Start-up Mobileye: Unterwegs in die fahrerlose Zukunft

Start-up Mobileye: Unterwegs in die fahrerlose Zukunft

, aktualisiert 01. Juli 2016, 16:43 Uhr
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Das Unternehmen ist weltweit Marktführer bei optischen Assistenzsystemen.

von Pierre HeumannQuelle:Handelsblatt Online

Mit nur 500 Mitarbeitern ist Mobileye aus Israel für den Bau autonomer Fahrzeuge unverzichtbar. Das Unternehmen ist weltweit Marktführer bei optischen Assistenzsystemen. Was sich BMW von der Kooperation verspricht.

Tel AvivAmnon Shashua gibt sich auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit BMW und Intel an diesem Freitag wortkarg. Mit einem einzigen Satz verspricht der Mobileye-Chef aber allerhand. Es sei ein „Wendepunkt für die Automobilindustrie“, meint der Computer-Professor aus Jerusalem auf Anfrage eines Journalisten.

Dass der Israeli neben Vertretern der Weltmarken BMW und Intel auftreten darf, zeigt, wie bedeutend und richtungsweisend das Start-up Mobileye mit seinen bloß 500 Mitarbeitern inzwischen ist. Erst 1999 gegründet, ist das Unternehmen Marktführer auf dem Gebiet optischer Fahrerassistenzsysteme. Diese Technik diente am Anfang der Sicherheit im Straßenverkehr. Jetzt will die Dreierallianz die israelische Technologie einsetzen, um das selbstfahrende Auto zu ermöglichen. Die Serienproduktion solle bis 2021 starten, erklärten die Chefs der drei Unternehmen in München.

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Für den Giganten Google, der ebenfalls auf ein führerloses Auto setzt, ist Mobileye deshalb eine echte Herausforderung. Die Israelis haben nämlich nicht nur die Technologie entwickelt. Sie sind auch bei der Marktdurchdringung erfolgreich, arbeiten sie doch mit einem Drittel der Automobilindustrie zusammen, wie im Frühjahr die „Financial Times“ ausgerechnet hat.

Doch die Nachricht über den ersten Unfalltod während einer Autopilotfahrt, der sich anfangs Mai mit einem Tesla-Elektrofahrzeug ereignet hatte, schockiert die Israelis. Immerhin: Mobileye rüstet Tesla-Fahrzeuge mit Kamerasystemen aus.

Im Umfeld von Tesla wird die Relevanz des Unfalls für die Sicherheitsfrage allerdings heruntergespielt. Tesla-Fahrzeuge hätten bisher schon mehr als 200 Millionen Kilometer auf Autopilot zurückgelegt, ohne dass es zu einem tödlichen Unfall gekommen sei. Zum Vergleich: Im Durchschnitt aller Fahrzeuge in Amerika komme ein tödlicher Unfall auf 145 Millionen gefahrene Kilometer, im weltweiten Maßstab auf 95 Millionen Kilometer.

Damit, so betont man in Jerusalem, erfülle das Mobileye-System den Anspruch, Leben zu retten und letztlich auf den Straßen die Vision „Nulltoleranz für Unfälle“ zu realisieren.
Im Zentrum des Mobileye-Erfolges steht der 56-jährige Amnon Shashua, der an der Hebrew University Professor für Computerwissenschaften ist. Er begann seine Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet optischer Technologien (Vision-Technology) in der israelischen Armee.

„Mobileye ist ein Sprössling der in der Armee entwickelten Technologien“, sagt deshalb ein israelischer High-Tech-Experte. Nach dem Armeedienst gründete Shashua Firmen, bei denen er sein Armeewissen einsetzte und nahm gleichzeitig eine akademische Karriere auf.


Keine Berührungsängste bei den Forschern

Das Gedeihen der Firma beruht auf einem für Israel typischen Zusammenspiel von Armee, Wissenschaft und Kommerz. Entwicklungen in den Bereichen High-Tech oder Cybertechnologien haben ihren Ursprung oft während des Armeedienstes von hochbegabten Soldaten, die ihren Dienst wie Shashua in speziellen Technologie-Abteilungen versehen. Sobald sie die Uniform abgelegt haben, wenden sie ihr Wissen häufig für zivile Anwendungen kommerziell an.

Anders als in Europa kennen israelische Akademiker zudem keine Berührungsängste, wenn es um die gewinnorientierte Nutzung ihrer Forschungsergebnisse geht. Für die Kommerzialisierung sorgen universitätseigene Firmen. Davon profitierte auch Amnon Shashua. Mobileye wurde anfänglich von der Transfereinrichtung der Hebräischen Universität Jerusalem unterstützt. Zu deren Kernaufgaben zählt die Unterstützung von lokalen und internationalen Unternehmen, um die Forschungsergebnisse der Akademiker zur Marktreife zu entwickeln.

Die Softwarefirma aus Jerusalem ist in der deutschen Automobilindustrie keine Unbekannte. Sie gehört seit dem Start der ersten Sensorengeneration 2007 zu den Lieferanten von BMW und kooperiert ebenfalls mit der Opel-Mutter General Motors und Volkswagen. Gefragt ist die israelische High Tech-Firma, weil sie ein intelligentes Kamerasystem samt Chip und Software entwickelt.

In den USA, in Europa und in Japan gehört die Mobileye-Kamera heute zur Standardausrüstung. Die Kamera misst die Distanz zum nächsten Hindernis und rechnet aufgrund der Geschwindigkeit aus, wann ein Unfall eintreten würde. Um das zu verhindern, ertönen Alarmsignale, um den Fahrer auf die Gefahr aufmerksam zu machen.

Die in Jerusalem beheimatete Firma hat ein rasantes Wachstum hinter sich und ist eines der erfolgreichsten Start-ups in der lebendigen High-Tech-Szene Israels. Sie beschäftigt rund 200 Forscher und Entwickler. Im Juli 2014 mobilisierte Mobileye mit einem Börsengang in den USA 890 Millionen Dollar. Der Marktwert wird auf 6,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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