Künstliche Intelligenz: Software entwirft Haute Couture

Künstliche Intelligenz: Software entwirft Haute Couture

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Project Muze: Eine Software, die Haute Couture entwirft.

Foto: Google/Zalando

von Dieter Dürand

Schreitet die Demokratisierung der Modewelt so voran, dass bald jeder an Stelle von Donatella Versace oder Karl Lagerfeld seine eigene exklusive Kleidung kreieren und auch bestellen kann? Ganz so weit ist es noch nicht. Doch ein Experiment des Berliner Online-Modehändlers Zalando und des Internetgiganten Google gibt eine Vorstellung davon, wie intelligente Algorithmen  das Geschäftsmodell der Branche aufmischen könnten.

Es ist nun ganz einfach, Modeschöpfer zu werden. Man braucht weder Stilgefühl dafür, noch muss man Ahnung von Schnitten, Stoffen und Mustern haben.

Verrate der Webseite projectmuze.com Alter und Geschlecht, klick an, ob du gerade fröhlich, entspannt oder aggressiv bist, ob du Jazz, Rock oder Salsa bevorzugst und dir Pop Art besser gefällt als Art Deco, zeichne noch eine vage Kontur – und wenige Augenblicke darauf erscheint auf dem Display ein Kleid oder ein Anzug, die angeblich zur Persönlichkeit und momentanen Laune des Kunden passen. Vorgeführt von digitalen Kleiderpuppen. Schrill und extravagant sehen die Entwürfe aus, wie für den Laufsteg designt. Wallende Formen, exzentrische Farben – je nachdem, welche Rückschlüsse die Software aus den Eingaben des Nutzers zieht.

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So viel Exotik ist Absicht, sagt Zalando-Deutschland-Chef Moritz Hau. „Wir wollen unseren Kunden Lust darauf machen, ihre eigene Mode zu kreieren.“ Und wenn sie die maschinengenerierten virtuellen Gewänder dann auch noch über die sozialen Medien teilen – umso schöner. Das bringt den Online-Mode-Shop ins Gespräch.



Ob das Bestaunen der Software-Entwürfe als Anreiz genügt, ausreichend Modeenthusiasten zum Mitspielen zu bewegen, muss sich zeigen. Sie können weder Schnittmuster anfordern, noch etwas an dem Design ändern. Der Rechner ist kreativ, nicht der Kunde – vorerst jedenfalls.

Doch natürlich steckt mehr hinter dem Ausflug in die heraufziehende Welt der künstlichen Intelligenz (KI) als ein vordergründiger Marketingeffekt. Leicht lässt sich ausmalen, welche Möglichkeiten sich auftun, und wie diese die heutigen Grenzen der Modewelt sprengen würden.

Mithilfe weniger Eingaben (z. B. der empfundene Gemütszustand) erstellt Project Muze ein angeblich zur Persönlichkeit passendes Outfit. Quelle: PR

Mithilfe weniger Eingaben, z. B. des empfundenen Gemütszustands, erstellt Project Muze ein angeblich zur Persönlichkeit passendes Outfit.

Foto: Google/Zalando

Bild: PR

Wäre es zum Beispiel nicht toll, der Kunde könnte das virtuelle Stück real bestellen? Exklusiv hergestellt im 3-D-Drucker. Dies ist keine Utopie. Anfang Mai dieses Jahres führte die US-Schauspielerin Kate Hudson auf einer Gala in New York City ein gedrucktes Kleid von Versace vor.

Noch ist die Technik nicht völlig ausgereift, die Kosten noch relativ hoch. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis Haute Couture für jedermann erschwinglich wird. Personalisierte Brillengestelle, Lampenschirme, Kaffeetassen und Spielfiguren sind es schon heute. Adidas plant, Turnschuhe als Unikat zu produzieren.

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