Nestlé: Pizza statt Schokolade

Nestlé: Pizza statt Schokolade

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Nestle-Logo vor dem Hauptsitz in Vevey, Schweiz

von Mario Brück

Nestlé übernimmt das Tiefkühlpizza-Geschäft von Kraft Foods in den USA und Kanada und sagt dem Bietergemetzel um den britischen Schokoladenriesen Cadbury leise Servus.

Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé mit bekannten Marken wie Buitoni, Herta, Maggi, Thomy, Choko-Crossies oder Smarties, wird auch im Tiefkühlpizza-Geschäft zum Weltmarktführer.

Für 3,7 Milliarden Dollar übernimmt der Schweizer Konzern mit Sitz in Vevey die amerikanische Pizza-Sparte von Kraft Foods.

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Das Tiefkühlpizza-Geschäft stelle einen neuen strategischen Pfeiler innerhalb des Bereichs der Tiefkühlprodukte von Nestlé in Nordamerika dar, heißt es in einer Mitteilung. Unter den übernommenen Produkten sind die in Deutschland bislang unbekannten Marken DiGiorno, Tombstone, California Pizza Kitchen, Jack's und Delissio.

Die Übernahme macht Nestlé damit im Tiefkühlpizza-Geschäft zum Weltmarktführer. Bisher hatte Nestlé in diesem Bereich lediglich eine untergeordnete Rolle gespielt. Die Vereinigten Staaten gelten als der weltweit größte Markt für Pizzen mit einem Jahresumsatz von 37 Milliarden Dollar. Mit einem geschätzten Umsatz von gut zwei Milliarden Dollar im vergangenen Jahr nehme Kraft Foods dort die führende Position bei den Tiefkühlpizzen ein.

Oetker muss sich warm anziehen

In Deutschland dominieren Dr.Oetker (Ristorante), Wagner (Steinofen-Pizza) und die Hausmarken von Aldi, Rewe oder Lidl den krisenunabhängigen Pizza-Markt.

An der Nummer 2 im Markt, dem saarländischen Unternehmen Wagner ist Nestlé schon seit 2004 mit einem Minderheitsanteil von 49 Prozent im Boot. Seit Anfang dieses Jahres besitzt Nestlé nun die Mehrheit bei Wagner.

Damit stößt der Bielefelder Pizzamarktführer Oetker in den Truhen des deutschen Lebensmittelhandels auf einen neuen, finanzkräftigen Gegenspieler.   

Zugleich meldet sich Nestlé aus dem Bieterwettstreit um den britischen Getränke- und Süsswarenhersteller Cadbury ab.

Diese Entscheidung gab Nestlé nach Gesprächen mit der britischen Übernahmebehörde bekannt. Nestlé verzichte darauf, ein Kaufangebot vorzulegen oder an einem teilzunehmen, teilten die Schweizer mit. Der US-Lebensmittelriese Kraft Foods hat für Cadbury ein milliardenschweres Übernahmeangebot vorgelegt.

Kasse bleibt prallvoll

Die Bekanntgabe der Übernahme in Nordamerika folgt einen Tag nach dem Verkauf der zweiten Tranche der Nestlé-Beteiligung am US-Augenheilmittelkonzern Alcon an den Basler Pharmakonzern Novartis.

Nestlé erlöst dabei 28,1 Milliarden Dollar. Der Verkauf der Alcon-Kontrollmehrheit an Novartis hat Nestlé reichlich Bares beschert.

Seit sich der Nahrungsmittelkonzern 2002 entschlossen hat, ein Paket von 23 Prozent der Alcon-Aktien an die Börse zu bringen, und 2008 dann entschied, den verbleibenden Anteil von 77 Prozent  in zwei Tranchen an Novartis zu verkaufen, sind ihm nicht weniger als 40 Milliarden Dollar in bar zugeflossen – eine stattliche Summe, verglichen mit den läppischen 280 Millionen Dollar, die Nestlé 1977 für die Übernahme von Alcon berappt hatte.

Nun stellt sich jedoch am Firmensitz in Vevey die Frage, was mit dem vielen Geld geschehen soll.

Eine erste Antwort hat das Unternehmen bei der Ankündigung des Alcon-Restverkaufs selbst gegeben. Es beabsichtigt die Lancierung eines neuen Aktienrückkaufprogramms im Umfang von 10 Milliarden Schweizer Franken, das in diesem Jahr beginnen und bis 2012 laufen soll. Ein Teil der Mittel wird also an die Aktionäre ausgeschüttet.

Dennoch schwimmt Nestlé weiterhin im Geld. Die Spekulationen um weitere Grosseinkäufe gehen also weiter.

In der Nahrungsmittelbranche gibt es durchaus noch interessante Kandidaten, allerdings kaum von einer Größe, dass sie das Cash-Problem Nestlés schlagartig lösen könnten.

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