Diskriminierung: Bewerber mit türkischem Namen haben schlechtere Chancen

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Diskriminierung: Bewerber mit türkischem Namen haben schlechtere Chancen

Der Nachname als Ausschlusskriterium: Trotz gleicher Noten und ähnlicher Qualifikation werden Bewerber mit Migrationshintergrund seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Das hat Konsequenzen für den Arbeitsmarkt.

Schmitz, Müller oder Klein: Wer einen deutschen Nachnamen hat, der hat es bei der Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz deutlich leichter. Das ist das Ergebnis einer Studie des Forschungsbereichs des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR).

Demnach werden junge Menschen mit einem Migrationshintergrund bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen diskriminiert. Für die Studie wurden 3600 Bewerbungen untersucht. Dabei haben sich je zwei gleich gut qualifizierte Bewerber auf einen Ausbildungsberuf als Kfz-Mechatroniker und Bürokaufmann beworben. Einer hatte einen deutschen, einer einen türkischen Namen. Die Rückmeldungen haben gezeigt: Um zu einem Gespräch eingeladen zu werden, musste der Bewerber mit deutschem Nachnamen durchschnittlich fünf Bewerbungen schreiben, ein Bewerber mit türkischem Nachnamen hingegen sieben.

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Bei den Bewerbungen auf eine Stelle als Kfz-Mechatroniker war die Benachteiligung stärker spürbar. „Diskriminierung tritt also nicht in allen Branchen gleichermaßen auf“, erläuterte Jan Schneider, Leiter des SVR-Forschungsbereichs und Autor der Studie. „Einen wichtigen Einfluss auf das Ausmaß der Ungleichbehandlung hat außerdem die Unternehmensgröße: Die Diskriminierungsrate ist bei kleinen Firmen mit weniger als sechs Mitarbeitern deutlich höher als bei mittleren und großen Unternehmen.“

Das hat Folgen für die Qualität der Betriebe. „Wo diskriminiert wird, entgehen den Ausbildungsbetrieben geeignete Bewerber. Mittelfristig kann dies die Sicherung der Fachkräftebasis gefährden“, sagte Schneider. Auch für die jungen Menschen mit Migrationshintergrund sei die Erfahrung, dass sie auf ihre Bewerbungen ständig Absagen erhalten, ein Grund für Resignation, so der Leiter des Forschungsbereichs.

Die Gründe für die Diskriminierung bei der Ausbildungssuche sind vielfältig. Viele Unternehmen assoziieren mit ausländischen Nachnamen negativ behaftete Stereotypen und haben Vorbehalte. Außerdem befürchten sie, dass ein Auszubildender mit Migrationshintergrund vom Kunden wenig akzeptiert werden könnte. Ein weiterer Grund ist die "Risikominimierung": Kleine Unternehmen befürchten häufig, dass sich Auszubildende mit Migrationshintergrund schwerer im Team zurechtfinden. „Erwartungshaltungen, Vorurteile und Projektionen erweisen sich in Verbindung mit betrieblichen Auswahllogiken als Nährboden für Diskriminierung“, sagt Schneider.

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Um Diskriminierung zu vermeiden, empfiehlt der SVR-Forschungsbereich anonymisierte Bewerbungsverfahren. Oft gibt es dabei aber gerade für kleine Firmen finanzielle Barrieren. Eine flächendeckende und kostengünstige EDV-Lösung könnte die Probleme lösen. Firmenchefs und Personaler sollten zudem stärker sensibilisiert werden. "Die Unternehmen sollten Diskriminierung auch im wirtschaftlichen Eigeninteresse vermeiden. Denn bei der Sicherung des betrieblichen Nachwuchses sind die Betriebe in Zeiten des Fachkräftemangels mehr denn je darauf angewiesen, das gesamte Potential der Bewerber auszuschöpfen.“, sagte Schneider.

Das Projekt "Diskriminierung am Arbeitsmarkt" wurde von der Robert Bosch Stiftung gefördert.

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