hat, sondern stattdessen sogar um sieben Prozent angehoben hatte. „Nachdem Nordex rund eine Milliarde Euro an Börsenwert seit dem letzten Kapitalmarkttag im Herbst 2016 vernichtet hat, können weder personelle Konsequenzen noch der Einstieg eines aktivistischen Investors ausgeschlossen werden. Ferner ist eine Übernahme durch einen strategischen Käufer wie zum Beispiel GE nun wahrscheinlicher geworden“, sagte der Commerzbank-Analyst dem Handelsblatt.

„Die Argumentation und der Zeitpunkt für die Anpassungen waren nur bedingt überzeugend“, findet auch Holger Fechner von der Nord LB. Die offene Frage sei für ihn nun, ob sich die Probleme bei Nordex noch weiter verschärfen könnten. „Das Management steht unter Druck“, erklärte Fechner.

Die Verantwortung für die Fehleinschätzung des Marktes „liegt bei mir“, gab sich Krogsgaard am Mittwoch selbstkritisch. In Finanzkreisen hieß es, man wolle dem Nordex-Chef die Chance geben, die Fehler zu erklären. Wichtig sei vielen Investoren dabei, dass der Manager nun transparent agiere und offen darlege, was genau schiefgelaufen sei. Im Aufsichtsrat genießt Krogsgaard offenbar weiterhin das Vertrauen der sechs Kontrolleure unter der Leitung des ehemaligen Infineon-Chefs Wolfgang Ziebart.

Krogsgaard will Nordex nun profitabler ausrichten und die Debatte um seine Person so beenden. Konkret will der Däne den Fokus verstärkt auf jene Aktivitäten legen, „die überdurchschnittliche Margen möglich machen“. Insbesondere das Servicegeschäft verspreche satte Erträge, aber auch das Planen und Bauen von eigenen Windparks, also das Projektgeschäft.

Zudem stellt Krogsgaard die eigenen Strukturkosten auf den Prüfstand. Entlassungen schließt er dabei explizit nicht aus. „Wir können derzeit nichts genaues zum Programm sagen, aber natürlich wäre Stellenabbau auch eine Überlegung“, sagte Krogsgaard. Parallel will er in Forschung und Entwicklung investieren. „Wir werden unsere produktorientierten Investitionen um gut 30 Millionen erhöhen“, sagte der Manager. Die Windanlagen, die Nordex 2019 auf den Markt bringen will, „sollen wirklich top wettbewerbsfähig sein“, erklärte Krogsgaard.

Bis dahin dürften die Hamburger aber bei der Marge dem dänischen Weltmarktführer Vestas weiter deutlich hinterherhinken. Zum Vergleich: Vestas erzielte 2016 eine Ebitda-Marge von fast 18 Prozent. Nordex kam hingegen nur auf eine Gewinnspanne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 8,4 Prozent. Nur wenn es Krogsgaard gelingt, diese Lücke in den nächsten Jahren zu verkleinern, dürfte er das verloren gegangene Vertrauen am Kapitalmarkt wieder zurückgewinnen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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