Telekom-Hauptversammlung: Was Höttges vom US-Erfolg gelernt hat

Telekom-Hauptversammlung: Was Höttges vom US-Erfolg gelernt hat

, aktualisiert 25. Mai 2016, 13:18 Uhr
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„Deutschland braucht Breitband für alle. Und zwar heute und nicht morgen.“

von Ina KarabaszQuelle:Handelsblatt Online

Telekom-Chef Höttges will mehr auf die Kunden hören und die Erfolgsrezepte der US-Tochter kopieren. Seine Aktionäre treibt vor allem der Breitbandausbau um. Höttges geht in dem Punkt hart mit den Rivalen ins Gericht.

KölnEs gibt Situationen, da kann der der Chef der Deutschen Telekom abgeklärt wirken. Dann ist Timotheus Höttges mehr der Controller und Finanzvorstand, der er lange war. Doch umso mehr ist spürbar, wenn ihn ein Thema wirklich umtreibt – dann weicht er vom Manuskript ab.

In seiner Rede vor den Aktionären bei der Hauptversammlung des Konzerns am Mittwoch ist es soweit, als es um die erfolgreiche US-Tochter des Konzerns geht. „In den USA haben wir das Geschäft mit dem Mobilfunk neu erfunden“, sagt Höttges. Und: „Wir können in anderen Märkten davon lernen.“ Er lobt den Führungsstil der US-Mannschaft, ihren kontinuierlichen Kontakt mit den Kunden, aus deren Anregungen mittlerweile die „elfte Angebotswelle“ erwachsen sei. Roaming abschaffen, schneller ein neues Smartphone, Datenvolumen mit in den nächsten Monat übernehmen, das waren solche Angebotswellen.

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Diese treiben nicht nur den Umsatz der US-Tochter nach vorne, sondern auch den des Mutterkonzerns. Zu den knapp 70 Milliarden umfassenden Erlösen der Telekom hat T-Mobile US rund 40 Prozent beigesteuert. Im vergangenen Jahr stieg ihr bereinigtes Ergebnis vor Abschreibungen und Steuern (Ebitda) um 55 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar. Finanziell partizipieren die Bonner davon allerdings nur über mehr Zuversicht der eigenen Aktionäre. Eine Dividende zahlen die Amerikaner nicht. Doch schwappen die Ideen hinter dem Erfolg mehr und mehr nach Deutschland.

So kündigt Höttges wenig später an, er habe mit Kunden gesprochen und wolle ändern, was sie stört. Kunden sollen in Zukunft einen persönlichen Ansprechpartner bekommen, dem sie ihr Problem nicht jedes Mal von neuem erklären muss. Viele Fragen sollen direkt über eine App geklärt werden können. Zudem möchte die Telekom in Zukunft mehr Technikertermine auf Samstage legen, damit Kunden sich nicht mehr einen Tag Urlaub nehmen müssen.

Die geschätzt rund 1800 anwesenden Aktionäre, die sich an diesem Tag in der Lanxess-Arena in Köln eingefunden haben, lassen sich von Höttges' Optimismus angesichts des US-Geschäfts und neuer Kundenservices jedoch nicht mitreißen. Erst als der Telekom-Chef über den Breitbandausbau in Deutschland spricht, gibt es Zwischenapplaus. „Deutschland braucht Breitband für alle. Und zwar heute und nicht morgen“, hatte Höttges da gesagt.

Die Deutsche Telekom, erklärt er, habe im vergangenen Jahr mehr als vier Milliarden Euro in Deutschland investiert, also rund 18 Prozent des Umsatzes. Der Großteil davon sei in den Ausbau der Infrastruktur geflossen.


„Es wäre besser, wenn andere auch mutig investieren und ausbauen würden“

Wenig später weicht Höttges wieder vom Manuskript ab. Die Telekom habe im vergangenen Jahr beantragt, in einigen Regionen Wettbewerber vom Zugang zu ihrer Leitung auszuschließen, um dort schnelleres Internet anbieten zu können. Darüber war ein Streit entbrannt, bei dem es auch um die von der Telekom eingesetzte Vectoring-Technologie geht. Diese nutzt die bereits im Boden verlegten Kupferkabel.

Derzeit prüft die EU-Kommission in Brüssel den von der Bundesnetzagentur genehmigten Antrag. „Es ist mir unverständlich, dass die Genehmigung aus Brüssel noch nicht da ist“, sagt der Telekom-Chef. Er hoffe, dass „Europa jetzt schnell im Sinne der Kunden entscheiden wird“. Schließlich gebe es keine gute oder schlechte Technik, nur versorgte und unterversorgte Gebiete.

Dann schießt er scharf gegen die Konkurrenten, die stark gegen den Antrag Stimmung gemacht haben: „Unsere Wettbewerber kritisieren und jammern in einer Tour.“ Dabei würden sie die Netze der Bonner nutzen, um darüber unter eigenem Namen Produkte zu vermarkten.

„Es wäre besser, wenn andere auch mutig investieren und ausbauen würden“, erklärt Höttges. Deswegen habe er höchsten Respekt vor lokalen Anbietern, die das tun. An dieser Stelle reagieren die Zuschauer wieder mit Applaus. Die stark vorgetragene Fürsorge des Ex-Staatskonzerns für das Volk kommt an.

Später wird ein Aktionärsvertreter fragen, was es die Telekom kosten wird, sollte die EU-Kommission den Antrag der Bonner ablehnen. Schließlich werde der Druck durch die Kabelnetzbetreiber bei Festnetzangeboten immer stärker. Eine klare Antwort darauf erhält er nicht. Sollte der Antrag positiv beschieden werden, könne die Telekom langfristig fast 90 Prozent der Menschen in Deutschland erreichen, sagt Höttges dazu.

Die Antwort darauf könnte vielleicht in einer weiteren Situationen stecken, in denen Timotheus Höttges von seinem Manuskript abweicht. „Sehr geehrte Aktionäre und Aktionäre, Sie sehen: Wir haben für jedes Segment eine Antwort für die digitale Zukunft“ – so steht es dort noch geschrieben. Dann schiebt der Telekom-Chef ein: „Und wenn wir sie nicht haben, dann versichern wir, dass wir daran arbeiten.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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