Wettbewerb: Rohstoffverarbeitern droht Metallmangel

Wettbewerb: Rohstoffverarbeitern droht Metallmangel

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Gerd Hoffmann, Aurubis: Immer mehr Länder greifen in die Produktionskette ein, um Wettbewerber von Rohstoffen auszuschließen

von Rüdiger Kiani-Kreß

Konkurrenten verzerren den Handel. Rohstoffverarbeitern wie Aurubis drohen Kupfer und andere Metalle auszugehen.

Wer über das Gelände des Rohstoffunternehmens Aurubis im westfälischen Lünen geht, fühlt sich im Überfluss. Haushoch türmen sich Kupferteile, Eisen oder anderer Schrott. Bisweilen besprühen die Mitarbeiter die Berge aus Rohren und Drähten mit Wasser, damit es nicht staubt.

Doch die Fülle täuscht. „Kupferschrott ist schon seit vielen Jahren überwiegend knapp. Diese Angebotsknappheit nimmt zu durch den massiven Nachfragewettbewerb vonseiten Chinas“, sagt Gerd Hoffmann, Bereichsleiter Recycling bei Aurubis, der ehemaligen Norddeutschen Affinerie. Die Jagd nach Altmetall ist eine der härtesten Disziplinen im weltweiten Kampf um Rohstoffe. Alle Industrieländer sind nach Kräften dahinter her. Seit 1996 ist der Import von Kupferschrott nach China von 500 000 auf 5,5 Millionen Tonnen gestiegen. „Die kaufen praktisch die ganze USA leer“, weiß Hoffmann.

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Altmetall ist eine preiswerte Rohstoffquelle. Es lässt sich im Gegensatz zu Kunststoffen meist ohne Qualitätsverluste zu fast 100 Prozent wiederverwerten, und das für nur rund fünf Prozent der Energie, die eine Hütte zur Metallgewinnung aus Erz aufwenden muss. „Das wird angesichts der zunehmenden Klimadiskussion und steigender Energiepreise immer wichtiger“, sagt Armin Schmiedeberg, Rohstofffachmann der Unternehmensberatung Bain & Company.

Gesetzesbruch an allen Stellen der Entstehungskette

Darum greifen immer mehr Länder zum Gesetzesbruch an allen Stellen der Entstehungskette. 113 von insgesamt 400 Verstößen gegen den freien Welthandel, die der Bundesverband der Deutschen Industrie aufgelistet hat, entfallen auf das Schrottgeschäft. Die Nadelstiche reichen von Exportzöllen und -verboten über Erstattung von Importabgaben an einheimische Unternehmen, auch wenn die gar keine bezahlen mussten, bis zur offenen Missachtung internationalen Rechts.

Grafik: Kupferpreise

Grafik: Kupferpreise

„In einigen Ländern kommt rund 60 Prozent des importierten Schrotts mehr oder weniger illegal ins Land“, sagt Aurubis-Manager Hoffmann. Zwar entgeht durch Schmuggel oder falsch deklarierte Einfuhren den Heimatstaaten der unlauteren Unternehmen einiges an Steuern. Doch das stört die Regierungen nicht, weil die illegalen Importe schlussendlich einen Beitrag zur Deckung des Rohstoffbedarfes leisten.

Schuld an den rohen Sitten ist der Rohstoffboom der vergangenen Jahre, der durch die hohe Nachfrage von Schwellenländern wie Brasilien, Russland und China getrieben wurde. Leidtragende sind vor allem Länder ohne eigene Bodenschätze wie Deutschland, für die Schrott die einzige sichere Versorgungsquelle ist.

Das gilt gerade für Kupfer. Der Bedarf wächst, zum Beispiel bei Deutschlands größter Industrie, der Autoherstellung. Kommt das Elektromobil, werden pro Fahrzeug gut 100 Kilogramm Kupfer gebraucht, gut das Vierfache des heute Üblichen. Auch Wind- und Sonnenkraftwerke brauchen für die gleiche installierte Leistung deutlich mehr Kupferkabel als ihre konventionellen Konkurrenten. Ebenso treibt der Trend zu mehr Elektronik etwa im Maschinenbau den Kupferbedarf.

Grafik: Kupfer-Krake China

Grafik: Kupfer-Krake China

In der Regel dient die Handelsbeschränkung der Versorgung der eigenen Industrie – und schadet der Konkurrenz. So ist die Zahl der europäischen Hütten und Recyclingstellen vor allem für Kupfer in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. „Der Betrieb eines Schmelzofens kostet praktisch immer gleich viel, egal, ob voll oder halbleer“, sagt Hoffmann. „Also verteuert eine schlechte Auslastung die Rohstoffverarbeitung im Vergleich zur Konkurrenz, die unter Vollauslastung über einen Vorteil verfügt.“

Wenn das so bleibt, fürchtet Hoffmann, werden Länder wie China am Ende neben ihrem Quasimonopol bei einigen Metallen und seltenen Erden zunehmend die Metallmärkte beherrschen und damit die Wertschöpfungskette bei uns gefährden. Europäische Verarbeiter würden somit bei ihrer Rohstoffbeschaffung immer mehr auf China angewiesen sein. Sogar der Schrottanfall in den USA und Europa würde im Wesentlichen der Versorgung der Weiterverarbeitung in China dienen.

Darum hält es Hoffmann für ein gutes Zeichen, dass die EU wegen der wachsenden Zahl der Hemmnisse gerade die Welthandelsorganisation WTO angerufen hat. „Jetzt muss das Verfahren aber auch zu einer deutlichen Absenkung der Verstöße führen“, sagt der Aurubis-Manager, „und zwar möglichst bald.“

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