Wendelin Wiedeking: Der Absturz des "Mr. Porsche"

Wendelin Wiedeking: Der Absturz des "Mr. Porsche"

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Porsche-Chef Wendelin Wiedeking: Gehalt an Gewinn gekoppelt

In 17 Jahren machte der passionierte Kartoffelbauer Wendelin Wiedeking Porsche vom Pleitekandidaten zum profitabelsten Autobauer der Welt. Am Ende wurde ihm sein Erfolgsrezept zum Verhängnis: Wiedeking stürzte über seine Macht und seinen Übermut.

Manchmal ist es ratsam auf die eigenen Worte zu hören. „Wenn man den falschen Fisch schluckt, kann man gewaltige Verdauungsprobleme bekommen“, hatte Wendelin Wiedeking vor einigen Jahren in einem Interview gesagt. Er kritisierte damit Kollegen aus der Autobranche für gewagte Übernahmen. Nun hat sich Wiedeking selbst verschluckt.

Der Mann, dem scheinbar alles, was er anpackte gelang, scheiterte mit seinem vermeintlich größten Coup: Die versuchte Übernahme von Volkswagen, war eine Nummer zu groß für den erfolgsverwöhnten Machtmenschen. Seine Sturheit wurde ihm bei dem geplanten VW-Deal zum Verhängnis. Nachdem Porsche die Attacke mit Optionsgeschäften gestartet hatte, gab es kein zurück mehr. Aus Wagemut wurde Übermut. Am Donnerstag im Morgengrauen musste Wiedeking seine Entlassungspapiere entgegennehmen.

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Wiedeking machte Porsche zum rentabelsten Autobauer der Welt

Dabei war es in seiner Karriere immer nur steil nach oben gegangen. Nach seinem Maschinenbau-Studium an der RWTH Aachen wurde er Vorstandsassistent bei Porsche und leitete die Lackier- und Karoseriewerke. Nach einem knapp dreijährigen Intermezzo bei den Glyco Metallwerken, wo er schnell vom Bereichsleiter zum Vorstandschef aufstieg, kehrte Wiedeking 1991 als Vorstand zu Porsche zurück.

Damals stand der Sportwagenbauer vor der Pleite, doch mit einem drastischen Sparkurs und strategisch richtigen Entscheidungen brachte der Westfale das Traditionsunternehmen wieder auf Kurs. Heute gilt der Nischenanbieter mit knapp 100.000 Autos im Jahr als rentabelster Autobauer weltweit.

Eng involviert in die Sanierung war Michael Macht, der als Wiedekings Referent im Hintergrund die Strippen zog. Nun beerbt ihn sein „Ziehsohn“ als Porsche-Chef.

Wiedeking wurde zu mächtig

Jahr um Jahr fuhr Porsche Rekorde ein, wobei der Manager immer gern gegen den Strom schwamm. So weigerte er sich beharrlich, den Börsenregeln nachzukommen und Quartalsberichte zu veröffentlichen - die Stammaktien werden ohnehin von den Familien Piëch und Porsche gehalten.

Wiedeking mehrte das Milliarden-Vermögen der Familien Porsche und Piech und machte sich als bestbezahlter Vorstandschef Europas zum Multi-Millionär. Auf 80 Millionen Euro wird sein Gehalt für das abgelaufene Geschäftsjahr geschätzt. "Es ist richtig, ich verdiene gutes Geld", sagte der Porsche dazu. Doch er hat auch geschickt verhandelt, laut einer Klausel in seinem Vertrag soll er 0,87 Prozent des Vorsteuergewinns erhalten. Mit den kräftigen Gewinnsteigerungen hat Wiedeking so auch sein eigenes Vermögen gemehrt.

Doch einige dankten ihm seine Leistungen nicht - vor allem Porsche-Großaktionär Ferdinand Piech schoss sich seit mehr als einem Jahr auf Wiedeking ein. 

Der mächtige VW-Aufsichtsratchef sagte ihm im Mai bei einem Pressetermin auf Sardinien offen den Kampf an: Auf die Frage, ob er Vertrauen zu Wiedeking habe, sagte der 72-Jährige: „Zur Zeit noch. Das „noch' können Sie streichen.“ Spätestens seitdem musste Wiedeking um seinen Job fürchten, muckte aber nicht auf. „Er ist nur der oberste Angestellte der Familien, das weiß er“, sagte ein Wegbegleiter. Wiedeking war Piech zu mächtig geworden.

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