Bildung: Der Testwahn der Bildungsforscher

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Bildung: Der Testwahn der Bildungsforscher

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Objekte der empirischen Bildungsforschung: Schüler in der Grundschule "Anne Frank" in Themar (Landkreis Hildburghausen).

Die empirische Bildungsforschung macht Stimmung in eigener Sache. Die Politik soll noch mehr Geld ins Testen statt ins Lernen stecken. Dabei sind die Methoden mehr als zweifelhaft. Ein Gastbeitrag des Didaktik-Professors Hans Peter Klein.

Der Zeitpunkt war optimal. Gerade hatte die Bundeskanzlerin am Wochenende verkündet, dass Bildung ein Schwerpunkt der Investitionen der künftigen Bundesregierung sein solle. Und nun trafen sich zu Wochenanfang in Frankfurt die Vertreter einer Disziplin, die von diesen Investitionen besonders zu profitieren hofft. Alles was Rang und Namen hat in der so genannten „empirischen Bildungsforschung“, kam zum Jahreskolloquium des DFG-Schwerpunktprogramms „Kompetenzmodelle zur Erfassung individueller Lernergebnisse und zur Bilanzierung von Bildungsprozessen“. Das Ziel dieser Veranstaltung war, die Öffentlichkeit und vor allem die politischen Entscheidungsträger darauf einzuschwören, weiterhin und verstärkt Geld in die Vermessung von so genannten Kompetenzen von Schülern zu stecken, da angeblich nur sie die aktuellen Herausforderungen im Bildungssystem bewältigen könnten. Um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen, wurde sogar extra ein neues „Bildungspolitisches Forum“ aus der Taufe gehoben. Kritiker der Kompetenzmodelle der empirischen Bildungsforschung waren nicht eingeladen. 

Neuer Leistungsvergleich Schüler in Ostdeutschland können besser rechnen

Bei Schulvergleichen lagen bisher meist die süddeutschen Bundesländer vorn. Diesmal ist es der Osten. Erschreckend sind in Naturwissenschaften die schwachen Leistungen von Schülern aus sozialschwachen Familien.

Schüler mit Taschenrechner: Die Länder in Ostdeutschland schneiden im neuen Schulleistungsvergleich besser ab als die im Westen. Quelle: dpa

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Kompetenzstufenmodelle – der heilige Gral der empirischen Bildungsforschung

Das Konzept der Kompetenzerfassung, das auch der am Dienstag präsentierten PIAAC-Studie der OECD zugrunde liegt, war schon 2003 zentraler Bestandteil bei der Erstellung der nationalen Bildungsstandards und wird als Voraussetzung verkauft für den gewünschten kompetenzorientierten Unterricht, der als das Non-Plus-Ultra der neuen Bildungsoffensive angepriesen wurde. Das Messen von Schülerkompetenzen ist seither der heilige Gral der Bildungsforschung. Die Individualisierung von Unterricht sei dadurch nun problemlos möglich und zwar unabhängig von der Klassenstärke.

Bildungsökonomie Vergesst die OECD!

Die Bildungsagenda der OECD hat sich in Ministerien und vielen Redaktionen durchgesetzt. Falsch bleibt sie trotzdem. Nicht immer mehr Akademiker, sondern die Qualität des Wissenschaftssystems sollte oberstes Ziel sein.

Schüler im Hörsaal Quelle: dpa

Solche Heilsversprechungen kommen in der Politik gut an. Dreistellige Millionenbeträge flossen seitdem in die Erforschung von Kompetenzmodellen. Dazu musste aber erst passend gemacht werden, was nicht passte.

Die in der Schulpraxis über Jahrzehnte bewährten drei Anforderungsbereiche aus der Einheitlichen Prüfungsanforderung in der Abiturprüfung (EPA) wurden verworfen, da sie für Test- und Messzwecke wegen ihrer Komplexität ungeeignet waren. Die Anforderung „Komplexere Fragestellungen auf der Grundlage von Kenntnissen und Konzepten planmäßig und konstruktiv bearbeiten“ kann beispielsweise in einer metrischen Skala nach PISA nicht abgebildet werden, da hier vielfältige kognitive Leistungen und die Komplexität der Inhalte einfließen. Die Anforderungsbereiche der EPA haben ausdrücklich keine Stufung von Kompetenzen vorgesehen, da ein breiter wissenschaftlicher Konsens sie grundsätzlich für nicht messbar hält. Doch die empirischen Bildungsforscher glauben, das ändern zu können.

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