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Soziale Netzwerke: Ist Twitter out?

von Thomas Stölzel

Die Besucherzahlen des Kurznachrichtendiensts Twitter brechen ein. Zugleich kündigt dessen Chef fürs operative Geschäft an, demnächst Werbung zwischen die Beiträge einzubauen.

Twitter-Seite auf einem Laptop Quelle: REUTERS
Twitter-Seite auf einem Laptop Quelle: REUTERS

Irans grüne Revolution im vergangenen Sommer war der kulturelle Höhepunkt des sozialen Kurznachrichtennetzwerks Twitter. Junge iranische Demonstranten zwitscherten sich den Ort für die nächste Protestkundgebung gegen die manipulierte Wahl zu. Die Machthaber des Landes ließen den amerikanischen Internetdienst stören. Die Weltöffentlichkeit schaute gespannt zu und dankte im Herzen Jack Dorsey aus Missouri, der 2006 Twitter geschaffen hatte. Spätestens von da an war Twitter berühmt.

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Das aber ist inzwischen Monate her. Inzwischen registrierten drei Marktforschungsfirmen stark einbrechende Besucherzahlen. Laut Comscore sank der Traffic bei Twitter im Oktober um 8,1 Prozent. Das US-Unternehmen Compete schätzt, dass Twitter.com 2,1 Prozent weniger Besucher hatte. Und Nielsen errechnete gar einen Rückgang um dramatische 27,8 Prozent zwischen September und Oktober. Bei manchem wirft das schon die Frage auf: Ist Twitter out?

Dabei hat der in San Francisco beheimatete Dienst seine größte Bewährungsprobe noch vor sich – endlich ein Geschäftsmodell einzuführen, mit dem das Unternehmen Geld verdienen kann. Am Wochenende nannte Dick Costolo, der Chef fürs Operative bei Twitter, erste Details: Demnach will Twitter ab 2010 Werbung zwischen den Tweets genannten Kurznachrichten einbauen.

Vorbild Google

"Wir werden eine Werbestrategie haben. Sie wird faszinierend, untraditionell und die Menschen werden sie lieben“, sagte der Manager auf einer Veranstaltung des Brancheninformationsdiensts TechCrunch in San Francisco. Die Werbung werde sich dabei „organisch“ in das Konzept von Twitter einfügen, sagt er und nennt als Vorbild die Werbung auf Googles Suchwebsite.

Der Ausgang des Experiments ist jedoch auch deshalb ungewiss, weil Twitter bisher immer mitgeteilte, dass Werbung wahrscheinlich nicht zum künftigen Geschäftsmodell gehören werde. Wie die Nutzerschar also auf die Anzeigen reagieren werden, ist deshalb offen. Einzelne Twitterer kündigen schon an, ihren Account aufzugeben, sobald das Portal Werbung einführt.

Geld verdient der Dienst Costolo zufolge auch durch die Suchdeals, die das Unternehmen kürzlich mit Microsoft und Google geschlossen hat. Hierbei integrieren die zwei Suchportale Bing und Google die Twitter-Nachrichten in den Suchergebnissen. Wie viel Geld Twitter von den beiden IT-Giganten kassiert, verriet er nicht.

Eine weitere potenzielle Einnahmequelle könnte für Twitter eine Art Bezahlmodell sein. So könnte das Unternehmen Nutzer künftig zur Kasse bitten, wenn sie ihre detaillierten Twitter-Daten einsehen wollen – etwa um herauszufinden, wie viele Personen auf einen bestimmten Link geklickt haben und wie viele die Tweets des Nutzers verfolgen.

Inzwischen schloss Twitter-Mitgründer Biz Stone auch nicht mehr aus, dass Twitter an die Börse geht, um neues Kapital aufzunehmen. Er sagte: "Der Punkt ist, wir wollen ein Unternehmen aufbauen, das für eine lange Zeit existieren kann. Wenn ein Börsengang der richtige Weg dazu ist, dann werden wir das tun. Wir haben dafür aber noch keinen Termin am Kalender angekreuzt."

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.11.2009, 11:43 UhrAnonymer Benutzer: David

    Danke für den Link Herr Stölzel.

    ich schließe mit da "Philip" an, twitter nicht vorzeitig jetzt schon für tot bzw. bald für tot zu erklären. ich denke, dass twitter weiterhin genutzt wird und wenn es in einem anderen Produkt aufgeht.

    Es kommt bei dem Dienst durchaus darauf an, wem man "folgt". Wenn man sich interessante Accounts sucht, erhält man mit hoher Geschwindkeit interessante infos - folgt man natürlich nur denen, die gerade zwitschern, dass sie an der busstation stehen, ist der Dienst entsprechend langweilig und nutzlos.

  • 25.11.2009, 22:42 UhrAnonymer Benutzer: Philip

    Angesichts dessen, dass tatsächlich nur der Traffic auf der Seite gemessen wird, würde ich nicht vorschnell urteilen, dass keiner mehr Twitter nutzt. Die kleinen Programme für die Twitter-Nutzung, insbesonder für unterwegs, können genau diesen vermeintlichen Einbruch verursacht haben.

  • 25.11.2009, 15:28 UhrAnonymer Benutzer: Nutzlos 2.0

    Die idee war ja ganz gut: Message an ein Ziel und 'Verteilung' auf X-andere...

    Aber all in all ist twittern nur ein feature - kein Produkt.
    Vielleicht überlebt es ja im Rahmen eines solchen noch zu schaffenden?

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