Crowdinvesting-Pleiten: Kaum gestartet, schon insolvent

Crowdinvesting-Pleiten: Kaum gestartet, schon insolvent

, aktualisiert 29. April 2017, 14:20 Uhr
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Eine der bekanntesten Crowdinvesting-Pleiten der vergangenen Monate: Das Start-up Protonet aus Hamburg, das einen sicheren Server für Zuhause entwickelte.

von Tobias BrunnerQuelle:Handelsblatt Online

Lampuga, Protonet, Freygeist: Zuletzt haben gleich mehrere crowd-finanzierte Unternehmen Insolvenz angemeldet. Noch halten Experten die Zahl der Start-up-Pleiten für normal – doch erstmals gehen diese in die Millionen.

DüsseldorfDie Meldungen begannen immer gleich – mit einer „Pleite“, einem „Misserfolg“ oder der „Zahlungsunfähigkeit“: Seit Herbst vergangenen Jahres haben bereits sechs Start-ups Insolvenz angemeldet, die sich zuvor per Crowdinvesting finanziert hatten. Der jüngste Fall Anfang April: das Hamburger Unternehmen Lampuga für elektrifizierte Surfboards.

Unter den Pleiten sind auch so bekannte Namen wie Protonet, das einen einfachen Server für jedermann betreibt: Das Vorzeige-Start-up hatte 2014 einen Rekord in der deutschen Crowdinvesting-Szene aufgestellt und binnen weniger Tage drei Millionen Euro bei rund 1800 Investoren eingesammelt. Im Februar dieses Jahres dann die Kehrtwende: Protonet ist insolvent.

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Entscheiden sich Gründer wie Protonet für Crowdinvesting als Finanzierung, sammeln sie Geld bei einer Vielzahl von Anlegern ein – der Crowd. Über spezielle Plattformen wie Seedmatch oder Companisto lässt sich schon ab ein paar Euro investieren. Im Gegenzug winkt ein Teil vom Gewinn, wenn das Start-up durchstartet.

Scheitert das Unternehmen jedoch, ist auch das Geld oft weg. Denn Crowdinvestings sind in der Regel Nachrangdarlehen und werden damit erst bedient, wenn alle anderen Gläubiger schon ihr Geld bekommen haben. Die Verbraucherzentralen warnen deshalb: „Anleger sollten prüfen, ob sie bereit sind, für die versprochenen Zinsen ein Totalverlustrisiko in Kauf zu nehmen.“

Im Fall von Protonet ist der Insolvenzverwalter zuversichtlich, dass das Unternehmen aus eigener Kraft überleben könne. Deutlich schlechter sieht es hingegen bei Freygeist aus: Der E-Bike-Hersteller hatte vor anderthalb Jahren 1,5 Millionen Euro eingesammelt, nach der Insolvenz Anfang Januar wird das Unternehmen nun abgewickelt.

In die Liste der jüngsten Pleiten reiht sich auch TripRebel ein, ein Portal für Hotelübernachtungen. Das Insolvenzverfahren läuft seit Anfang April. Und wie es bei Lampuga weitergeht, prüft derzeit ebenfalls der Insolvenzverwalter. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte es Front Row Society und Returbo getroffen, letzteres wurde schließlich von Home24 für gerade einmal 17.000 Euro aufgekauft.

Sechs Insolvenzen innerhalb eines guten halben Jahres – was nach einer Pleitewelle aussieht, ist für Peter Barkow, Chef von Barkow Consulting, wenig überraschend: „Wie bei allen Start-ups ist auch bei Crowdinvestings zu erwarten, dass eine gewisse Anzahl in den ersten Jahren ausfällt.“

Für das Handelsblatt hat Barkow die aktuelle Ausfallquote bei den schwarmfinanzierten Unternehmen berechnet. Diese liegt demnach bei etwa 25 Prozent – rund ein Viertel der Start-ups konnte ihre Versprechen also nicht erfüllen. Zwar sei eine solche Quote in den ersten Jahren nach der Gründung normal, erklärt Barkow.

Aber neu ist die Höhe der betroffenen Investitionen: Mit Returbo, Freygeist, Protonet hatten gleich drei Unternehmen erstmals mehr als eine Million Euro eingesammelt. Gerade über die Rekord-Finanzierung von Protonet hatte die Szene damals gejubelt. Die Lehre daraus: Auch erfolgreiche Starts schützen nicht vor Problemen.


Erfolgreiche Start-ups bringen zu wenig Rendite

Für Anleger lassen sich solche Pleiten möglicherweise verkraften – falls sie noch in andere Start-ups investiert haben und diese bei einem Exit, also einem Verkauf an einen Investor, entsprechend Gewinn bringen. Doch selbst das ist keine Erfolgsgarantie. „Die Zahl der Exits reicht bisher nicht aus, um damit die Zahl der Insolvenzen auszugleichen“, sagt der Trierer Wirtschaftsprofessor Lars Hornuf.

Einerseits gibt es durchaus Erfolgsgeschichten, vergangenes Jahr etwa die Übernahmen von Doxter und Foodist. Beide veröffentlichten keine konkreten Zahlen, aber bei bisherigen Exits lagen die Renditen meist zwischen 30 und 50 Prozent.

Auf der anderen Seite müsste ein Exit laut Peter Barkow jedoch noch deutlich mehr einbringen, um damit andere Verluste zu kompensieren: etwa das Fünf- bis Zehnfache der investierten Summe. Das hat bisher aber noch einziges Start-up geschafft, was Crowdinvesting für Anleger zunehmend unattraktiver mache.

Und auch bei den Unternehmen selbst scheint die Schwarmfinanzierung mittlerweile nicht mehr so beliebt wie früher zu sein: Dem Crowdfinanzierungs-Monitor zufolge wählten 2013 noch 66 Start-ups den Weg über die Crowd. Vergangenes Jahr waren es dann nur noch 42.

Quelle:  Handelsblatt Online
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