Weinen am Arbeitsplatz : Wie Chefs richtig trösten

InterviewWeinen am Arbeitsplatz : Wie Chefs richtig trösten

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Wenn der Mitarbeiter weint, gilt: ruhig bleiben.

von Lisa Oenning

Wenn der Mitarbeiter weint, sind viele Führungskräfte ratlos. Management-Coach Sabine Prohaska erklärt, wie Chefs mit dieser Situation umgehen und Angestellte die Kontrolle über ihre Gefühle zurückgewinnen.

WirtschaftsWoche: Der Mitarbeiter bricht plötzlich in Tränen aus. Wie reagiert ein Chef in dieser Situation angemessen?

Sabine Prohaska: Prinzipiell gilt: ruhig bleiben. Der Chef sollte seinem Mitarbeiter erst einmal ein Taschentuch reichen und warten, bis sich dieser beruhigt hat. Erst dann sollte die Führungskraft das Gespräch suchen und den Mitarbeiter erzählen lassen, was passiert ist.

Wer reagiert in solchen Situationen besser: Mann oder Frau?

Frauen können meistens besser mit den Gefühlsausbrüchen von Mitarbeitern umgehen, weil sie sich einfacher in deren Lage versetzen können. Vor allem wenn Männer weinen, wissen männliche Führungskräfte oft nicht, wie sie sich verhalten sollen.

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Viele reagieren verhalten, weil es ihnen peinlich ist, dass sie mit dieser Situation überfordert sind. Andere reagieren ärgerlich und fordern den Mitarbeiter auf, sich zusammenzureißen.

Zur Person

  • Sabine Prohaska

    Sabine Prohaska ist Wirtschaftspsychologin und Management-Coach. Ihr Kernthema ist das Vermitteln von angewandter Psychologie im Businessalltag. Sie leitet das Weiterbildungsunternehmen Seminar Consult in Österreich und hatte bereits einige TV-Auftritte als wirtschaftspsychologische Expertin.

Bei Frauen ist das anders?

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen können Chefs schnell den Eindruck bekommen, dass der Mitarbeiter nicht so belastbar ist, wenn er ihm keinen guten Grund für seinen Heulkrampf nennt. Frauen wird Weinen am Arbeitsplatz noch eher zugestanden als Männern. Das liegt am klassischen Rollenbild, das noch in vielen Köpfen verankert ist: Frauen sind schwächer und damit emotionaler. Männer müssen stark sein. Da ist Weinen für viele ein absolutes No-Go.

Was ist Ihrer Erfahrung nach der häufigste Grund für Gefühlsausbrüche am Arbeitsplatz?

Hauptsächlich Streit mit Kollegen.

Mit wem wir uns im Beruf am häufigsten streiten

  • Die lieben Kollegen

    Je mehr ein Mensch mit einem anderen zu tun hat, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie aneinander geraten. Entsprechend gaben 37 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage "Streit - erfolgreich oder folgenreich" der IHK Frankfurt an, sich häufig mit Kollegen beziehungsweise Mitarbeitern zu streiten.

  • Der nervige Chef

    Mehr als ein Drittel gab an, sich häufig mit Führungskräften zu streiten.

  • Die "da oben"

    Ein Viertel sagte, dass sie häufig mit der Geschäftsleitung aneinander geraten.

  • König Kunde

    23 Prozent streiten sich häufig mit Kunden.

  • Zulieferer

    Bei 14 Prozent sind Zulieferer ein häufiger Streitgrund und -partner.

  • Diese Behörden...

    Elf Prozent streiten sich häufig mit Behörden, mit denen sie beruflich zu tun haben.

  • Partner

    Jeweils sieben Prozent gaben an, sich mit Gesellschaftern beziehungsweise Kooperationspartnern in die Haare zu kriegen.

  • Typisch Bank

    Nur drei Prozent geraten häufig mit Kapitalgebern und Banken aneinander.

Aus Gesprächen mit Führungskräften weiß ich, dass es für viele Angestellte schlimm ist, wenn das Unternehmen einzelne Abteilungen umstrukturiert und der Chef den Mitarbeiter in einen anderen Raum, zu neuen Kollegen, versetzt.

