Deutsche Telekom: Was der Telekom zu schaffen macht

AnalyseDeutsche Telekom: Was der Telekom zu schaffen macht

von Jürgen Berke

Einige Geschäfte in Zukunftsmärkten kommen nicht so in Schwung, wie sich Telekom-Chef Tim Höttges das vorgestellt hat. Sorgenkinder sind etwa die Großkundensparte und das TV-Produkt Entertain.

Timotheus Höttges ist ein Telekom-Chef, der allergrößten Wert darauf legt, dass die Finanzziele eingehalten werden. Auch bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag lautet die Botschaft, dass die Deutsche Telekom auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2016 zurückblickt. "Wir hatten ein Superjahr", jubelt Höttges. "Nennen Sie mir einen Konkurrenten, der bessere Zahlen vorlegen kann".

Tatsächlich stieg der Umsatz um 5,6 Prozent auf 73,1 Milliarden Euro, der operative Gewinn um 7,6 Prozent auf 21,4  Milliarden Euro und der Free Cash Flow sogar um 8,6 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. So weit, so gut - könnte man meinen. Aber ist jenseits von T-Mobile US, die derzeit alle Pläne übertrumpft, wirklich alles in Butter beim Magenta-Riesen?

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Schaut man sich die auf dem Kapitalmarkttag 2015 ausgerufene Mittelfristplanung an, werfen einige Marktsegmente durchaus Schatten auf die Bilanz. Denn an manchen Stellen fällt die Halbzeit-Bilanz des damals bis 2018 vorgelegten Vier-Jahres-Planes gar nicht gut aus.

Das Zehn-Punkte-Programm der Telekom zur Cyber-Sicherheit

  • Punkt 1

    Die Erkenntnisse, die Edward Snowden zur Verfügung gestellt hat, müssen vollständig offengelegt und zugänglich gemacht werden. Nur so können mögliche Schwachstellen im Netz identifiziert und unverzüglich geschlossen werden.

  • Punkt 2

    Innerhalb der EU sollten die Mitgliedsländer auf gegenseitiges Ausspionieren des Telekommunikations- und Internetverkehrs verzichten. Auch mit den USA sollte weiterhin ein Abkommen über einen Spionage-Verzicht angestrebt werden.

  • Punkt 3

    Sicherheitsbehörden sollten transparent machen, welche Informationen sie über Telekommunikations- und Internetnutzer abfragen. Dazu gehören Anzahl und Art der erfolgten Anfragen und Auskünfte sowie der überwachten Anschlüsse.

  • Punkt 4

    Unternehmen müssen Transparenz über Sicherheitsstandards und erfolgte Angriffe schaffen. Nur durch gegenseitige Ergänzung wird ein möglichst umfassender Schutz vor Cyberangriffen erreicht. Die Telekom hat ihre technischen Sicherheitsstandards unter www.telekom.com/sicherheit veröffentlicht und macht Cyberangriffe unter www.sicherheitstacho.eu transparent.

  • Punkt 5

    Forschung und Bildung zu Cybersicherheitsthemen müssen verstärkt werden. Die Telekom richtet einen Lehrstuhl für Datenschutz und Datensicherheit an der Hochschule für Telekommunikation in Leipzig ein. Mit der Plattform Teachtoday.de stellt die Telekom zudem Unterrichtsmaterialien für Schulen zum Themenkomplex Sicherheit und Datenschutz bereit.

  • Punkt 6

    Analytik und Forensik zur Netzsicherheit müssen verstärkt werden. Dafür sollten die Cyber Emergency Response Teams (CERT) in den Unternehmen ausgebaut und enger verzahnt werden. Neben der Verstärkung ihres Teams fördert die Telekom die Ausbildung von Spezialisten: Gemeinsam mit der IHK Köln wurde 2014 ein neues Qualifikationsprogramm „Cyber Security Professional“ geschaffen. Die Telekom wird in den nächsten Jahren mehrere hundert Mitarbeiter zu IT-Sicherheitsexperten weiterqualifizieren.

