Twitter: Mikroblogging-Dienst verspielt Trump-Effekt

Twitter: Mikroblogging-Dienst verspielt Trump-Effekt

, aktualisiert 09. Februar 2017, 20:09 Uhr
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Der Gründer und CEO von Twitter will die Bedienung nun vereinfachen.

von Britta WeddelingQuelle:Handelsblatt Online

Obwohl Donald Trump Twitter noch populärer gemacht hat als es schon war, kämpft der Mikroblogging-Dienst ums Überleben. Der Gewinn bleibt im vierten Quartal unter den Erwartungen. Was sich häuft, sind nur die Verluste.

Das muss eine Firma erstmal schaffen. US-Präsident Donald Trump, mächtigster Mann der Welt, hat Twitter zur persönlichen Verlautbarungsplattform erklärt und löst mit seinen Tweets fast täglich politische und wirtschaftliche Weltbeben aus. Doch Twitter gelingt es nicht, davon zu profitieren.

„Die ganze Welt schaut auf Twitter, wir wachsen nicht so, wie die Welt es von uns erwartet, aber es gibt etwas, das weiterhin wächst, das ist Twitters Einfluss und Wirkung“, rechtfertigt sich Twitter-Chef Jack Dorsey im Gespräch mit Analysten, das traditionell an die Veröffentlichung der Quartalsergebnisse anschließt.

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Das vergangene Jahr sei „besonders herausfordernd“ gewesen, sein Unternehmen habe „harte Entscheidungen“ treffen müssen, sagt Dorsey. Doch Twitter habe verändert, wie Menschen kommunizieren, „deshalb kämpfen wir so hart“.

Der Twitter-Chef gibt Durchhalteparolen aus. Er weiß, dass es um nicht weniger als die Zukunft des Zwitscherdienstes geht. Zunehmend zeigt sich, dass sein Netzwerk jenseits aller Politik kaum mehr als ein Scheinriese ist. Der Dienst, der immer als kleinere, schlauere Alternative zu Mega-Konzernen wie Facebook galt, kämpft ums Überleben.

Während Facebook-Chef Mark Zuckerberg über ein digitales Weltreich von inzwischen fast zwei Milliarden Menschen herrscht, stieg die Zahl der monatlich aktiven Twitter-Nutzer im letzten Quartal 2016 gerade einmal um zwei Millionen auf nun 319 Millionen. Selbst das vier Jahre jüngere Portal Instagram besitzt mit 400 Millionen täglichen Nutzern inzwischen mehr Reichweite als Twitter. Und der Börsengang von Newcomer Snap steht noch aus.

Ausgerechnet im hochpolitisierten Heimatland USA, das pausenlos über Präsident Trump, seine umstrittenen Executive Orders und deren Folgen debattiert, wuchs der Dienst überhaupt nicht. Noch im Quartal zuvor hatte Twitter hier eine Million neue Nutzer begeistert.

Entsprechend gering fallen die finanziellen Resultate aus. Twitters Umsatz bleib im vierten Quartal mit 717 Millionen Dollar unter den Erwartungen der Analysten, die mit 740 Millionen Dollar gerechnet hatten. Was sich häuft, sind nur die Verluste. Sie lagen bei 167,1 Millionen Dollar, verglichen mit 90,2 Millionen Dollar im Jahr zuvor.

Der Firma gelingt es nach wie vor nicht, die altbekannten Problemen in den Griff zu bekommen. Zwar waren bestehende Twitter-Mitglieder im vergangenen Quartal auf der Plattform aktiver, doch die Einstiegshürde für Neulinge ist zu hoch, der Dienst wirkt auf Nicht-Eingeweihte kompliziert und zu intellektuell.


„Twitter verliert schnell an Zugkraft“

Selbst Twitter-Gründer Dorsey gibt inzwischen zu: „Nutzer müssen zu lange suchen, bis sie die gewünschten Inhalte finden.“ Er will die Bedienung von Twitter nun so einfach machen „wie den Blick aus dem Fenster“, wachsen soll vor allem die Sichtbarkeit von Live-Inhalten.

Ob das gelingt angesichts des radikalen Sparkurses, den Dorsey dem Dienst verordnet hat, muss sich noch zeigen. Letzten Oktober hatte das Unternehmen angekündigt, neun Prozent der Mitarbeiter entlassen zu wollen. Ende Januar verkaufte Dorsey große Teile der eigenen Entwicklerprodukte an Google, darunter Plattform Fabric nebst zugehörigem Fehleranalysewerkzeug Crashlytics.

Zu den finanziellen Details machten beide Seiten keine Angaben, allen etwa 60 betroffenen Twitter-Mitarbeitern sei laut Tech-Blog „Recode“ ein Job beim Suchmaschinenriesen angeboten worden. Dabei fliehen Twitter-Mitarbeiter inzwischen auch unaufgefordert, die Firma verlor mehr als zwei dutzend hochrangige Manager.

Auch der geplante Verkauf der Plattform gilt inzwischen als gescheitert. Zuletzt hatten selbst erklärte Fans wie Salesforce-Chef Marc Benioff, der Twitter als „ungeschliffenes Juwel“ rühmte, mit Blick auf die schlechten Zahlen abgewunken.

Angesichts der desaströsen Lage beginnen die Kunden bereits mit der Umverteilung ihrer Budgets. Die Werbeeinnahmen, Twitters wichtigste Erlösquelle, sanken im Vergleich zum Vorjahr von 641 auf 638 Millionen Dollar.

Der Anteil am weltweiten Werbegeschäft wird weiter sinken, laut Prognose der US-Marktforschungsfirma eMarketer in diesem Jahr auf 1,1 Prozent. „Twitter verliert schnell an Zugkraft“, sagt Analystin Debra Aho Williamson. Zwar sei die Plattform bekannt als Ort, an dem in Echtzeit über aktuelle Ereignisse diskutiert werden. „Darin besteht fraglos ein großer Wert, aber der Firma gelingt es offenbar nicht, wieder auf Kurs zu kommen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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