Sony präsentiert PS4 Pro: Ein neues Konsolen-Zeitalter bricht an

Sony präsentiert PS4 Pro: Ein neues Konsolen-Zeitalter bricht an

, aktualisiert 08. September 2016, 08:46 Uhr
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Die neuen Sony-Geräte sollen kleiner, leichter und leistungsstärker sein.

von Thomas JahnQuelle:Handelsblatt Online

Die neue Playstation PS4 Pro zeigt: Hersteller wie Sony oder Microsoft folgen immer mehr dem Vorbild iPhone. Gab es früher alle sechs bis sieben Jahre eine neue Spielkonsole, verkürzt sich jetzt der Zyklus drastisch.

New YorkSicherheitsleute in schwarz, eine Rolltreppe ins Untergeschoss. Ein Konzertsaal mit dunkellilafarbenen Wänden, ein lichtloses Loch mit 2000 Sitzplätzen. Die Präsentation der neuen Spielkonsole PS4 Pro von Playstation glich selbst einem Videospiel, es fehlten nur noch die Zombies oder Roboter zum Abschießen. Im New Yorker Playstation Theater zeigte die Spieletochter von Sony sein neuestes Gerät: kleiner, leichter, leistungsstärker, echter. „Das ist transformativ“, sagte Andrew House, Chef von Playstation.

Die PS4 Pro ist ein leistungsstärkeres Highend-Upgrade, das sich an eingefleischte Gaming-Fans richtet. Zudem wurde mit der PS4 Slim eine abgespeckte und energieeffizientere Variante gezeigt, die neue Kundengruppen ansprechen soll. Die PS4 Slim soll ab 15. September für 299 Euro angeboten werden, die„PS4 Pro ab 10. November für 399 Euro.

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Es passt ins Bild, das fast zeitgleich an der US-Westküste Apple sein neues iPhone 7 vorstellte. Zwar bringen Spielekonsolenhersteller wie Playstation nicht wie die Kalifornier jedes Jahr neue Hardware heraus, aber der Zyklus verkürzt sich deutlich. Bislang gab es alle sechs bis sieben Jahre eine neue Konsole. Mit der PS4 Pro waren es nur drei Jahre.

Nintendo wird im kommenden März ein neues System mit dem Codenamen NX vorstellen, vier Jahre nach der Wii U Konsole. Microsoft brachte im vergangenen August die schlanke und kostengünstige Xbox One S auf den Markt, nachdem es 2013 die letzte Version präsentierte. „Sony oder Microsoft betreten völlig neues Gebiet“, sagte Mike Goodman, Chef für digitale Medienstrategien beim Beratungshaus Strategy Analytics.

Bislang scheuten sich die Hersteller vor zu vielen Neuerungen in der Hardware. Sie machen einen Großteil ihrer Umsätze mit dem Spieleverkauf. So macht der Verkaufserlös der Xbox nach Analystenschätzungen nur rund ein Viertel des Erlöses aus. Kunden zahlen für neue Spiele im Schnitt 60 Euro, davon wandern zehn bis 15 Prozent an die Konsolenhersteller. Auch zahlen sie Mitgliedsgebühren für Klubs wie Playstation Plus, bei dem Zugang zu Online-Spielen geboten wird.

Laut Analystenschätzung setzt Playstation jährlich rund eine Milliarde Dollar mit Spielen und Abos um. Mit neuer Hardware riskieren sie, Kunden zu vergraulen und lukrative Umsätze zu verlieren.

Allerdings wächst die Konkurrenz durch immer leistungsstärkere Smartphones und Tablets, auf der Spiele besser und realistischer wirken. So brachte Nintendo jetzt Super Mario Run für das iPhone auf den Markt, das zuvor nur auf Konsolen zu spielen war. Es lockt mit dem iPhone ein großer Markt, der Kurs des japanischen Spieleproduzenten sprang nach der Ankündigung am Mittwoch um fast 29 Prozent in die Höhe.


Playstation erleichtert die Arbeit der Entwickler

Die Hersteller von Playstation oder X-Box ändern daher ihre Strategie. Die neuen Konsolen brechen nicht wie zuvor technisch gesehen mit dem Vorgängermodell, sondern sind eher eine Weiterentwicklung – so wie es Apple jedes Jahr mit seinen iPhones vormacht. So laufen auf der PS4 Pro noch alle Spiele der Vorgängerversion, was früher nicht so selbstverständlich war. Die Pro-Variante soll mit deutlich höherer Bildauflösung oder schnelleren Prozessoren Käufer anziehen.

Damit zeigt sich eine weitere Parallele. Ähnlich wie Smartphones immer weniger zum Telefonieren und mehr zum Videoanschauen genutzt werden, so mutieren Spielekonsolen auch zu Unterhaltungsgeräten. Die Bildauflösung lässt sich auf neuen Fernsehgeräten mit 4K-Auflösung nutzen. Das nennt sich auch Ultra HD und ist viermal so auflösend wie HDTV. Das Filmportal Netflix will bis Jahresende 600 Stunden an Filmen oder TV-Serien wie etwa die zweite Staffel von „Narcotics“ in dieser Auflösung anbieten. Playstation verkündete zudem eine neue App vom Videokanal Youtube. „Kein anderer Kanal hat so viel 4K-Programminhalte“, sagte House.

Mit den besseren technischen Anforderungen erleichtert Playstation zudem die Arbeit von Spieleentwicklern. Die Szenen sehen realistischer und spannender aus, auch ermöglicht es künftig neue Möglichkeiten im Spielablauf und spart Kosten in der Entwicklung. „Das ist großartig für uns“, sagte Jason Connell, stellvertretender Kreativdirektor von Suckerpunch, einem kleinen Studio in Seattle, dass das Videospiel „First Light, Second Sun“ entwickelte.

Bislang verkaufte Playstation von der PS4 rund 43 Millionen Stück, bis zum Frühjahr sollen es laut dem Unternehmen 20 Millionen mehr sein. Das Risiko: Kunden könnten sich sträuben, alle paar Jahre rund 400 Euro für eine Spielkonsole auszugeben. Schließlich kosten die Spiele schon genug. Aber vielleicht nicht zu Unrecht spekulieren die Konsolenhersteller auf den iPhone-Effekt: Jeder will die neueste Version haben. Im Preis besteht da viel Spielraum: Das iPhone 7 kostet je nach Ausstattung zwischen 600 und mehr als 1100 Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
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