Ölpreis und Industriemetalle: Unternehmen unterschätzen das Preisrisiko

Ölpreis und Industriemetalle: Unternehmen unterschätzen das Preisrisiko

, aktualisiert 03. Oktober 2016, 15:15 Uhr
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Die Opec hat beschlossen, die Förderung zu drosseln. Experten erwarten dadurch steigende Preise.

von Regine PalmQuelle:Handelsblatt Online

Der Ölpreis ist wieder auf dem Weg nach oben. Unternehmen könnten sich gegen das Risiko absichern. Viele zögern aber noch. Dabei sparen sie mit dem richtigen Management Kosten und sichern ihre Produktion.

DüsseldorfObwohl Russland noch zögert, sich den Begrenzungsplänen der Opec anzuschließen: Die Fördermenge für Erdöl wird in den kommenden Monaten zurückgehen – der Preis tendenziell weiter steigen. Gerade für produzierende Unternehmen bedeutet das zunehmend ein Risiko. Ihre Kosten für den Wareneinkauf steigen, und es ist ungewiss, ob sie die Preissteigerungen an ihre Kunden weitergeben können. Viele Unternehmen haben einer Studie zufolge das Risiko erkannt, dennoch reagieren sie noch nicht.

Schon jetzt müssen Konzerne für Rohstoffe wieder tiefer in die Tasche greifen als noch vor einem Jahr. Die Notierungen wichtiger Industriemetalle und auch der Ölpreis haben sich gleich zu Jahresbeginn von ihren Tiefständen gelöst und sind deutlich gestiegen. Experten riefen bereits die Trendwende an den Rohstoffmärkten aus. Die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf vermochte angesichts zum Teil heftiger Preisschwankungen aber zunächst nicht zu überzeugen. Viele Unternehmen verzichten daher weiter darauf, sich die niedrigen Grundstoffpreise zu sichern.

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„Eine Trendwende ist noch nicht erfolgt“, sagt Daniel Rauch, Fondsmanager der LBBW Asset Management Investment GmbH, „allerdings hat sich zu Jahresbeginn ein tragfähiger Boden gebildet.“ Für weitere Preissteigerungen an den Rohstoffmärkten müsste nun erst einmal die Nachfrage anspringen, das sei aber noch nicht passiert. „Der Preisanstieg beruht vor allem auf einer Verknappung des Angebots“, erklärt der LBBW-Experte. Für Unternehmen, die Rohstoffe brauchen, ist das eine gute Nachricht. „Sie können sich die niedrigen Preise noch sichern“, sagt er.

Gerade bei der Absicherung hakt es bislang noch bei vielen Unternehmen. Besonders deutlich wird das bei Rohöl. Nach einer Umfrage der Kölner Einkaufsberatung Inverto zusammen mit dem Handelsblatt hat jeder dritte Befragte die aktuell niedrigen Rohölpreise nicht genutzt. Das ist umso erstaunlicher, da die Mehrheit der Firmen – insgesamt 62 Prozent – erwartet, dass der Rohölpreis steigen wird. Insgesamt haben sich an der Studie 91 Unternehmen aus verschiedenen Branchen beteiligt.

Die Bedeutung der Ölpreise zeigt sich etwa im Kraftstoffverbrauch, der rund 20 Prozent der Kosten bei Frachtgut, das über die Straße transportiert wird, ausmacht. Allein von Mai 2015 bis Januar 2016 sind die Diesel-Preise um rund ein Fünftel gefallen. Das sind Entwicklungen, die Unternehmer nicht vorhersehen, aber abfedern können, beispielsweise durch eine „Dieselfloater“-Regelung. Damit werden nach zuvor vereinbarten Regeln steigende und fallende Dieselpreise bei den Abrechnungen mit Auf- oder Abschlägen berücksichtigt.

„Hätte eine Firma mit einem Logistikaufkommen von zehn Millionen Euro im Jahr und einem Dieseleinkaufsvolumen von rund zwei Millionen Euro seine Frachtraten von Mai 2015 bis April 2016 nicht angepasst, hätte es mehr als 220.000 Euro mögliche Einsparungen versäumt“, rechnet Lars-Peter Häfele, Rohstoffexperte bei Inverto, vor.


„Die Phantasie im Markt treibt die Preise hoch“

Die gute Nachricht dabei: Die Rohölpreise haben sich zwar von ihren Tiefständen von unter 30 Dollar je Barrel (159 Liter) gelöst, notieren aber immer noch weit unter ihren Höchstständen. Nach Einschätzung des LBBW-Experten Rauch ist das Potenzial bei Rohöl im laufenden Jahr zudem begrenzt: „Die Phantasie im Markt treibt die Preise hoch, die fundamentale Seite hat sich aber noch nicht geändert.“

Auch wenn der große Umschwung an den Rohstoffmärkten bisher bei Rohöl wie bei den Industriemetallen ausgeblieben ist, so zeichnen sich doch weitere Preissteigerungen ab. „Wir bewegen uns auf ein knapperes Angebot zu“, sagt Rauch. Zudem setzten Anleger verstärkt auf das Segment, in dem sie zuletzt zu wenig investiert hatten. „Die Wahrnehmung von Rohstoffanlagen hat sich in diesem Jahr geändert“, sagt der Experte. Spekulative Anleger haben in der Vergangenheit oft zu Übertreibungen an Märkten beigetragen.

Mit den moderaten Preisen fürchten der Umfrage zufolge auch kaum Unternehmen Versorgungsengpässe an Rohstoffen. Damit hat sich der Trend der beiden Vorjahre fortgesetzt. Sorgen bereitet immer mehr Firmen dagegen die Entwicklung des Euros. Immerhin 28 Prozent der Befragten rechnen mit einem moderaten Kursanstieg. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Das mag dazu beitragen, dass immer mehr der Unternehmen Verträge in Euro bevorzugen (62 Prozent) und eine Beschaffung innerhalb der Eurozone forcieren.

Eine maßgebliche Rolle beim Rohstoffkostenmanagement spielt die Wahl des Kaufzeitpunkts. Immerhin die Hälfte der Studienteilnehmer vermuten hier hohe Einsparpotenziale durch die Optimierung des Zeitpunkts. Das gilt auch für Unternehmen, die Agrarrohstoffe benötigen.

„Insbesondere bei nur eingeschränkt am Markt verfügbaren Rohstoffen in Bio-Qualität ist es von uns von zentraler Bedeutung, die richtigen Kaufzeitpunkte zu bestimmen, um die Versorgungssicherheit für unsere stetig wachsende Produktion sicherzustellen sowie die bestmöglichen Marktpreise zu erzielen“, sagt Philipp Kraiss, Geschäftsführer der My Muesli GmbH. Selbst bei „normalen“ Ernten könnten durch die Auswahl des richtigen Zeitpunkts zum Abschluss eines Kontrakts deutlich verbesserte Preisniveaus erreicht werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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