Hess AG: Insolvenzverwalter: Bilanzen um 45 Millionen geschönt

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Hess AG: Insolvenzverwalter: Bilanzen um 45 Millionen geschönt

, aktualisiert 14. November 2013, 12:12 Uhr

Der mutmaßliche Bilanzskandal des insolventen Leuchtenherstellers Hess nimmt immer größere Ausmaße an. Das Unternehmen will erstmals Details auf seiner Homepage offenlegen.

Stuttgart. Das Büro von Insolvenzverwalter Volker Grub ist wohl ein Traum für jeden Schwaben. Aus dem Fenster überblickt man den Stuttgarter Talkessel, wie das Zentrum der baden-württembergischen Landeshauptstadt im Volksmund heißt. Und wenn die Sonne scheint, dann leuchten die Dächer der Schwaben-Metropole in rot und orange.

Grubs Idylle zerbricht im Flur. Dort türmen sich die Akten seines derzeit meist beachteten Insolvenzfalls. Aufschrift: „Hess AG“. Tausende Seiten voll mit Zahlen und Bilanzen. Es könnten die stummen Zeugen eines der größten Mittelstands-Skandale sein, die Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren erlebt hat. Die Unterlagen dokumentieren den Aufstieg und Niedergang des insolventen Schwarzwälder Leuchtenbauers Hess, der im Oktober 2012 an die Börse ging und keine vier Monate später pleite war. Der Fall, sagt Grub, nimmt immer größere Ausmaße an.

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Die Chronologie des Hess-Skandals

  • 25. Oktober 2012

    Hess startet an der Frankfurter Börse.

  • 21. Januar 2013

    Der Aufsichtsrat entlässt die Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler fristlos wegen des Verdachts auf Bilanzmanipulation.

  • 23. Januar 2013

    Die Staatsanwaltschaft Mannheim nimmt Ermittlungen gegen die Vorstände auf.

  • 4. Februar 2013

    Banken sperren Guthaben und Kreditlinien.

  • 13. Februar 2013

    Die Hess AG meldet Insolvenz an.

  • 18. Februar 2013

    Volker Grub wird Insolvenzverwalter.

  • 27. Mai 2013

    Das Unternehmen startet als GmbH neu. Von der alten Hess AG bleiben nur noch die Hülle – und ein Berg Schulden.

  • 22. Juli 2013

    Die Staatsanwaltschaft Mannheim lässt die Ex-Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler wegen Verdunklungs- und Fluchtgefahr festnehmen. Gegen Auflagen kommen beider wieder frei.

  • 23. August 2013

    Insolvenzverwalter Grub verkündet den Verkauf der Hess GmbH an den niederländischen Lichtspezialisten Nordeon.

Der Insolvenzverwalter geht inzwischen davon aus, dass die Bilanzen des Unternehmens bis zum Börsengang um mindestens 45 Millionen Euro geschönt worden sind. Bislang war von 26 Millionen Euro die Rede. Der ehemalige Hess-Finanzvorstand Peter Ziegler ließ über seinen Steuerberater Lutz Büttner ausrichten, dass diese Summe „total abwegig“ sei. Ziegler legt Wert auf die Feststellung, dass die Vorwürfe Grubs „nur eine einfache Behauptung“ seien und Grub die mehrfach versprochenen, geänderten Bilanzen in testierter Form bislang schuldig geblieben sei. Grub hält dagegen: „Das ganze Ausmaß ist wahrscheinlich noch größer“, sagte Grub bei der Vorstellung des lange erwarteten Sonderprüfungsberichts. „Aber alles, was wir nicht direkt belegen konnten, haben wir außen vorgelassen.“

Mit Blick auf die damaligen Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler berichtete Insolvenzverwalter Grub von einer Wende: „Die Existenz von Schattengesellschaften wird nicht mehr bestritten.“ Hess und Ziegler hätten diese ihm gegenüber lediglich als „Bad-Bank-Gesellschaften“ bezeichnet, auf die schlechte Geschäfte ausgelagert worden seien. Hess war nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Ziegler ließ ausrichten, dass es keine Trendwende gebe, der „Begriff Schattengesellschaften“ sei eine Wortschöpfung des Herrn Grub und dies „ohne jeglichen Hintergrund“. Das Bad-Bank-Modell zur Auslagerung von potenziellen Risiken im Interesse der Hess AG sei zu „keiner Zeit strittig“ gewesen.

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