Streaming-Portal Netflix: Alles auf Expansion

Streaming-Portal Netflix: Alles auf Expansion

, aktualisiert 20. Januar 2016, 07:27 Uhr
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Der Netflix-CEO setzt auf die Expansion im Ausland.

von Britta WeddelingQuelle:Handelsblatt Online

Weniger ist mehr: Weil der Streamingdienst Netflix massiv in die Auslandsexpansion investiert, sinkt der Gewinn. Doch die Zahl der Neu-Abonnenten schlägt die eigenen Prognosen. Die Zukunftspläne sind noch weitreichender.

San Francisco„Ideologie ist was für akademische Schlappschwänze, nichts für mich.” Es scheint, als würde Frank Underwood aus der Netflix-Serie „House of Cards“ mit dem berühmten Zitat die Strategie des Streaming-Dienst-Gründers Reed Hastings auf eine griffige These bringen. Zwar geht der Unternehmer aus Los Gatos anders als der Politstratege nicht über Leichen. Aber auch Hastings lässt sich nicht von vermeintlichen Gewissheiten leiten.

Traditionelle TV-Sender investieren viel Geld in ein Programm rund um die Uhr. Um den dafür erforderlichen Apparat zu finanzieren, müssen sie für den Massengeschmack produzieren und werden zwangsläufig seicht. Netflix hingegen setzt darauf, dass Kunden sich das Unterhaltungsprogramm selbst zusammenstellen wollen und Fernsehen damit künftig so personalisiert sein wird wie die Timeline bei Facebook.

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So leistet sich Hastings den Luxus, auch eher abseitige Themen zu inszenieren, wie „Daredevil”, einen düsteren Marvel-Comic, oder den Kampf gegen ein kolumbianisches Drogenkartell in „Narcos”. Hinzu kommen neue Serien wie „The Crown” über Intrigen im englischen Königshaus, Spielfilme und Dokumentationen.

Wie Netflix' aktuelle Geschäftsergebnisse zeigen, zahlt sich die Strategie inzwischen aus. Im vergangenen Quartal gewann die Plattform so viele Mitglieder hinzu wie nie zuvor, 5,6 Millionen neue Fans. Das Unternehmen erreicht nun weltweit rund 75 Millionen Menschen.

Der Sprung resultiert aus der jüngsten Expansion in 130 neue Länder, darunter Indien, Singapur oder der Türkei. Zwei Millionen Mitglieder hat Netflix, das inzwischen 2000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt beschäftigt, allein in Deutschland und Frankreich. In den USA sorgt Hastings an manchen Abenden für fast ein Drittel des gesamten Internet-Traffics.

„Netflix profitiert davon, dass die Infrastruktur für die Auslieferung von Video-Inhalten immer besser wird und die Qualität steigt”, sagt Xavier Kochhar, Chef von Structured Data Intelligence, einem Unternehmen für Datenanalyse aus Santa Monica in Kalifornien. „Die große Herausforderung ist: Wie findet der Nutzer die richtige Sendung? Künftig wird es Aggregatoren geben, die Videoinhalte personalisieren, ein Google für Serien sozusagen.”

Silicon Valley arbeitet bereits an solchen Formaten, an der Zukunft des personalisierten Entertainments, ganz nach dem Motto: Ich streame, also bin ich. In Mountain View, bei Youtube, bietet Google mit Youtube Red bereits Original-Serien als Streaming-Produkt an. Auch Amazon Prime feiert große Erfolge, unter anderem mit der Nerd-Serie „Mr. Robot”.


Mehr Flexibilität

Die ehrgeizigen Pläne, die Kosten für Serien-Lizenzen, die aufwendigen Eigenproduktionen und der Aufbau der Fan-Basis schmälern die Bilanzen der TV-Neulinge derzeit noch empfindlich. Bei Netflix sank der Gewinn im vergangenen Quartal auf 43,18 Millionen Dollar oder 10 Cent pro Aktie. Im vergangenen Jahr hatte er noch bei 82,4 Millionen oder 19 Cent pro Aktie gelegen.

Doch die Branche ist vom langfristigen Nutzen überzeugt. „Der Fernsehmarkt wird sich weiter fragmentieren und immer vielfältiger”, sagt Mark Donnigan, Manager bei Beamr, einem Video-Unternehmen, in das unter anderem Ex-Google-Chef Eric Schmidt investierte. „Immer weniger Kunden werden bereit sein, einen monatlichen Beitrag für einen Kabelvertrag mit 500 Sendern zu zahlen, die er gar nicht alle ansehen kann.”

Auch Jim O’Neill, Analyst bei Ooyala, einem Big Data-Analyseunternehmen für Medienunternehmen aus Santa Clara, fordert klassische TV-Sender zu mehr Flexibilität auf. „Die Konsumenten sind es leid, an bestimmte Inhalte gekettet zu sein. Die Zukunft der Branche liegt in der Personalisierung, in einer Technologie, die den Nutzer beim Betreten des Raums erkennt und die Inhalte zeigt, die ihn interessieren.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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