Legal Tech: Werden Anwälte obsolet?

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Legal Tech: Werden Anwälte obsolet?

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Legal-Tech: Ersetzen Algorithmen bald Anwälte?

von Oliver Voß

Start-ups setzen auf Software und künstliche Intelligenz, um Verbrauchern zu ihrem Recht zu verhelfen. Ersetzen Algorithmen bald Anwälte?

Mit Jeans, Hemd und Sakko sieht Betriebswirt Peer Schulz aus wie so viele seiner Profession. Sein Büro in einem schicken Geschäftshaus an der Düsseldorfer Königsallee liegt zwischen edlen Boutiquen von Louis Vuitton und Bogner. Doch Schulz gibt den Rebellen: „Wir helfen den Versicherten gegen die scheinbar übermächtigen Konzerne.“

Sein Start-up Helpcheck ist der jüngste Vertreter einer rasch wachsenden Zahl von digitalen Dienstleistern, die Verbrauchern zu ihrem Recht verhelfen. Flightright oder Fairplane erstreiten von großen Fluglinien bei Verspätungen oder Ausfällen Erstattungen für Passagiere. Geblitzt.de hilft Autofahrern, Bußgelder anzufechten. Und MyRight hat sich mit Volkswagen angelegt, um auch für deutsche Dieselbesitzer Entschädigungen zu erkämpfen.

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Was sie eint: Sie sammeln eine Vielzahl ähnlicher Fälle, setzen so Unternehmen unter Druck und Ansprüche der verärgerten Kunden durch. Möglich macht das in allen Fällen intelligente Software, die große Teile der Anwaltsarbeit automatisiert.

Software übernimmt Großteil der Anwaltsarbeit

Volkswagen-Skandal MyRight will verhafteten VW-Manager vernehmen

In Deutschland sind 2,6 Millionen Kunden vom VW-Rückruf betroffen. Am Montag reicht MyRight für einen von ihnen Klage gegen Volkswagen ein. Gleichzeitig beantragen sie die Vernehmung von VW-Manager Oliver Schmidt.

Myright.de setzt sich für Geschädigte des VW-Abgasskandals ein. Quelle: dpa Picture-Alliance

Schulz, der Robin Hood von der Kö, hat sich auf Versicherungen spezialisiert – und reichlich Arbeit: Rein statistisch hat jeder Deutsche eine Lebensversicherung. In Zeiten schrumpfender Renditen wollen viele den Klassiker unter den Kapitalanlagen am liebsten loswerden. Viele zwischen 1994 und 2007 abgeschlossene Policen enthalten fehlerhafte Widerrufsbelehrungen. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs haben ihre Besitzer das Recht, ihre Beiträge plus Zinsen zurückzufordern.

Das aber auch durchzusetzen ist alles andere als einfach. Helpcheck will das ändern: Auf dem Portal lassen sich Versicherungsunterlagen hochladen. Das Start-up prüft dann automatisch, ob ein Widerruf möglich ist und setzt den mit Partneranwälten juristisch durch.

Verbraucher dürfte das freuen. Sie kommen bequemer und billiger zu ihrem Recht als bislang. Aber was ist mit den Juristen? „Wir stehen vor einer technologischen und intellektuellen Revolution, die den Markt tief greifend verändern wird“, sagt Nicole Narewski, Geschäftsführerin des Deutschen Anwaltvereins. So könnte Software laut einer Studie der privaten Bucerius Law School in Hamburg und der Boston Consulting Group künftig 30 bis 50 Prozent der Aufgaben von Junioranwälten übernehmen.

Legal Techs Auch die Rechtsberatung wird digital

Lange haben sich Juristen gewehrt, jetzt beugen sie sich der Digitalisierung: Sie lassen sich von Online-Vermittlern listen und von Klienten bewerten. Das hat für Verbraucher und Anwälte gleichermaßen Vorteile.

In den USA hilft ein Roboter einer Kanzlei bereits bei der Recherche. Quelle: dpa

Wenn nämlich Computer nicht mehr nur Paragrafen erfassen, sondern künstliche Intelligenz daraus auch selbstständig Schlüsse zieht. Daran tüfteln nicht nur Start-ups, sondern auch große Technologiekonzerne wie SAP in Walldorf. Kai Jacob, der dort die Entwicklung von Vertrags- und Rechtssoftware leitet, testet gerade ein Modul, das der Konzern im Sommer zur Verfügung stellen will. „Kunden können dabei mit ihren gebräuchlichsten Klauseln Verträge erstellen“, sagt er. Was nach einem kleinem Zusatzdienst klingt, könnte der Grundstein zu einem lukrativen Geschäft werden. „Mit den virtuellen Dokumenten schaffen wir eine Grundlage dafür, dass künftig Software Verträge verstehen kann.“

Start-ups kassieren bei Erfolg

Es wäre die Geburtsstunde des Robo-Anwalts, der seinem menschlichen Kollegen die Arbeit abnimmt. Noch aber bescheren die neuen Dienstleister aus dem Netz etablierten Anwälten zusätzliche Arbeit. Denn sie greifen Fälle auf, die bislang oft nicht vor Gericht gelandet sind. Laut einer Forsa-Umfrage verzichten mehr als zwei Drittel aller Deutschen aus Angst vor den Kosten bei Streitigkeiten auf einen Anwalt.

Da setzen die Start-ups an: Ihr Dienst ist zunächst meist kostenlos, dafür verlangen sie im Erfolgsfall ein Viertel oder ein Drittel der erstrittenen Summe. Dass viele bereit sind, so hohe Provisionen zu zahlen, liegt vor allem daran, dass sie ohne die Hilfe der Start-ups oft gar nichts bekommen.

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