Start-ups auf der Dmexco: Nicht nur die Löwen geben Geld

Start-ups auf der Dmexco: Nicht nur die Löwen geben Geld

, aktualisiert 15. September 2016, 10:26 Uhr
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Auf der Dmexco treffen Gründer auf erfahrene Unternehmer.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Der Weg zur eigenen Firma in der Digitalbranche ist nicht leicht. Start-ups gibt es wie Sand am Meer. Auf der Dmexco, der Leitmesse für digitales Marketing, haben 100 Gründer die Chance, von den Big Playern zu lernen.

KölnSie sind smart. Sie sind intelligent. Doch der Weg zum eigenen Unternehmen ist für Gründer meist kein leichter. Erst recht nicht, wenn man sich mit seinem Geschäftsmodell in der Welt der digitalen Werbewirtschaft behaupten muss. Eine Branche, in der es von jungen dynamischen Unternehmen, die in den Markt drängen, nur so wimmelt und die Gefahr groß ist, von den Marketing-Entscheidern der großen Konzerne und potenziellen Investoren übersehen zu werden. Alle wollen Erfolg haben - nur wie?

Die Kölner Digitalmesse Dmexco, mittlerweile eines der wichtigsten Marketing-Events der Welt, hat es sich daher seit 2014 auf die Fahnen geschrieben, dem unternehmerischen Nachwuchs, der große Pläne hat, eine eigene Plattform zu geben. Diese wurde in diesem Jahr nicht nur extrem vergrößert, sondern ist auch komplett ausverkauft. So bringt der zuständige Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) – Inhaber der Marke Dmexco und Träger der globalen Konferenz – 100 vielversprechende Start-ups mit Top-Entscheidern der internationalen Marketing- und Tech-Branche im sogenannten Start-up-Village zusammen. Das sind rund viermal so viele Jungunternehmer als vor einem Jahr.

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„Auf dem Weg zum erfolgreichen Gründer liegen einige Herausforderungen – Bürokratie, Förderprogramme und die Suche nach geeigneten Investoren oder die Akquise des ersten Kunden und Gewinnung von Mitarbeitern“, erklärt Frederike Voss, Start-up-Expertin im Verband und selbst erfolgreiche Gründerin beim Adtech-Start-up Orbyd. „Gerade in Deutschland tut sich eine ganze Menge”, ergänzt Marco Junk, BVDW-Geschäftsführer.

„Während wir 2013 pro Einwohner acht Euro in Start-ups investiert haben, waren es zwei Jahre später schon 38 Euro.” Damit festigt Deutschland, ist Junk überzeugt, seine Position als Start-up-Standort und behauptet sich zumindest innerhalb Europas bereits sehr gut.

Auch die Jungunternehmer müssen sich behaupten, um einen der begehrten Plätze auf der Messe zu ergattern. „Hier spielen sehr viele Kriterien eine Rolle”, erklärt Frederike Voss. „So wird unter anderem die Marktrelevanz der Innovation bewertet – also inwiefern die Idee das Potenzial besitzt, der Branche einen tatsächlichen Mehrwert zu bieten. Darüber hinaus sollte das Geschäftsmodell eine gewisse Einzigartigkeit haben – und das ist auf einer solch vielfältigen Messe wie der Dmexco gar nicht so leicht.”

Wer es es ins Village schafft, dem winken viele Vorteile. Beispielsweise liegt der Ausstellerpreis für die Gründer je nach Paket zwischen 1490 und 1990 Euro. Big Player zahlen nicht selten hohe fünfstellige Summen für einen Platz auf der Dmexco.


„Woher kommt das Geld, woher die Kunden?“

Auf dem separaten Bereich in einer der vier großen Kongresshallen in Köln-Deutz haben die Gründer dann die Möglichkeit, über 40.000 Digital-Entscheidern ihre Geschäftsideen zu präsentieren und sich mit etablierten Unternehmen auszutauschen. Schließlich waren auch Big Player wie Facebook, Google oder Amazon, die auf der Dmexco vertreten sind, einmal Neugründungen. Und viele von ihnen sind bereit, ihre Erfolgsgeheimnisse zu teilen.

