Standortentscheidung: E.On investiert lieber in Rotterdam

Standortentscheidung: E.On investiert lieber in Rotterdam

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Zwei Tanker an der Pier des Ölterminals von Wilhelmshaven: Hier soll Tiefwasserhafen "JadeWeserPort" entstehen

Der Schwur auf den Standort Wilhelmshaven klang wie ein schwacher Trost. E.On Ruhrgas Einkaufsvorstand Jochen Weise, ein früherer Shell-Manager, verpackte die Investitionsentscheidung des Energiekonzerns für einen Tanker-Terminal zum Anlanden von Flüssiggas (LNG) in Rotterdam in eine schwache Vision für Wilhelmshaven.

„Auch wenn wir zunächst keine Entscheidung für Wilhelmshaven treffen werden, stehen wir zu diesem Standort als wichtige Zukunftsoption“, sagte er.

Im Wirtschaftsministerium in Hannover, das stets auf den Ausbau von Wilhelmshaven als Tiefwasserhafen pochte und damit die stille Hoffnung verband, von Niedersachsen aus dem Hamburger Hafen Konkurrenz zu machen, klammerte sich der zuständige Staatssekretär an die eher halbherzig vorgetragene Ankündigung von E.On, die begonnene Genehmigungsverfahren bis zum Schluss noch durchzustehen, um das Bekenntnis zum deutschen Traditionshafen wenigstens nach außen glaubhaft aussehen zu lassen. Doch „kann man davon ausgehen, dass E.On in Wilhelmshaven niemals einen Terminal bauen, eher den in Rotterdam eines Tages erweitern wird“, schätzt ein Energiemanager aus Essen die Lage für den Hafen pessimistisch ein - der einst nach Kaiser Wilhelm I. benannt wurde und bis heute als Marinehafen dient.

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Warum Rotterdam? Der Weg des Flüssiggases ist von dieser Drehscheibe einfach kürzer. Über den Rhein kann das verflüssigte Gas sehr schnell mit Binnenschiffen transportiert werden. Diesen Vorteil bietet Wilhelmshaven nicht. Außerdem befindet sich das niederländische Terminal bereits im Bau und wird schon 2011 fertiggestellt.

Ende der "wilheminischen" Träume

In Wilhelmshaven wäre erst 2015 aus dem Projekt etwas geworden. Zu spät, befand man bei E.On, um sich so schnell wie möglich vom russischen Gas, das über die Riesenpipeline über die Ostsee nach Deutschland transportiert wird, unabhängig zu machen. Das wird umso dringender als E.On bislang von Gazprom der Zugang zum sibirischen Gasfeld Jushno Russkoje verwehrt wird, dort wo die BASF-Beteiligung Wingas schon längst Förderrechte erworben hat. E.On eben noch nicht.

Umso wichtiger das Flüssiggas, das mit Anlagen am Terminal wieder vom flüssigen Zustand in Gasform umgewandelt wird. Linde baut solche Anlagen, aber auch andere Anlagenbauer. RWE hat eine ganz andere Technik entwickelt, die das Flüssiggas bereits an Bord des Schiffes wieder in Gasform verwandelt, das dauert zwar länger, sollte aber nach dem Willen von RWE-Managern flexibler sein, weil die Anlagen bereits an Bord stehen und keine kostspielige Anlage an Land für eine Rieseninvestition notwendig ist.

Das Terminal für LNG (die Abkürzung für Liquid Natural Gas) in der RWE-Technik („Excelerate“) sollte nach Planungen von RWE-Managern direkt neben dem E.On-Flüssiggashafen in Wilhelmshaven errichtet werden – zwei deutsche Energieunternehmen mit unterschiedlicher Technologie im Wettstreit, und das in Sichtweite voneinander entfernt. Die Projekte der ungleichen Nachbarn mit denselben Zielen – Flüssiggas aus allen Herren Ländern nach Mitteleuropa zu verschiffen und teure und politisch umstrittene Pipelines damit überflüssig zu machen – hätte fast nach einem Schildbürgerstreich aussgesehen.

Nun beendet E.On die "wilheminischen" Träume und entscheidet sich für den größten Hafen Europas, wo bald zwölf Milliarden Kubikmeter Erdgas durchgeleitet werden. Das entspricht der Ladung von mehr als 130 großen Tankschiffen mit LNG, die dort pro Jahr anlanden können und Mitteleurpa mit Energie versorgen können.

Und RWE? Aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium kommt da wenig Euphorisches: „RWE hat nach unserer Erkenntnis sein LNG-Projekt in Wilhelmshaven nicht mehr aktiv im Auge“, heißt es aus dem Ministerium in Hannover. „Die sind seit langem nicht mehr mit Nachdruck dabei“. Der letzte Kontakt mit den Genehmigungsbehörden sei schon „geraume Zeit“ her  und stamme aus dem Jahr 2007.

Bei RWE heißt es dazu: „Es läuft noch eine Machbarkeitsstudie, deren Ergebnis in einigen Wochen fertig ist“. Offiziell hält RWE noch an Wilhelmshaven fest. Niemand zweifelt in der Branche jedoch daran, dass auch der Essener E.On-Rivale einen Rückzieher macht und nach neuen Ufern strebt. Auch nach Rotterdam?

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