Zum Tode von Manfred Krug : "Der größte berufliche Fehler meines Lebens"

Zum Tode von Manfred Krug : "Der größte berufliche Fehler meines Lebens"

, aktualisiert 28. Oktober 2016, 13:37 Uhr
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Manfred Krug 1997 während der Dreharbeiten zur ARD-Serie "Liebling Kreuzberg" in der Rolle des Anwalts Robert Liebling.

von Mark Fehr

Manfred Krug bleibt nicht nur als Schauspieler unsterblich. Auch Privatanleger werden ihn als Werbegesicht der angeblichen Telekom-Volksaktie für immer im Gedächtnis behalten.

Manfred Krug hat sich mit der ihm auf den Leib geschnittenen Rolle des sympathisch-cleveren Kümmer-Anwalts „Liebling Kreuzberg“ unsterblich gemacht. Auch als Tatort-Kommissar setzte er sich mit seiner unvergesslichen Mischung aus Charme und Chuzpe immer wieder für die kleinen Leute ein, jedenfalls auf dem Bildschirm.

Wer wäre da als Werbestar für die T-Aktie glaubwürdiger gewesen als er? 1996, 20 Jahre vor Krugs Tod, der am Donnerstag bekannt geworden ist, gingen erstmals Anteile des damaligen Staatsunternehmens Deutsche Telekom an die Börse. Vor allem Privatanlegern wurden die als Volksaktie bezeichneten Papiere mit einer beispiellosen Medienkampagne angepriesen. 1,9 Millionen Leute griffen zu – und verbrannten sich beim Kurssturz Jahre später die Finger.

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Krug hatte die Papiere in seiner gewohnt unwiderstehlichen Art angepriesen, wobei ihm auch sein Tatort-Sidekick Charles Brauer assistierte. Krugs immer wieder in die deutschen Wohnzimmer ausgestrahlter Lockruf „Wer zu spät kommt…“ trieb die Deutschen in Massen zum eiligen Zeichnen der T-Aktie an. Für viele war es das erste Mal überhaupt, dass sie an der Börse investierten. Krugs Bekanntheit und Beliebtheit ließ die Telekom als vertrauenswürdige Geldanlage erscheinen. Wäre alles glatt gelaufen, hätte aus den deutschen Börsenmuffeln ein Volk von Aktionären werden können.

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Dabei sah zunächst alles nach einem großen Börsenwunder aus. Nach ihrem IPO legte die T-Aktie tüchtig zu, schon am ersten Handelstag ging es um 16 Prozent nach oben. Und vier Jahre später hatte sich der Kurs sogar auf 100 Euro versechsfacht. Doch dann platzte die Blase und es ging ebenso steil wieder bergab, wobei die T-Aktie unter ihren Ausgabepreis sank. Die Masse der Privatanleger hatte den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg verpasst und blieb auf Verlusten sitzen.

Das Debakel der T-Aktie ließ viele frisch gebackene Anleger dem Parkett für immer frustriert den Rücken kehren. So mancher machte Krug im Nachhinein für das fehlgeschlagene Investment verantwortlich. Den Schauspieler traf das tief, er bezeichnete seinen Werbeeinsatz in Diensten der Telekom Jahre später als größten beruflichen Fehler seines Lebens.

Schuld war nicht allein das Werbegesicht. Auch das Telekom-Management und nicht zuletzt die damalige Bundesregierung feuerten den Hype öffentlichkeitswirksam an. Am Ende war wohl einfach nur der Ausgabepreis viel zu hoch angesetzt. Denn die Telekom hat sich mittlerweile von ihrem Absturz erholt und zu einem investitionswürdigen Papier entwickelt. Krug marschierte vorne weg bei einem der größten kollektiven Finanzirrtümer aller Zeiten, doch er blieb dabei authentisch. Schließlich hat er nach eigenen Angaben auch selbst üppig in T-Aktien investiert und viel privates Geld verloren.

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Das sollte ein Trost sein für alle Krug-Fans. Dass unser Idol sich geirrt hat, werden wir ihm verzeihen. Das macht ihn zu einem von uns.

Aktionäre sollten eine Erkenntnis aus dieser Krug-Episode mitnehmen: Die Angst, zu spät zu kommen, ist an der Börse kein guter Ratgeber.

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