Sönke Hansen, Gründer von Ameo, einer Berliner Spezialagentur für Amazon-Optimierung, freut sich. „Wir haben einen Platz am Gang erwischt. Viele Leute laufen direkt auf uns zu.” Rund 2000 Euro für das Start-up-Village auszugeben, habe weh getan. „Aber es ist natürlich auch eine große Gelegenheit, um mit Partnern und potentiellen Neukunden ins Gespräch zu kommen", erklärt Hansen, „Das müssen wir dann schon investieren.”

Was bei den Gründern heiß diskutiert wird? „Eigentlich dreht sich immer alles um die zwei Kernfragen: Woher kommt das Geld, und woher kommen die Kunden?”, sagt Felix Thönnessen, Coach und Investor, der auch die Start-ups bei der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ berät und schon am Vortag der Dmexco die Keynote auf dem Start-up-Forum des BVDW gehalten hat.

So ist das Start-up-Village in Köln auch ein guter Ort, um zu erfühlen, wie die Branche funktioniert. Lohnt sich ein Markteintritt überhaupt? Können wir uns gegen die internationale Konkurrenz behaupten? Wo finde ich Märkte, die sich aufbrechen lassen, also für Disruption geeignet sind? Wie präsentieren sich etablierte Firmen und Konkurrenten?

Für das Leipziger Start-up Sensape, das intelligente Hard- und Software für Werbebildschirme entwickelt, geht es vor allem ums Kontakteknüpfen und darum, Geschäfte anzubahnen. „Wir haben schon einige sehr gute Gespräche mit Unternehmen aus Deutschland und der Schweiz geführt, die Interesse haben”, erzählt Gründer Matthias Freysoldt stolz. Auch was die Konkurrenz so treibt, interessiert den 33-jährigen Jungunternehmer. „Das ist Gold wert für uns, denn gerade in der Gründungsphase bleibt wenig Zeit, um über den Tellerrand zu schauen”, so Freysoldt.


Auch die Big Player profitieren von den Jungen

Die in Berlin ansässigen Gründer von Opinary haben ein visuelles Umfrage-Tool entwickelt, das Unternehmen und Online-Medien nutzen, um ihren Kunden und Lesern Fragen in Echtzeit zu stellen. Geschäftsführer Cornelius Frey schätzt neben der Akquise vor allem die Möglichkeit, hier Erfahrungen aus erster Hand sammeln zu können. Quasi von Angesicht zu Angesicht. „Da unsere besten Kunden teilweise im Ausland sitzen und in einer ganz anderen Zeitzone arbeiten, ist die Kontaktpflege sonst sehr mühsam”, sagt Frey.

Für das Mainzer Start-up Hitch On, eine junge Marketingplattform, die Youtubern passende Sponsoren vermittelt und für Unternehmen die passenden Youtuber findet, geht es in den zwei Messetagen vor allem darum, Geschäfte anzubahnen. „Aber genauso wichtig ist auch die Vernetzung mit den anderen Gründern”, sagt Projektmanagerin Christina Wolke.

Trendsetter im diesjährigen Start-up-Village sind laut Frederike Voss vor allem Technologie-Anbieter, die das Ziel verfolgen, den digitalen Werbemarkt nachhaltig zu optimieren und bei Bedarf zu konsolidieren. „Diese Start-ups kommen besonders aus den Bereichen Daten-Segmentierung und Automatisierung des Media-Handels”, so Voss. Die Start-up-Expertin sieht auch noch einen umgekehrten Vorteil für die Großen der Branche. „Gerade etablierte Unternehmen können sich nicht selten auch bei Gründern eine ganze Menge abschauen.”

Davon ist auch Marco Junk überzeugt. Vor allem wenn es darum geht, welche Erfolgsstrategien entscheidend sind, um sich in der digitalen Wirtschaft durchsetzen zu können. „Es zeichnet sich sehr deutlich ab, dass diejenigen erfolgreich sein werden, die das Rennen um die besten Köpfe für sich entscheiden”, so Junk. „Zweifelsohne besteht in der Digitalbranche ein Fachkräftemangel, der sich weiter verschärfen wird.” Zeit also, sich die jungen und kreativen Köpfe angeln.

Dabei fuße die Arbeitgeberattraktivität längst nicht mehr nur auf Faktoren wie Gehalt und Arbeitsplatzsicherheit, sagt Junk: „Auch eine offene Unternehmenskultur und Work-Life-Integration sind Argumente, mit denen sich die heranwachsende Generation locken lässt. Es gilt: Flexibilität sticht Sicherheit.”

Quelle:  Handelsblatt Online
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