Mitarbeitergespräche sind auch ein häufiger Grund. Vor allem dann, wenn die Chefs ihnen vorher nur mitteilen, dass sie mit ihnen reden wollen. In diesen Situationen befürchten viele eine Abmahnung.

Dürfen Führungskräfte weinen?

Chefs sollten lieber nicht vor ihren Mitarbeitern weinen. Sie sind zwar auch nur Menschen, aber man erwartet von ihnen, dass sie selbstsicher sind und die Situation immer im Griff haben. Das zweifeln Mitarbeiter schnell an, wenn der eigene Chef plötzlich in Tränen ausbricht.

Wenn man spürt, dass man den Tränen nahe ist – was dann?

Wenn dem Mitarbeiter zum Weinen zumute ist, sollte er sich überlegen, ob es in der jeweiligen Situation adäquat ist, den Tränen freien Lauf zu lassen. Wenn sich ein Verkäufer beispielsweise über einen Kunden ärgert, ist es unangemessen, noch im Verkaufsraum zu weinen. Da sollte sich der Mitarbeiter lieber auf die Toilette zurückziehen. Denn wenn der Mitarbeiter direkt drauf losheult, erweckt er schnell den Eindruck, dass die Situation ihn beherrscht – und nicht umgekehrt.

Wie gewinnt der Mitarbeiter die Kontrolle über die Situation?

Tief durchatmen und einen Schluck Wasser trinken. In solchen Momenten ist es wichtig, die Gefühle zu reflektieren: Was ist der Auslöser dafür? Die Person kann auch emotional Abstand zur Situation gewinnen, indem sie sich überlegt, wie sie wohl in zehn Jahren darüber denken würde. Vieles relativiert sich dann.

Wenn das nicht hilft, ist es immer gut, die Situation zu verlassen – und eben zum Beispiel die Toilette aufzusuchen, wo sich der Mitarbeiter mit kaltem Wasser das Gesicht und Hände waschen kann. Manchmal hilft aber auch ein Gespräch mit einem netten Kollegen oder ein kurzes Telefonat mit einem Freund.

Die Traurigkeit schlägt in Wut um. Was nun?

Wenn der Mitarbeiter wütend wird, sollten Chefs die Situation verbalisieren. Zum Beispiel so: "Sie reden sich in Rage und sind wütend." So gibt die Führungskraft erst einmal die Rückmeldung, dass sie das Verhalten wahrnimmt.

Wenn sich der Mitarbeiter etwas beruhigt hat, sollten sich beide zusammensetzen und der Chef dem Angestellten Grenzen aufzeigen und seine Erwartungshaltung deutlich machen.

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Von wegen oh du Fröhliche: Die Deutschen sind unzufrieden mit ihrem Job. Schuld ist oft der Vorgesetzte. Da hilft nur kündigen - oder den Chef tapfer ertragen. Alles muss man sich aber trotzdem nicht gefallen lassen.

Quelle: Pro7

Und wenn der Mitarbeiter sich nicht daran hält?

Wenn sich der Mitarbeiter trotz vieler Klärungsgespräche weiterhin unangemessen verhält, hat der Chef die Möglichkeit, ihn abzumahnen. Dazu muss er das Verhalten aber eindeutig beschreiben. So kann der Chef das unangemessene Verhalten nachvollziehen. Die Beschreibung gibt dem Mitarbeiter aber auch die Chance, konkret an einem bestimmten Verhaltensmuster zu arbeiten.

Kann sich jemand, der nah am Wasser gebaut oder ein Choleriker ist, von Grund auf ändern?

Nein. Vor allem Choleriker können sich nur schwer anpassen. In schwierigen Situationen überkommt sie die Wut und sie sind unzugänglich für jedermann. Da sollte der Chef oder der Choleriker von sich aus die Situation verlassen.

Das Einzige, was der Chef tun kann, ist, ihm weiterhin Grenzen aufzuzeigen und zu beobachten, wie oft und in welchem Ausmaß die Wutanfälle vorkommen.

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