  • Punkt 7

    Perspektivisch sollten die Inhalte auf dem Übertragungsweg Ende zu Ende verschlüsselt werden. Hier sind Hersteller, Netzbetreiber und Diensteanbieter gleichermaßen gefordert, einfache Lösungen für Kunden zu entwickeln. Die Telekom setzt sich bei den Standardisierungsgremien für einheitliche Verschlüsselungstechniken ein.

  • Punkt 8

    Netzbetreiber dürfen sich nicht von einzelnen Herstellern kritischer Infrastrukturkomponenten abhängig machen. Die Telekom führt für diese Elemente eine so genannte georedundante Dual-Vendor-Strategie ein. Bei kritischen Komponenten setzt die Telekom Produkte von mindestens zwei Herstellern aus unterschiedlichen geographischen Regionen ein.

  • Punkt 9

    Hersteller von Hard- und Software müssen genauso wie Netz- und Diensteanbieter bekannte Schwachstellen unverzüglich beseitigen. Die Telekom wird ihre Zulieferer dazu verpflichten. Bei besonders kritischen Komponenten sollte die Sicherheit der Produkte durch eine unabhängige Prüfstelle nachgewiesen werden. Das IT-Sicherheitsgesetz sowie die entsprechende Richtlinie der EU sollten das aufgreifen.

  • Punkt 10

    Daten dürfen beim Transport durch das Internet keine Umwege durch andere Rechtsräume nehmen. Im Telekom-Netz ist das Internet der kurzen Wege bereits realisiert. Diesen Ansatz will die Telekom mit einer Selbstverpflichtung aller Internetprovider weiter vorantreiben. Damit würde ein unberechtigter Zugriff auf die in Europa transportierten Daten von außerhalb deutlich erschwert.

Ein Beispiel ist die Großkundensparte T-Systems. Die für die Geschäfte mit externen Großkunden verantwortliche "Market Unit" sollte jedes Jahr bis einschließlich 2018 um durchschnittlich drei Prozent beim Umsatz zulegen. Rein rechnerisch müsste sie dann 7,8 Milliarden Euro einspielen.

Doch von diesem Ziel ist das Großkundengeschäft weiter entfernt denn je. Im vergangenen Jahr sackte der Umsatz sogar um knapp drei Prozent auf rund 6,5 Milliarden Euro ab. Der Grund: Vor allem das Neukundengeschäft in Zukunftsmärkten wie dem Cloud-Computing und dem Internet der Dinge kam im zweiten Halbjahr nach verspäteten Produkteinführungen nicht so in Schwung, wie sich T-Systems-Chef Reinhard Clemens das vorgestellt hat.

Deutsche Telekom Milliardenabschreibung sorgt für Gewinneinbruch

Ein deutlicher Wertverlust beim britischen Rivalen BT sorgt für einen Gewinneinbruch bei der Deutschen Telekom. Der Überschuss sank im vergangenen Jahr um 18 Prozent.

Das Logo der Deutschen Telekom in Bonn vor der Zentrale des Unternehmens. Quelle: dpa

Viel Licht, aber auch Schatten liefert die Telekom zudem auf dem Heimatmarkt Deutschland ab. Deutschland-Chef Niek Jan van Damme meldet weiterhin Wachstum bei Mobilfunk- und Breitband-Verträgen. Aber selbst dort gibt es ein Sorgenkind: Das TV-Produkt Entertain, einst einer der größten Hoffnungsträger, hebt auch nach dem Wechsel des Technologiepartners nicht so ab, wie es sollte. Die TV-Kundenbasis sollte deutlich zweistellig auf 4,1 Millionen Kunden bis 2018 anwachsen. Dieses Ziel gab Höttges Anfang 2015 aus.

Doch trotz aller Marketingprogramme und Rabattaktionen sind es bis dato erst knapp 2,9 Millionen. Gerade mal 200.000 kamen 2016 hinzu. Geht es in diesem mäßigen Tempo weiter, würde die Telekom 2018 bei 3,3 Millionen Kunden landen - zu wenig für eine Telekom, die mal mit der Hoffnung ins Fernsehgeschäft einstieg, den Verlust von Internet-Kunden an die TV-Kabelnetzbetreiber mit einem ähnlich hohen Zugewinn von TV-Kunden halbwegs auszugleichen.

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