Pharma: Merckle-Gruppe gerettet - Ratiopharm wird verkauft

Pharma: Merckle-Gruppe gerettet - Ratiopharm wird verkauft

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Adolf Merckle

Zwei Tage nach dem tragischen Selbstmord von Adolf Merckle haben die Banken einen Überbrückungskredit für sein finanziell schwer angeschlagenes Firmenimperium genehmigt. Der Pharmahersteller Ratiopharm muss allerdings verkauft werden.

Um die angeschlagene Merckle-Firmengruppe neu zu strukturieren, soll Ratiopharm verkauft werden, wie die VEM Vermögensverwaltung mitteilte. „Um die Finanzierungssituation der Gruppe nachhaltig neu zu strukturieren, sind die Familie Merckle und die Banken übereingekommen, den Generikahersteller Ratiopharm zu veräußern“, hieß es dazu in einer Presseerklärung. Teil der Vereinbarung sei auch, dass Ludwig Merckle seine Tätigkeit in der Geschäftsführung der VEM Vermögensverwaltung nicht fortsetze. Ein Treuhänder solle den Verkauf des Pharma-Unternehmens begleiten.

Ludwig Merckle erklärte: "Bei Ratiopharm wie bei den weiteren Beteiligungsunternehmen der VEM ist das operative Geschäft grundsätzlich gesund. Die Unternehmen hatten ein erfolgreiches Geschäftsjahr und auch die Aussichten für das nächste Jahr sind gut.“

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Die in Finanznöten steckende Firmengruppe des Merckle-Clans ist damit vorerst gerettet. Zwei Tage nach dem Selbstmord des Unternehmers Adolf Merckle stellten die Banken frisches Geld zur Verfügung, wie ein Sprecher der VEM Vermögensverwaltung sagte. Sprecher Detlev Samland erklärte weiter: „Der Überbrückungskredit ist unter Dach und Fach.“ Das Geld bekomme die VEM von den Gläubigerbanken. Die Höhe des Kredits beträgt nach Angaben aus informierten Kreisen 400 Millionen Euro.

Interesse an Ratiopharm wird schon seit Wochen dem israelischen Generika-Hersteller Teva nachgesagt. Teva ist weltweit der größte Produzent von Nachahmermedikamenten, spielt auf dem wichtigen deutschen Markt immer noch eine eher unbedeutende Rolle. Durch einen Kauf von Ratiopharm würde sich das grundlegend ändern. Der französische Medikamenten-Hersteller Sanofi hat vor einiger Zeit offiziell angekündigt, im Generikageschäft einen Markt der Zukunft zu sehen. Zwischen drei und vier Milliarden Euro dürften für Ratiopharm vielleicht noch drin sein. Die Preise lagen schon mal höher: 2005 zahlte die schweizerische Sandoz für Hexal über fünf Milliarden Euro. Damals war allerdings der Höhepunkt im Generikamarkt erreicht. Und das Ratiopharm nun als Notverkauf gilt, dürfte den Preis sicher nicht nach oben treiben.

Ratiopharm sei sein Kind, hatte Merckle vor Jahren zur WirtschaftsWoche gesagt. Dass er sein Kind nun in fremde Hände geben muss, dürfte ihn vor allem zu seiner Verzweiflungstat getrieben haben.

Der 74-jährige Merckle hatte sich am Montag in Blaubeuren bei Ulm von einem Zug überfahren lassen. Die wirtschaftliche Notlage seiner Unternehmen habe den 74-Jährigen gebrochen, teilte die Familie mit. Der Tod des Clan-Chefs hat allerdings nach Angaben der Familie keine Auswirkungen auf die Sanierung der hoch verschuldeten Vermögensgesellschaft. Die beiden VEM-Geschäftsführer Ludwig Merckle und Susanne Frieß seien handlungsbefugt. Da Adolf Merckle in keinem Unternehmen alleiniger Geschäftsführer gewesen sei, könnten jetzt die Geschäfte überall fortgeführt werden. Seine Geschäftsanteile gingen an seine Kinder über, erklärte die Familie.

