Thyssen-Krupp: Union Investment fordert Schärfung der Strategie

Thyssen-Krupp: Union Investment fordert Schärfung der Strategie

, aktualisiert 06. Dezember 2017, 14:42 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, hofft darauf, dass Thyssen-Krupp sein Stahlgeschäft in ein Joint Venture auslagert. In einem Interview bemängelt er eine teils schwache Profitabilität der Technologiesparte.

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Aktionäre fordern vom Thyssen-Krupp-Chef, die mit Tata fusionierte Stahlsparte in ein Joint Venture auszulagern.

DüsseldorfDie Fondsgesellschaft Union Investment hat von der Thyssen-Krupp-Führung mehr Klarheit über die künftige Strategie verlangt. „Thyssen-Krupp sollte das Thema Stahl gut und rasch über die Bühne bringen, um sich den weiter bestehenden Problemen zu widmen”, sagte Portfolio-Manager Ingo Speich in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Das Management-Team habe sehr viel Zeit auf die Stahlfrage verwendet. „Die anderen Sparten waren vermutlich nicht so im Fokus und das rächt sich jetzt. Die Profitabilität der einzelnen Geschäfte zeigt, dass da noch viel Verbesserungspotenzial ist.” Union hält rund 0,3 Prozent an dem Mischkonzern und gehört damit zu den Top-20-Investoren.

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„Wir hoffen, dass das vorangeht, wenn das Stahl-Joint-Venture über die Bühne ist”, sagte Speich, der regelmäßig auch auf den Hauptversammlungen des Konzerns das Wort ergreift. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will die konjunkturanfällige Stahlsparte in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Tata Steel auslagern.

Er trifft dabei aber auf den Widerstand der Arbeitnehmervertreter und der IG Metall, die sich um die 27.000 Arbeitsplätze und die Standorte sorgen. „Das Joint Venture kann noch scheitern. Die Unsicherheit ist sehr groß", sagte Speich. Die Investoren würden unruhiger. „Wenn es scheitern würde, wäre ein weiterer Schritt in Richtung Technologiekonzern versperrt.”

Hiesinger will den Mischkonzern auf die Geschäfte mit Aufzügen, Anlagen, Autoteilen und U-Booten ausrichten. Nach dem geplanten Laufpass für das Stahlgeschäft müsse er aber deutlicher machen, was künftig die Marschrichtung sei, betonte Speich. Das Geschäft müsse profitabler werden. Dies hatte zuletzt auch der Finanzinvestor Cevian gefordert, der nach der Krupp-Stiftung zweitgrößte Aktionär des Konzern ist.

In den einzelnen Sparten gibt es Licht und Schatten. Während im Aufzugsgeschäft eine operative Umsatzrendite (bereinigte Ebit-Marge) von zwölf Prozent erzielt wird, kommt das Geschäft mit Autoteilen nur auf fünf Prozent. Der schwächelnde Anlagenbau erreicht zwei Prozent, das Werkstoffgeschäft steht kaum besser da. Zwar hat Hiesinger den Sparten Zielvorgaben gemacht. Er traut sich aber nicht zu sagen, wann diese erreicht werden.

„Es wäre gut, wenn Thyssen-Krupp sich wieder klare Ziele für die Profitabilität setzen würde - das können auch Korridore sein”, sagte Speich. Es sei unklar, wohin die Reise gehe. „Kann man etwa im Aufzugsgeschäft die Profitabilitätsziele durch Akquisitionen schneller erreichen?”

Die Rendite im Autozuliefergeschäft sei schwach, obwohl der Konzern in diesen Bereich viel investiert habe. „Will man das Geschäft durch Zukäufe stärken oder die Braut hübsch machen und verkaufen?”

Im Bereich Industrial Solutions mit dem Anlagenbau müssten die Restrukturierungen womöglich noch stärker in Angriff genommen werden. Die Zukunft des Werkstoffgeschäfts von Materials Services sei unklar. Es gebe insgesamt noch viele Ungereimtheiten. „Es müssen konkret weitere Schritte kommen und die sehen wir aktuell noch nicht.”

Quelle:  Handelsblatt Online
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