Outplacement: Zum Abschied gibt's noch einen Coach

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Outplacement: Zum Abschied gibt's noch einen Coach

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Coaching boomt. Vor allem in der Krise.

von Julia Leendertse

Wenn Unternehmen Mitarbeitern kündigen, bieten sie den Geschassten gerne eine Outplacementberatung an. Das hilft, Streit zu vermeiden. Der Trend geht hin zu kürzeren und befristeten Einzelcoachings.

Nach der Finanzkrise setzten viele Banken Manager en masse vor die Tür. Und auch die Energiewende brachte bereits etliche Führungskräfte der großen Energiekonzerne um den Job. Beides bescherte laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) den Outplacementberatern einen Auftragsboom. 2010 und 2011 – die Jahre unmittelbar nach dem Crash – bescherten der Branche zwar zunächst einen Knick. „Doch nach einem Umsatzminus von 12 Prozent befindet sich die Outplacementberatung seit 2012 wieder auf Erfolgsspur“, so Stefan Detzel, Vorsitzender des BDU-Fachverbands Outplacementberatung.

Der Zehn-Jahres-Rückblick zeigt: Die ursprünglich aus Amerika importierte Dienstleistungsindustrie hat sich ihren Platz auch in Deutschland erobert. 2004 erzielten die Dienstleister für Trennungsmanagement, die im Auftrag von Arbeitgebern Führungskräfte dabei coachen, nach einer Kündigung eine neue Aufgabe zu finden, einen Jahresumsatz von 40 Millionen Euro. 2013 waren es schon 74 Millionen Euro und auch für 2014 ist die Branche zuversichtlich und geht erneut von einem zweistelligen Plus auf 83 Millionen Euro Umsatz aus. Laut BDU-Umfrage ernährt das Geschäft mittlerweile rund 200 festangestellte und weitere 300 freiberufliche Outplacementberater plus 160 Backoffice-Kräfte hierzulande. Sie arbeiten in einem der bundesweit rund 50 spezialisierten Beratungshäuser oder aber sind für eine der rund 150 Beratungsgesellschaften tätig, die Outplacement neben anderen Dienstleistungen anbieten.

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Die branchenkonjunkturelle Delle hat den Outplacementberatern zwar gezeigt, dass ihre ursprüngliche Annahme: „Geht es der Wirtschaft schlecht, geht es uns automatisch gut“ so nicht stimmt. „Doch der jetzt wieder aufgenommene Wachstumspfad beweist, dass es die Outplacementberatung, die in Deutschland in den Anfangsjahren vor allem bei Betriebsräten auf erheblichen Widerstand stieß, geschafft hat, sich aus dem Streit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretern herauszuarbeiten“, so BDU-Vizepräsident Herbert Mühlenhoff: „Wir nehmen deutlich wahr, dass besonders die Betriebsräte Vereinbarungen der Unternehmensleitung für Outplacementberatungsprogramme viel offensiver unterstützen und befürworten als früher“.

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Eva Manger-Wiemann, Partnerin der Zürcher Metaconsultingfirma Cardea bestätigt diesen Trend. „Im Personalmanagement von großen Unternehmen gehört es heute fast schon zum guten Ton, Mitarbeitern, die entlassen werden sollen, eine Standard-Outplacementberatung anzubieten“, so die Expertin für den Beratungsmarkt. Für Unternehmen mache es aus den unterschiedlichsten Gründen Sinn, Fach- und Führungskräfte, von denen sie sich trennen wollten oder müssten, für die berufliche Neuorientierung einen Coach an die Seite zu stellen. Wer im Kündigungsgespräch jemandem das Angebot macht, ihm beim Start in die nächste Karriere zu helfen, kann allein mit dieser Geste häufig Streit vermeiden. Doch selbst wenn eine Trennung im Rechtsstreit endet, punkten die Arbeitgeber vor den Arbeitsgerichten allein schon mit dem Hinweis, dass sie dem betroffenen Kläger doch sogar großzügig einen Coach finanzieren hätten wollen. Für die Unternehmen macht das Investment finanziell vor allem aber dann Sinn, wenn der Anstellungsvertrag eines Managers noch mehrere Jahre ausbezahlt werden müsste. „Wenn der betroffene Kandidat mit Hilfe eines Outplacementberaters in solchen Fällen schneller woanders eine Stelle findet als die Laufzeit seines Anstellungsvertrages währt, spart das Kosten“, so Manger-Wiemann.

Der typische Outplacement-Kandidat ist 44 und verdient 100.000 Euro im Jahr

Die BDU-Studie zeigt, dass die Kandidaten, die Outplacement in Anspruch nehmen, einerseits immer jünger werden,. Zugleich steigt aber auch der Anteil der über 50-Jährigen, die sich nach einem Rauswurf coachen lassen. Knapp die Hälfte der Outplacement-Kandidaten sind zwar auch heute noch 40- bis 49-jährige Fach- und Führungskräfte. 2012 war von den insgesamt 7.200 betreuten Kandidaten jedoch schon knapp ein Drittel erst zwischen 30 und 39 Jahre alt, mehr als ein Drittel gehört der Generation 50+ an. Im Schnitt verdient der typische Outplacement-Kandidat pro Jahr 100.000 Euro. Frauen scheinen besonders offen für die vom Arbeitgeber finanzierte Karriereberatung zu sein.

 

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1 Kommentar zu Outplacement: Zum Abschied gibt's noch einen Coach

  • Ein schöner Artikel über die Möglichkeit, zusammen mit einem Coach Veränderungsprozesse zu gestalten. Der Vorteil des Coaches ist sicherlich, den Klienten zur Selbstreflektion anzuleiten und daraus gezielt Kompetenzen und Ressourcen für einen möglichen "Neuanfang" herauszustellen. Eine Gefahr hierbei mag sein, dass das Coaching als "Trostpflaster" oder "Verordnung" dem Klienten (von Arbeitgeberseite) präsentiert wird. Hier ist von Seiten des Coaches Fingerspitzengefühl gefragt, das geleistete wertzuschätzen und auch seine Bereitschaft, in die eigene Entwicklung Zeit und Energie zu investieren.

    Peter Reitz

    www.ifck.de

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