Der stets öffentlichkeitsscheue Unternehmer war vor einigen Wochen in die Schlagzeilen geraten, nachdem sein Sohn Ludwig bei der von ihm geleiteten Vermögensverwaltung VEM Zahlungsschwierigkeiten eingeräumt hatte. Einige seiner Firmen waren hoch verschuldet und hatten im Zuge der Finanzkrise drastisch an Wert verloren. Die Spekulation mit Volkswagen-Aktien hatte ihm einen Verlust im niedrigen dreistelligen Millionenbetrag eingebracht. Dazu kam, dass HeidelbergCement nach dem Kauf des britischen Konkurrenten Hanson mit mehreren Milliarden Euro in der Kreide steht. Die Kreditgeber fordern frisches Kapital. Damit war Unternehmer, der von der Zeitschrift „Forbes“ als fünftreichster Deutscher geführt wurde, zu harten Verhandlungen mit seinen Gläubigerbanken gezwungen. Sein Firmenimperium drohte zusammenzubrechen.

"Situation wird nicht einfacher"

Erst Ende Dezember hatte Merckle mit den Banken eine Stillhaltevereinbarung erzielt. In einem nächsten Schritt sollten dann die Verhandlungen über einen Überbrückungskredit zu Ende geführt werden. Die Höhe der Schulden von Merckle bei den Gläubigerbanken wurde nie offiziell mitgeteilt. Früheren Angaben aus Finanzkreisen zufolge soll sich der Finanzbedarf des Merckle-Clans und seiner Firmen auf ein Volumen von 700 Millionen bis 1 Milliarde Euro belaufen.

Banker, die Merckle auch persönlich kannten, reagierten fassungslos. Man sei geschockt, hieß es. „Einfacher wird die ganze Situation dadurch sicher nicht“, sagte ein Banker.  Mittelfristig stehen in den nächsten Monaten  Verhandlungen über eine umfassende Umschuldung der Gruppe an. Der passionierte Bergsteiger Merckle, der in jüngeren Jahren mehrere Sechstausender bezwang, galt als kantiger Unternehmer und harter Verhandlungspartner. 1967 hatte er die familieneigene Firma in Blaubeuren übernommen, die zu diesem Zeitpunkt mit 80 Mitarbeitern gerade einmal vier Millionen DM erwirtschaftete. In den Jahrzehnten danach baute er ein riesiges und schwer durchschaubares Firmenkonglomerat auf, zu dem neben dem Baustoffkonzern HeidelbergCement unter anderem der Generikahersteller Ratiopharm, der Pharmahändler Phoenix und eine Beteiligung am Pistenraupenhersteller Kässbohrer gehören. Die Merckle-Gruppe erwirtschaftete zuletzt mit rund 100.000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 30 Milliarden Euro.

Merckle war "große Unternehmerpersönlichkeit"

Medienberichten zufolge hinterließ Merckle einen Abschiedsbrief. Darin nannte er nach Informationen von „Spiegel online“ keine Gründe, sondern entschuldigte sich nur für seinen Schritt. Der in Dresden geborene Merckle, der als gesundheitlich angeschlagen galt, hinterlässt neben seiner Frau Ruth die drei Söhne Ludwig, Philipp Daniel und Tobias sowie die Tochter Jutta.

Die Angehörigen, die ihn am Montagabend bei der Polizei als vermisst gemeldet hatten, erklärten: „Adolf Merckle hat für seine Familie und seine Firmen gelebt und gearbeitet.“ Der 74-Jährige hatte am Nachmittag sein Wohnhaus verlassen und war nicht wie gewohnt zurückgekehrt.

Gegen 19.30 Uhr entdeckte ein Bahn-Mitarbeiter dann beim Blaubeurer Teilort Weiler im Gleisbereich die Leiche des Unternehmers. Ein Fremdverschulden schloss die Polizei aus. Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger zeigte sich erschüttert und würdigte Merckle als „große Unternehmerpersönlichkeit“. Der Industrielle habe „ein mittelständisches Unternehmen von europäischer Bedeutung aufgebaut“, sagte der CDU-Politiker.

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